Wesentliche Ergebnisse aus dem VCD-Mobilitätscheck ÖPNV
Der ökologische Verkehrsclub VCD hat einen bundesweiten Mobilitätscheck durchgeführt und dafür Menschen in ganz Deutschland zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) befragt. Von Anfang Mai bis Ende Juni bewerteten rund 7.500 Befragte die Angebotsqualität und Zuverlässigkeit von Bus und Bahn in ihrer Region. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern fahren über 65 Prozent mindestens einmal wöchentlich mit dem ÖPNV.
Auf die Frage, was ein attraktiver ÖPNV bedeutet, konnten die Teilnehmenden bis zu drei Antworten geben. Mit 83,8 Prozent erreichte „gute Erreichbarkeit, gutes Streckennetz“ die mit Abstand höchste Zustimmung. Dem folgten „ein dichter Takt“ und „verlässliche Abfahrtszeiten“. Erst an vierter Stelle mit 48,3 Prozent wurde „Bezahlbare Ticketpreise“ genannt.
Besserer ÖPNV würde deutlich mehr Menschen zum Umstieg bewegen
Sehr verbreitet sind der Wunsch nach einem attraktiveren ÖPNV-Angebot und die Bereitschaft, Bus und Bahn häufiger zu nutzen: Mehr als 90 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass mehr Menschen den ÖPNV häufiger nutzen würden, wenn das Angebot besser wäre. Selbst rund die Hälfte der Befragten, die selten bis gar nicht mit dem ÖPNV unterwegs sind (52,8 Prozent), würden ihn bei einem besseren Angebot häufiger nutzen.
Keine Verbesserung der Zuverlässigkeit in den letzten fünf Jahren
Kritisch bewerten die Befragten die Entwicklung der vergangenen Jahre: Knapp zwei Drittel (62 Prozent) sehen keine Verbesserung des ÖPNV-Angebots in den letzten fünf Jahren. Lediglich 12,7 Prozent nehmen Fortschritte wahr.
Häufigkeit der ÖPNV-Nutzung und Zufriedenheit
Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen der ÖPNV-Nutzung und der Zufriedenheit mit dem Angebot. Bei jenen, die Bus und Bahn täglich oder zumindest wöchentlich nutzen, sind 44 bzw. 41 Prozent zufrieden. Bei monatlicher Nutzung sinkt die Zufriedenheit bereits auf ein Drittel. Von denjenigen, die seltener als einmal im Monat mit dem ÖPNV fahren, äußern nur noch 18,3 Prozent Zufriedenheit. Gleichzeitig steigt der Anteil der Unzufriedenen von 31,4 Prozent auf 63,0 Prozent.
Infografiken zum ÖPNV-Check
Deutschlandticket und Pkw-Besitz
Vorrangig wird von den Befragten das Deutschlandticket genutzt (69,1 Prozent). Einzel- oder Mehrfachkarten folgen mit 28,7 Prozent, Monatskarten oder sonstige Tickets spielen mit jeweils weniger als zehn Prozent kaum eine Rolle. Ein Zusammenhang zeigt sich beim Pkw-Besitz und der Nutzung des Deutschlandtickets: Befragte ohne Auto nutzen das Ticket mit 82,4 Prozent mit Abstand am häufigsten. Mit zunehmender Zahl verfügbarer Pkw sinkt der Anteil: Bei einem Pkw sind es 64,5 Prozent, bei zwei Pkw 50,6 Prozent bei mehr als zwei Pkw mit 52,9 Prozent etwas mehr.
Sicherheitsgefühl im ÖPNV hängt vom Geschlecht ab
Insgesamt positiv wird das Sicherheitsgefühl im ÖPNV bewertet: Mehr als Dreiviertel der Befragten (76,1 Prozent) stimmten der Aussage zu, sich in Bus und Bahn sicher zu fühlen. Gleichzeitig zeigen sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Wer als Geschlecht „weiblich“, „keine Angabe“ oder „divers“ angab, fühlt sich im ÖPNV weniger sicher als männliche Befragte.
Pünktlichkeit, Störungsinformationen und alternative Verbindungen: Regionale Unterschiede
Die Befragten sollten verschiedene Aspekte des ÖPNV in ihrer Region beurteilen. In punkto Pünktlichkeit ist das Ergebnis gespalten. 35,8 Prozent aller Teilnehmenden beurteilen den ÖPNV zwar (eher) pünktlich, 30,6 Prozent sehen das aber (eher) nicht so und 33,5 Prozent äußerten teils/teils. Treten Störungen auf, stimmen nur noch 29,7 Prozent (eher) zu, dass sie bei Störungen verlässliche Informationen bekommen, 39,3 Prozent verneinten das (eher), 31,0 Prozent meinten teils/teils. Noch negativer fällt das Urteil zu der Aussage aus, dass sie bei Störungen alternative Verbindungen vorgeschlagen bekommen. Nur noch 28,2 Prozent der Befragten bestätigten dies (eher), während 42,5 Prozent dem (eher) nicht zustimmten und 29,3 Prozent teils/teils angaben.
In Metropolen (über 500.000 Einwohnende) fanden 41,3 Prozent und in Großstädten (bis 500.000 Einwohnende) 39,3 Prozent, dass Bus und Bahn (eher) pünktlich fahren. In Mittelstädten bis zu Kleinstädten und Dörfern kehrt sich das Verhältnis um. Dennoch gibt es regionale Besonderheiten. Denn nicht nur in den größeren Städten Berlin und Bremen bewerten die Teilnehmenden Pünktlichkeit, Störungsinformationen und alternative Verbindungen positiver als in anderen Bundesländern, sondern auch in den Flächenländern Sachsen und Thüringen.
Forderungen des VCD
Die Ergebnisse des Mobilitätschecks zeigen: Vielnutzende sind zwar in der Regel mit dem ÖPNV zufrieden oder eher zufrieden, dies hängt aber entscheidend von der Angebotsqualität ab. So wünschen sich die teilnehmenden Fahrgäste vor allem eine gute Erreichbarkeit und ein gutes Streckennetz, einen dichten Takt und verlässliche Abfahrtszeiten. Diese Bewertungen zeigen, dass wir bundesweit von einem flächendeckend guten ÖPNV weit entfernt sind. Deshalb darf weder bei Bus noch bei Bahn gekürzt werden. Denn das steht den Bedürfnissen der Fahrgäste entgegen. Stattdessen müssen Bund, Länder und Kommunen deutlich mehr investieren, um bestehende Angebote zu sichern und auszubauen. Auch bei der Kommunikation bei Störungen ist noch viel Luft nach oben. Bessere Informationen und das Nennen von Alternativen würden die Situation für Fahrgäste erleichtern.
Deshalb fordert der VCD:
- Eine bundesweite Mobilitätsgarantie mit festen Bedienungs- und Erschließungsstandards, damit Bus und Bahn für mehr Menschen eine echte Alternative zum Auto werden.
- Mindestens stündliche Verbindungen auch in kleinere Ortschaften ab 200 Einwohnenden.
- Dichtere Takte auf wichtigen Verkehrsachsen: regionale Hauptachsen alle 30 Minuten, im urbanen Raum mindestens alle 10 Minuten.
- Ergänzung des ÖPNV durch flexible Lösungen wie On-Demand-Angebote.






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