auf dem Bild sind Szenen aus verschiedenen Ländern zu sehen

Verkehrswende-Inspiration

5 gute Beispiele aus aller Welt: So wird die Verkehrswende in anderen Ländern gelebt

Weltweit gibt es Städte, Regionen und Länder, die jede Menge innovative Ideen für die Verkehrswende bereits erfolgreich umsetzen. Sie zeigen, wie unsere Mobilität in Zukunft aussehen kann. Wir finden: Davon können wir in Deutschland eine Menge lernen!

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Während in Deutschland noch heiß über die Verkehrswende diskutiert wird, haben andere Länder bereits mutige Schritte unternommen und zeigen, wie nachhaltige Mobilität funktionieren kann. Ob autofreie Stadtviertel, exzellente Radwegenetze oder günstiger und gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr – weltweit gibt es zahlreiche inspirierende Beispiele dafür, wie sich Städte und Regionen lebenswerter gestalten lassen. Diese Erfolgsmodelle beweisen, dass eine moderne und umweltfreundliche Mobilität nicht nur möglich, sondern auch enorm gewinnbringend für alle ist. Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich!

1. Kopenhagen: Die Fahrradstadt schlechthin

Kopenhagen ist ein ausgezeichnetes Vorbild für fahrradfreundliche Städte. Etwa die Hälfte der Einwohner*innen pendeln täglich mit dem Rad – und das bei jedem Wetter. Denn die Voraussetzungen sind ideal: Ein gut ausgebautes Netz an Fahrradwegen, ausreichend Stellplätze, Radschnellwege und gute Infrastruktur wie die Cykelslangen (Fahrradschlange).

Die Cykelslangen ist eine 220 Meter lange und vier Meter breite Brücke, die über den Hafen führt, ausschließlich für Radfahrer*innen gedacht ist und sicheres und schnelles Radeln in der City ermöglicht. Die Fahrradbrücke kommt außerordentlich gut an: Bis zu 20.000 Menschen nutzen sie täglich – weit mehr als die bei der Planung erwarteten 12.500 Personen. Die dänische Hauptstadt investiert jährlich Millionen in den Ausbau der Radinfrastruktur und das zahlt sich aus. In Kombination mit weiteren Klimaschutzmaßnahmen in den Bereichen Verkehr und Energie konnten die Gesamtemissionen von 2005 bis 2021 um mehr als 72 Prozent gesenkt werden.

2. Paris: Tempo 30 für mehr Lebensqualität

Tempo 30 im Stadtgebiet, weniger Parkplätze (ca. 50.000!) und Fahrspuren für Autos, dafür mehr Radwege (über 1.300 km!) und Busspuren, verkehrsberuhigte Zonen und Grünflächen. Außerdem wurden die Parkgebühren für SUVs im Stadtzentrum auf 18 Euro pro Stunde angehoben (mit Ausnahme von Parkhäusern) – Paris setzt schon seit Jahren Maßstäbe für eine echte Verkehrswende. 

Das Ziel: Weniger Autoverkehr, ruhigere Straßen, bessere Luft – kurz: mehr Lebensqualität und Sicherheit für alle. Außerdem sollen Anwohner*innen und mobilitätseingeschränkte Personen durch den reduzierten Verkehr schneller von A nach B kommen. Und es funktioniert: Mehr Menschen nutzen Bus und Bahn oder steigen aufs Rad.

3. Bogotá: Autofreier Tag und Ciclovía

„An advanced city is not one where the poor own a car, but one where the rich use public transport."

Enrique Peñalosa, ehemaliger Bürgermeister von Bogotá

2020 wurde in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá der Klimanotstand ausgerufen. Seitdem wurden nicht alle Herausforderungen des Verkehrssystems der Millionenstadt gelöst, aber sie hat sich inzwischen zur Fahrradhauptstadt Kolumbiens entwickelt und verfügt mittlerweile über die zweitgrößte Elektrobusflotte der Welt. Außerdem findet jeden Sonntag und an Feiertagen die „Ciclovía“ statt: Über 120 Kilometer Straße wird für Autos gesperrt, damit Menschen flanieren, radeln oder skaten können. Dieses Konzept fördert nicht nur die Gesundheit, sondern schafft auch ein Gemeinschaftsgefühl in der Bevölkerung. Einmal jährlich wird der „Día sin Carro“ (Tag ohne Auto) gefeiert, an dem Leben auf die Straßen kommt, weil nur Menschen zu Fuß, mit dem Rad oder den Öffis unterwegs sind. 2022 wurde Bogotá zu einer der hundert nachhaltigsten Städte weltweit ernannt (Sustainable City Index). 

4. Niederlande: Fahrrad-Paradies

Die Niederlande sind die Fahrrad-Nation schlechthin, nirgendwo sonst auf der Welt sind so viele Menschen regelmäßig mit dem Rad unterwegs. Hier ist das Fahrrad nicht nur ein Fortbewegungsmittel, sondern auch ein Lebensstil – und zwar auf dem Land genauso wie in den Städten. Über 60 Prozent der Niederländer*innen steigen regelmäßig aufs Rad. Deutschland liegt mit etwa 34 Prozent weit dahinter (Destatis 2022). 

Warum ist das so? Die Infrastruktur in den Niederlanden macht das Radeln attraktiv und reicht über gut ausgebaute und sichere Radwege hinaus. So wurde zum Beispiel das größte Fahrradparkhaus der Welt 2019 in Utrecht gebaut und bietet sichere Abstellmöglichkeiten für 12.656 Räder – auf drei Etagen, samt Reparatur- und Ersatzteilservice. Die ersten 24 Stunden parkt man komplett kostenfrei, danach für 1,25 Euro pro Tag.

5. Singapur: Metropole ohne Verkehrschaos

Die Devise der Stadt lautet: Autofahren so unattraktiv wie möglich machen und dafür den Nahverkehr sehr gut und kostengünstig gestalten. Singapur reduziert den Autoverkehr durch ein innovatives City-Mautverfahren. Durch das „Electronic Road Pricing“ (ERP)-System wird der Verkehr in Echtzeit überwacht und Fahrer*innen zahlen je nach Verkehrslage höhere Gebühren für die Nutzung bestimmter Straßen. 89 Prozent der Einwohner haben kein eigenes Auto, denn die Anschaffung kostet! Zwischen 50.000 und 100.000 Euro zahlt man allein für die Erlaubnis, ein Auto zu besitzen (Certificate of Entitlement), und sie ist nur zehn Jahre gültig. Außerdem werden neue Autos nur zugelassen, wenn andere abgeschafft werden. Ein Großteil der eingenommenen Gelder wird in den öffentlichen Nahverkehr investiert.


Noch mehr gute Beispiele


Die Verkehrswende ist eine weltweite Aufgabe

Diese Beispiele zeigen: Sie ist nicht nur machbar, sondern bringt enorme Vorteile. Mit den richtigen Maßnahmen wird nicht nur die Lebensqualität spürbar gesteigert, sondern auch aktiv das Klima geschützt und eine zukunftsfähige Mobilität für alle geschaffen.

Auch in Deutschland gibt es Fortschritte in Sachen Verkehrswende, aber wir können von den Erfahrungen anderer Länder profitieren.

  • Radverkehr fördern: Höhere Investitionen in durchgängige, sichere Radwege wie in Kopenhagen oder den Niederlanden.
  • Autoverkehr reduzieren: Tempo 30 in Innenstädten und mehr autofreie Zonen wie in Paris oder Bogotá.
  • Innovative Ansätze nutzen: Mehr Anreize bieten, um den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen und gleichzeitig den Autoverkehr unattraktiver zu machen wie in Singapur.

Die Verkehrswende ist vor allem eine Frage des politischen Willens und der Innovation. Städte wie Kopenhagen, Bogotá oder Paris zeigen, wie es gehen kann. Wenn wir voneinander lernen und mutige Entscheidungen treffen, können wir eine Mobilität schaffen, die nachhaltig, gerecht und zukunftsfähig ist.


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