Korridorsanierung Hannover–Berlin: 14 Monate Einschränkungen für Fahrgäste sind nicht alternativlos
„Die Sanierung der Strecke Hannover–Berlin ist notwendig, aber 14 Monate massive Einschränkungen dürfen nicht als alternativlos hingenommen werden. Fahrgäste werden über ein Jahr mit deutlich längeren – teils doppelt so langen – Fahrzeiten konfrontiert sein. Damit wird das Ziel, mehr Pendelnde vom Auto in die Bahn zu bringen, konterkariert. Die Sanierung muss fahrgastfreundlich umgesetzt werden“, sagt Matthias Kurzeck, Bundesvorsitzender beim ökologischen Verkehrsclub VCD.
Der VCD fordert, die parallel verlaufende „Lehrter Stammbahn“ auch ohne abgeschlossene Elektrifizierung als Ausweichroute zu nutzen. Über die Strecke muss ein Grundangebot im Regionalverkehr aufrechterhalten werden, um damit den Pendelnden akzeptablere Fahrzeiten zu ermöglichen. Der Einsatz von Akku- oder Dieselzügen ist dabei als Alternative vorzusehen. „Ein einfaches Grundangebot ohne Zugbegegnungen benötigt auch nicht das volle Signalsystem“, so Matthias Kurzeck.
Der VCD fordert die DB InfraGO und das Bundesverkehrsministerium auf, die Bauplanung an den Auswirkungen auf die Fahrgäste auszurichten. Insbesondere für den Regionalverkehr muss während der Bauzeit ein verlässliches Grundangebot auf der Schiene erhalten bleiben.
„Es reicht nicht, eine Strecke zu sperren und anschließend möglichst viele Busse einzusetzen. Eine gute Korridorsanierung muss zwei Ziele gleichzeitig erreichen: Die Infrastruktur muss umfassend erneuert werden und die Bahn muss für die Menschen insbesondere im Nahverkehr währenddessen nutzbar bleiben. Zu lange Busfahrten mit dem Schienenersatzverkehr sind nicht akzeptabel. Genau daran muss sich die Planung messen lassen“, sagt Kurzeck.
Mit dem VCD-Konzept zur fahrgastfreundlichen Sanierung des Schienennetzes zeigt der Verband, wie das möglich ist: Die Baumaßnahmen können gebündelt, aber statt einer monatelangen Vollsperrung weitgehend unter eingleisigem Betrieb durchgeführt werden. Vollsperrungen werden auf kurze, gezielt geplante Bauphasen begrenzt. Das bedeutet: maximal vier Wochen Vollsperrung am Stück statt mehrmonatiger Unterbrechungen. Bei Hannover–Berlin liegt zum Glück weitgehend die alte eingleisige Strecke parallel. Die neue „Feste Fahrbahn“ auf der Schnellstrecke muss aber so gebaut werden, dass bei der nächsten Sanierung jeweils auf dem anderen Gleis weiterhin Züge verkehren können.
Das VCD-Konzept zur fahrgastfreundlichen Sanierung des Schienennetzes finden Sie hier.

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