Die Bundesregierung möchte den Absatz deutscher Neuwagen ankurbeln. Der VCD gibt praktische Tipps für den Einstieg in die E-Mobilität, auch für Gebrauchtwagen: www.vcd.org/auto
Politik | VCD-Magazin 01/2026
Kaufprämie für Elektroautos: Unsoziale Mogelpackung
fairkehr-Magazin 01/2026 Auto Elektromobilität Klimafreundliche Mobilität Verkehrspolitik
Es soll nach Klimaschutz aussehen: Nicht die Bundeswirtschaftsministerin, sondern der Umweltminister hat die Kaufprämie für Elektroautos vorgestellt. Carsten Schneider (SPD) preist sie als „E-Auto-Booster“ mit sozialer Staffelung. „Das Programm verfolgt klima-, sozial- und industriepolitische Ziele und ist auf die Förderung von Kauf und Leasing von Neuwagen ausgerichtet“, heißt es auf der Seite des Umweltministeriums.
Eine Kritik des VCD an dem Konzept entzündet sich an der Tatsache, dass auch Plug-in-Hybride gefördert werden. „Diese Fahrzeuge sind eine Mogelpackung. Sie fahren nachweislich überwiegend als Verbrenner“, sagt Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des VCD. Tatsächlich zeigen Studien immer wieder, dass die meist schweren Plug-in-Hybride viel zu selten im Elektrobetrieb gefahren werden, um in puncto Klimaschutz Fortschritte zu erzielen. „Sie stoßen damit bis zu fünfmal mehr CO2 aus als von den Herstellern angegeben, das ist klimapolitisch kontraproduktiv“, sagt der VCD-Sprecher. Unverständlich sei auch, warum die Bundesregierung das Förderprogramm nicht gegenfinanziere, wie es andere Länder in Europa längst tun. In Frankreich oder Norwegen etwa müssen Käufer für neue, besonders klimaschädliche Verbrenner eine hohe Abgabe zahlen.
Einen weiteren Kritikpunkt formuliert Christiane Rohleder, VCD-Bundesvorsitzende: „Es sollten auch gebrauchte E-Autos gefördert werden, nicht nur Neuwagen. Alles andere ist unsozial, denn viele Menschen können sich auch mit Förderung kein neues E-Auto leisten.“
Nur Neuwagen bekommen einen Zuschuss
Mit bis zu 6.000 Euro bezuschusst die Bundesregierung den Kauf eines elektrischen Neuwagens. Die Basisförderung liegt bei 3.000 Euro, für Plug-in-Hybride bei 1.500 Euro. Insgesamt stellt der Bund für die Prämie drei Milliarden Euro zur Verfügung. Damit sollen etwa 800.000 E-Fahrzeuge gefördert werden können.
Die Förderung richtet sich nach Einkommen und Kinderzahl: Die Obergrenze ist auf ein Haushaltseinkommen von ?8.000 Euro begrenzt. Haushalte bis zu 60.000 Euro bekommen einen Aufschlag von 1.000 Euro, für Einkommen bis zu 45.000 Euro weitere 1.000 Euro. Pro Kind steigt die Förderung um 500 Euro, insgesamt um maximal 1.000 Euro.
Ausgelöst durch die E-Auto-Prämie, überbieten sich die Hersteller derzeit mit Rabatten. Bei Citroën wird das günstigste Elektroauto der Marke im besten Fall um 12.000 Euro billiger. Bei 6.000 Euro Maximalförderung vom Staat verdoppelt der Hersteller diese Summe. Der fabrikneue Kleinwagen kostet dann 7.990 Euro. Niemand weiß, wie lange die Firmen diese Rabattschlacht durchhalten. Die Bundesregierung erhofft sich jedenfalls mit ihrer Prämie einen Anschub für den Neuwagenverkauf – am besten von deutschen Herstellern.
Uta Linnert
Autorin

Uta Linnert
ist Redakteurin des VCD-Magazins fairkehr. Seit vielen Jahren schreibt sie über die nachhaltige Verkehrswende. Sie arbeitet bei der fairkehr-Agentur in Bonn.

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