Quelle: Jan Baborack/unsplash

Klima schützen, Verkehr vermeiden

Klimaschutzpotenziale von Videokonferenzen und Homeoffice

Der VCD und das Borderstep Institut stellen eine Befragung zu Klimaschutzpotenzialen von Videokonferenzen und Homeoffice vor. Das Ergebnis: Millionen Tonnen Treibhausgase könnten eingespart werden, wenn die Rahmenbedingungen für mobiles Arbeiten und nachhaltige Mobilität stimmen.

| Digitalisierung

Ein großer Teil unserer Mobilität entsteht durch berufsbedingte Wege. Allein Geschäftsreisen machten vor COVID-19 gut ein Fünftel des gesamten Personenverkehrs aus (Quelle: BMVI). Ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie hat sich die Arbeitswelt grundlegend verändert. Homeoffice und mobiles Arbeiten sind für viele zur neuen Normalität geworden.

Das Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit hat Geschäftsreisende zu ihrem Reiseverhalten sowie zur Nutzung von Videokonferenzen und Homeoffice vor und während der Pandemie befragt und sie um eine Einschätzung gebeten, wie sich diese Trends künftig entwickeln könnten. Demnach könnte die Zahl der Geschäftsreisen in Deutschland in Zukunft dauerhaft etwa ein Drittel niedriger liegen als vor der Pandemie.

Videokonferenzen ersetzen die Dienstreise

Videokonferenzen statt Dienstreise haben ein hohes Potenzial für den Klimaschutz. Damit könnten ca. drei Mio. Tonnen Treibhausgasemissionen im Jahr eingespart werden. Allein der Anteil der nicht gefahrenen Autokilometer bei dieser prognostizierten Reduktion der Geschäftsreisen macht rechnerisch 700.000 Pkw überflüssig und stellt die Frage nach dem Dienstwagenprivileg neu.

Weniger Pendelverkehr durch Homeoffice  

Viele Menschen arbeiten zurzeit tageweise im Homeoffice und pendeln seltener zum Arbeitsplatz. Dafür nutzen sie dann aber häufiger als zuvor das Auto, um eine Infektion mit dem Corona-Virus zu vermeiden. Beide Effekte zusammengenommen, also mehr Homeoffice bei gleichzeitig mehr Autoverkehr, könnten in Deutschland zur Einsparung von ca. 1,5 Mio. Tonnen Treibhausgasemissionen im Jahr führen.

Videokonferenzen und Homeoffice können einen wichtigen Beitrag leisten, den Verkehr zu verringern und damit das Klima zu schützen. Gleichzeitig sinken die Belastungen durch Lärm und Abgase, weniger Menschen verunglücken im Straßenverkehr. Um diese Tendenzen zu stärken und das mobile Arbeiten sowie die Nutzung von Videokonferenzen anstelle von Geschäftsreisen zu verstetigen, sind Unternehmen, Politik und Mobilitätsanbieter gefragt.

Unternehmen:

  • Reise- und Datenschutzrichtlinien anpassen und Anreize setzen: Videokonferenz statt Dienstreise, Mobilitätspauschale und Dienstrad statt Dienstwagen
  • Technische Rahmenbedingungen verbessern (Hard- und Software)
  • Mitarbeiter*innen mobiles Arbeiten ermöglichen

Politik:

  • Dienstwagenprivileg und Entfernungspauschale abbauen
  • Rechtliche Rahmenbedingungen für digitales Arbeiten verbessern (z.B. Recht auf Homeoffice und Absetzbarkeit der Kosten)

Bahn/ÖV:

  • Gezielte Kommunikation, um Vertrauen wiederzugewinnen
  • Angebot ausweiten, flexible Ticketangebote schaffen

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, profitieren alle: Das Klima wird geschützt, der Verkehr entlastet, Arbeitnehmer gewinnen Zeit und Flexibilität, Unternehmen sparen reisebedingte Kosten.

Michael Müller-Görnert

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