In eigener Sache
Die neue VCD-Vorsitzende stellt sich vor – ein Interview mit Christiane Rohleder
Dr. Christiane Rohleder
Seit dem 9. November hat der VCD eine neue Bundesvorsitzende: Dr. Christiane Rohleder, Juristin und bis zum Regierungswechsel Staatssekretärin im Ministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz, erhielt auf der Bundesdelegiertenversammlung 93 Prozent der Stimmen. Die Neuwahl war nötig, weil sich die bisherige Vorsitzende Kerstin Haarmann aus beruflichen Gründen zurückgezogen hatte. Rohleder bildet nun die Doppelspitze des VCD gemeinsam mit Matthias Kurzeck, der bereits seit drei Jahren als Bundesvorsitzender im Amt ist. Wir haben mit Christiane Rohleder gesprochen.
VCD: Liebe Christiane, herzlichen Glückwunsch zu Deiner Wahl und zu dem hervorragenden Ergebnis!
CR: Vielen Dank, ich freue mich sehr!
VCD: Du bist seit Langem in der Politik unterwegs, aber neu in der Verbändewelt. Was war der Anstoß für Dich, als Bundesvorsitzende beim VCD zu kandidieren?
CR: Ich will etwas bewirken und zur Lösung akuter Probleme beitragen. Die Erderhitzung und der Verlust an Natur gehören zu den drängendsten Zukunftsfragen. Gerade beim Verkehr hinkt der Klimaschutz noch deutlich hinterher. Daher ist es mir ein Herzensanliegen, mit dem VCD für die Wende hin zu einem klima- und menschenfreundlichen Verkehr einzutreten. Ganz neu bin ich übrigens auch in der Verbändewelt nicht: Ich war sieben Jahre lang im Vorstand eines Frauen- und Mädchennotrufs, aber das ist schon sehr lange her.
VCD: Von Haus aus bist Du promovierte Juristin, warst aber vor allem politisch tätig. Was hast Du denn bisher beruflich gemacht?
CR: Ich bin sehr breit aufgestellt. Als Staatssekretärin im Bundesumwelt- und Verbraucherschutzministerium habe ich mich für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik eingesetzt, unter anderem war ich dort auch für die EU-Regelung zu den CO2-Flottengrenzwerten zuständig, mit der die Weichen Richtung E-Mobilität gestellt wurden.
Aber auch Verbraucherschutz, Luftreinhaltung und Lärmschutz gehörten zu meinen Aufgaben, außerdem der Schutz vor schädlichen Chemikalien, die Klimaanpassung und die Kreislaufwirtschaft. Von 2016 bis 2021 war ich Staatssekretärin im Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz von Rheinland-Pfalz, also ganz andere Themen. Davor habe ich schon 13 Jahre Erfahrung in den Bundesverbraucherschutzministerien gesammelt. Davon war ich mehrere Jahre im „Verbraucherschutz in der Informationsgesellschaft sowie in den Bereichen Verkehr und Energie“. Schon damals habe ich mich für starke Fahrgastrechte eingesetzt.

VCD: Der VCD deckt ja ein breites Spektrum an Themen ab – vom Ausbau der Bahn bis zur Mobilitätsbildung für Kinder. Wo siehst Du in der kommenden Zeit die Schwerpunkte Deiner Arbeit?
CR: Gerade die Breite finde ich spannend. Zentrale Ziele sind für mich, dass Bahnfahren wieder Spaß macht, der Radverkehr und auch der Fußverkehr endlich sicher werden und es ein gutes Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln gibt. Die Bahn ist ein großartiges Verkehrsmittel, aber damit das wieder spürbar wird, müssen die Interessen der Fahrgäste ins Zentrum rücken. Die Bahn wird nicht profitabler, wenn sie ihr Angebot verschlechtert und damit die Kunden vergrault. Als ersten Schritt muss sie die Familienreservierung wieder einführen. Und die Bahn muss wieder zuverlässig werden.
Ich erlebe auch regelmäßig, wie gefährlich es sein kann, mit dem Rad oder zu Fuß eine Kreuzung zu überqueren oder an parkenden Autos vorbeizufahren. Ich will, dass die Vision Zero Wirklichkeit wird. Radfahren muss sicher sein, alle Kinder müssen sicher in die Schule kommen. Gerade erst wurde in Berlin ein Kind totgefahren – an einer Gefahrenstelle, auf die Eltern vorher hingewiesen hatten. So etwas dürfen wir nicht mehr hinnehmen.
VCD: Auch der ÖPNV steckt ja vielerorts in einer Krise – in den Städten ist die Finanzierung gefährdet und auf dem Land ist das Angebot meist dünn. Was sind hier Deine Ziele?
CR: Wir brauchen einen starken ÖPNV, und zwar in der Stadt und auf dem Land gleichermaßen. Hierzu braucht es eine ausreichende Finanzierung und gerade in dünner besiedelten Gebieten auch innovative Modelle wie kleine, flexible Rufbusse mit guten Fahrzeiten. Das ist auch zentral für eine breite Akzeptanz: Nur, wer gute Alternativen hat, wird das Auto gerne abschaffen oder öfter stehenlassen. Dann stehen auch die, die noch ein Auto brauchen, nicht mehr im Stau.
VCD: Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Deiner Arbeit im neuen Amt!

vcd.org