Frage von
Es kommt ganz darauf an, mit wem du sprichst.
Kurz erklärt:
Für viele Menschen ist der Klimaschutz ein starkes und zentrales Argument für die Verkehrswende – aber längst nicht für alle. Der Hinweis auf weniger Emissionen überzeugt vor allem Menschen, denen Umweltfragen ohnehin wichtig sind. Andere erreichst du besser mit Argumenten, die näher an ihrem Alltag liegen.
Für manche steht soziale Gerechtigkeit im Vordergrund – etwa die Frage, warum Menschen, die sich aufgrund ihres geringen Einkommens kein eigenes Auto leisten können, vor allem auf dem Land schlechter von A nach B kommen, während Wohlhabende überdurchschnittlich von Förderungen des Autoverkehrs profitieren. Wieder andere lassen sich eher von den persönlichen Vorteilen überzeugen, die die Verkehrswende mit sich bringt: weniger Lärm, sicherere Straßen oder mehr Lebensqualität im eigenen Viertel.
Komplexe und abstrakte Themen wie die Verkehrswende lassen sich am besten durch greifbare Beispiele aus dem Alltag vermitteln.
Kurz erklärt:
Wir haben alle mal klein angefangen, bevor wir zu Expert*innen für die Verkehrswende wurden. Fang daher lieber mit ganz konkreten alltäglichen Beispielen an. Das können z.B. auch eine schlechte Ampelschaltung an der Kreuzung, der zu schmale Gehweg oder Probleme mit dem ÖPNV vor Ort sein. Du brauchst dafür auch nicht unbedingt das Gespräch starten, sondern kannst deine Punkte einbringen, z.B. wenn es „mal wieder“ um die Deutsche Bahn geht.
Das richtige Framing macht einen großen Unterschied.
Kurz erklärt:
Das Framing ist der Rahmen in dem ein Argument oder eine Aussage getätigt wird. Wird z.B. darüber geredet, dass ein eigenes Auto sehr wichtig ist, weil es Freiheit ermöglicht, dann kann man von einem „Freiheits-Framing“ sprechen. Wenn es im Gespräch um persönliche Freiheit geht, können Argumente, in der es um Verantwortung für die Allgemeinheit und unseren Planeten geht, oft nicht überzeugen, da sie nicht ins Framing passen.
Stattdessen kannst du versuchen, im Gespräch konkrete Vorteile für dein Gegenüber und die Gesellschaft aufzuzeigen. Für viele Menschen bedeutet die Verkehrswende schon jetzt mehr Teilhabe und Gerechtigkeit, z.B. durch das Deutschlandticket. Und auch in puncto Luft- und Lärmverschmutzung, verbessert die Verkehrswende die Lebensqualität für viele Menschen.
Zudem kannst du auf gängige Gegenargumente näher eingehen und die Sorgen dahinter einbeziehen. Statt also darüber zu diskutieren, ob Autos nun wirklich mehr persönliche Freiheit bedeuten, hebe besser hervor, dass die Verkehrswende mehr Unabhängigkeit vom Auto und dadurch mehr Wahlfreiheit für alle mit sich bringt.
Gleichzeitig ist es wichtig, verständlich zu kommunizieren. Dafür ist es manchmal notwendig, „Anti-Verkehrswende-Begriffe“ aufzugreifen, um sie zu entkräften und einzuordnen. Wenn es also z.B. um das Ende der Zulassung für Diesel- und Benzinautos ab 2035 in der EU geht, kommt man um den Begriff „Verbrenner-Aus“ kaum herum, auch wenn er irreführend ist.
Denn gute Kommunikation ist sehr individuell! Was am überzeugendsten ist, hängt vom Gegenüber ab.
Kurz erklärt:
Genau deshalb entwickeln Kommunikationsexpert*innen passgenaue Inhalte für verschiedene Zielgruppen. Aber keine Sorge: Du brauchst kein ausgefeiltes Kommunikationskonzept für dein nächstes Gespräch. Es hilft schon, wenn du dich auf dein Gegenüber einlässt und versuchst, dessen Standpunkte und Lebenssituation in deine Argumentation einzubeziehen. Zur Inspiration eine Übersicht, welche Herangehensweise bei verschiedenen Menschen funktionieren kann:
Positive Erzählungen sind viel motivierender als Zukunftsängste zu schüren.
Kurz erklärt:
In der Klimakommunikation dominiert oft die Angst vor den Auswirkungen des Klimawandels bis hin zu Weltuntergangsszenarien. Es hat sich gezeigt, dass das nur selten die nötigen Veränderungen anstößt. Denn Angst lähmt und kann dadurch verhindern, dass Menschen notwendige Veränderungen aktiv mitgestalten.
Um diesen Fehler zu vermeiden, bieten sich positive Beispiele aus dem eigenen Leben bieten sich gut an: tolle Erlebnisse auf deiner letzten Fahrradtour, gute Erfahrungen mit einem Lastenrad, eine besondere (Nacht-)Zugfahrt oder ein Bericht von deinem Besuch in der „10min Stadt“. Du kannst aber auch inspirierende Beispiele aus anderen Städten oder Ländern nennen, die bei der Verkehrswende schon weiter sind und nicht den Autoverkehr in den Mittelpunkt stellen.
Du brauchst noch Inspiration für einen Gesprächseinstieg? Frag dein Gegenüber nach dem Lieblingsurlaubsort und wie oft sie dort mit dem Auto unterwegs sind. Viele Menschen genießen es, wenigstens im Urlaub, viele Wege ohne Auto zurückzulegen oder an ruhigen Orten mit wenig Autoverkehr zu sein und z.B. einfach zum Strand laufen zu können. Das kannst du aufgreifen, um zu zeigen, wie schön es wäre, wenn das zu Hause auch klappt.
Zumindest nicht allein! Geschichten lösen Gefühle aus und prägen sich daher leichter ein als nackte Zahlen und Fakten.
Kurz erklärt:
Du kannst Menschen am besten für ein Thema begeistern, wenn du ihnen einen emotionalen Zugang ermöglichst und die Zahlen und Fakten in eine Geschichte einbettest. Dafür eignen sich persönliche Erfahrungen, die zeigen, wie nachhaltige Mobilität das eigene Leben verbessert. Aber auch Frustration über fehlende ÖPNV-Anbindung oder unzuverlässige Züge sind wichtige Ausgangspunkte für Gespräche über die Verkehrswende.
Fakten sind natürlich ein wichtiger Teil und untermauern das Gesagte. Wenn du z.B. von einer tollen Fahrradtour in Kopenhagen erzählst, kannst du danach erwähnen, dass dank der guten Infrastruktur mehr als die Hälfte der Einwohner*innen mit dem Rad zur Arbeit fährt.
Noch besser sind Geschichten aus dem Alltag: Ist Fahrradfahren zur Arbeit, Uni oder Schule ein Highlight deines Tages, weil du dabei den Kopf freikriegst? Dann erzähl davon! Und baue bei der Gelegenheit doch gleich Fakten zu den gesundheitlichen Vorteilen des Fahrradfahrens in deine Erzählung ein. Denn auch kurze Anekdoten und Beispiele können im Gespräch gut ankommen.
Natürlich müssen wir auch über mögliche Einschränkungen und Kritik sprechen.
Kurz erklärt:
Auch wenn es wichtig ist, in der oft negativ wahrgenommenen Debatte, ganz klar das Positive zu betonen, sollten wir Herausforderungen bei der Umsetzung der Verkehrswende, wie z.B. der aktuell schlechten Anbindung auf dem Land, anerkennen und offen besprechen. Wenn wir das nicht tun, überlassen wir das den Verkehrswende-Gegner*innen und ihren Lobby-Gruppen mit ihren einseitigen Interessen.
Wenn aber die Verkehrswende grundsätzlich in Frage gestellt und nur auf einzelne Probleme reduziert wird, lohnt es sich, gegenzuhalten. Denn Veränderungen in unserem Verkehrssystem passieren so oder so – entscheidend ist, ob wir sie selbst mitgestalten oder unkontrolliert geschehen lassen.
Unbedingt! Es ist sehr wichtig, zuzuhören und zu signalisieren: Ich nehme dich ernst.
Kurz erklärt:
Die Debatte um die Verkehrswende ist für viele Menschen emotional, weil sie ihren Alltag direkt betrifft und Veränderungen oft als Einschnitt erlebt werden. Gleichzeitig kursieren viele Falschinformationen und Zuspitzungen. Umso wichtiger ist es, aufmerksam zuzuhören und zu zeigen: Ich sehe dich und verstehe dein Anliegen. Das schafft Vertrauen und ist die Basis für jedes gute Gespräch.
Ein guter Weg ist es, die Aussage deines Gegenübers in deinen eigenen Worten zu wiederholen. So zeigst du, dass du wirklich zuhörst und kannst sicherstellen, dass du es richtig verstanden hast. Wenn dir etwas unklar ist, fragst du am besten nach. Zum Beispiel: „Du befürchtest also, dass du dir durch das Verbrenner-Aus kein Auto mehr leisten kannst? Habe ich das richtig verstanden?“
Auch wenn du dich mit der Verkehrswende gut auskennst: Wir alle sind Expert*innen für unser eigenes Leben. Durch aktives Zuhören und Nachfragen wirst du dem gerecht und vermeidest, bevormundend oder besserwisserisch zu wirken. Das Beste daran: Du lernst dein Gegenüber besser kennen und schaffst echte Verbindung. Und genau das ist oft der beste Weg, um Menschen zu überzeugen.
Leider sind manche Menschen auch mit den besten Argumenten nicht zu erreichen.
Kurz erklärt:
Es ist toll, dass du dich für die Verkehrswende einsetzt und Menschen davon überzeugen willst, aber: Es ist nicht deine Verantwortung, alle zu überzeugen. Manche Menschen sind für das Thema nicht empfänglich. Wer sich offen und ehrlich mit Mobilität auseinandersetzt, muss früher oder später auch das eigene Verhalten und gewohnte Denkweisen auf den Prüfstand stellen – und dazu sind manche (noch) nicht bereit.
Mach dir bewusst, dass Veränderungen Zeit brauchen und ein Gespräch trotzdem sinnvoll sein kann, auch wenn dein Gegenüber nicht sofort seine Meinung ändert. Betrachte es als einen Prozess und nutze es als Übungsfeld, um verschiedene Herangehensweisen in den Gesprächen auszuprobieren und deine eigenen Kommunikationsskills zu verbessern. Außerdem: Wenn du online in den Kommentarspalten über ein Thema diskutierst, erreichst du noch sehr viel mehr Menschen als den Diskussionspartner*in. Vielleicht beharrt er oder sie auf seinem Standpunkt, aber du öffnest eine neue Perspektive für jemand anderen. Bleib dabei konstruktiv und achte auf dich und deine Grenzen – und behalte im Hinterkopf, dass du nicht alle überzeugen kannst.
Du musst dir nicht alles gefallen lassen. Achte auf deine eigenen Grenzen.
Kurz erklärt:
Es ist verständlich, dass du alle überzeugen möchtest, besonders wenn du die Person gut kennst. Trotzdem ist es wichtig, deine Grenzen zu wahren. Wenn dein Gegenüber laut wird, wiederholt deine Grenzen überschreitet oder dich persönlich angreift, dann sorge für dich und verlasse gegebenenfalls das Gespräch. Du kannst den Gesprächsfaden später wieder aufnehmen, wenn sich die Gemüter beruhigt haben und auch klar kommunizieren, dass du eine Pause brauchst.
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