Einer der schönsten Stadtstrände Europas: Der Playa de la Concha in San Sebastián

Reise | VCD-Magazin 04/2025

Mit dem Zug durchs Baskenland

Von grünen Hügeln bis ans tosende Meer: Im spanischen Baskenland fährt die Schmalspur­bahn Euskotren. Sie verbindet lebendige Städte mit faszinierender Natur.

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fairkehr-Magazin 04/2025 Bahn Tourismus

Der Zug schmiegt sich an den Fluss. Links und rechts grüne Hänge, die sich immer weiter zurückziehen und Platz machen für den goldgelb schimmernden Sand. Süßwasser mischt sich mit Salzwasser. Noch eine Kurve, ein letzter Tunnel, und dann taucht er vor dem Fenster auf: der Atlantik.

Ich bin unterwegs im spanischen Baskenland. Hier fährt die Schmalspurbahn Euskotren. Kein Museumszug, sondern eine moderne Stadt- und Regionalbahn. Sie bringt Menschen zur Arbeit, zur Schule oder zu einem Ausflug ans Meer. Meine Reise führt mich in drei Tagen von Hendaye an der französisch-spanischen Grenze über San Sebastián und den Fischerort Bermeo in die Metropole Bilbao. Mal mehr, mal weniger nah an der Küste entlang, aber immer in den kleinen Zügen von Euskotren.

Bahn ohne Grenzen

Bahnhof Hendaye im März. Ich bestelle noch einen letzten Kaffee auf Französisch, dann gehe ich die paar Schritte hinüber zur Station von Euskotren. Hier gibt es etwas, was man in Frankreich kaum findet: einen dichten Taktverkehr. Alle 30 Minuten fährt ein Zug über die Grenze nach Irun und weiter nach San Sebastián.

„No Interrail!“ verkündet ein Schild am Automaten. Das würde sich ohnehin nicht lohnen, selbst die längsten Fahrten im Netz von Euskotren kosten nur ein paar Euro. Nach San Sebastián sind es 40 Minuten. Leise surrt der Zug los. Die Flotte von Euskotren ist topmodern und fährt komplett elektrisch. Beim Komfort hingegen zeigt sich, dass es sich eher um eine S-Bahn handelt: Die Sitze sind hart, Toiletten gibt es nicht in jedem Zug.

Wir überqueren den Grenzfluss, dann sind wir in Spanien. Auch wenn der gewaltsame Kampf inzwischen beigelegt ist, ist das Streben nach Unabhängigkeit im Baskenland weiterhin stark verankert. Offiziell gilt das Baskenland – oder Euskadi – als autonome Gemeinschaft innerhalb Spaniens. Etwa 2,2 Millionen Menschen leben hier. Neben Spanisch ist Baskisch die zweite Amtssprache – und das zeigt sich auch auf Fahrplänen und den Zuglaufschildern.

Eine Stadt, zwei Namen

San Sebastián heißt auf Baskisch Donostia und trägt inzwischen auch offiziell einen Doppelnamen. Der Zug hält am Bahnhof Amara-Donostia, dem wichtigsten Knotenpunkt im Netz von Euskotren. Der Bahnhof der Staatsbahn Renfe liegt einen Kilometer entfernt am anderen Ufer des Urumea.

Ich bleibe zwei Nächte. San Sebastián ist eine traumhafte Stadt, gelegen an zwei Buchten mit den vielleicht schönsten Stadtstränden Europas. Ein paar Mutige steigen schon jetzt ins Meer, richtig zum Baden eignet sich die raue Biskaya aber erst im Sommer. Ein Muss ist die Aussicht von den Hausbergen Urgull und Igueldo, auf Letztem fährt sogar eine Seilbahn. 

Und dann sind da natürlich noch die Pintxos, die baskische Form der Tapas: kleine Häppchen, die man in den unzähligen Bars der Altstadt isst. Profis lassen sich in jeder Bar nur genau eins geben, die Spezialität des Hauses, und ziehen dann weiter. San Sebastián rühmt sich nicht ohne Grund als kulinarischer Nabel der Welt.

Auch wenn die Wolken an diesen Frühlingstagen meist bleischwer am Himmel hängen, unternehme ich eine schöne Wanderung ins Fischerdorf Pasaia. Vom östlichen Stadtstrand Zurriola sind es nur wenige Schritte, und ich stehe hoch oben auf der Steilküste inmitten der Natur. Ein paar Trailrunner kreuzen meinen Weg, ansonsten bin ich ganz allein unterwegs.

Das letzte Stück schaukelt mich ein kleines Fährboot hinüber zum historischen Zentrum von Pasaia, zum Ortsteil Donibane. Hier stärke ich mich mit Pintxos und Café con leche – und entdecke den ersten Orangenbaum dieser Reise! Zurück geht es vom Bahnhof Lezo-Errenteria. Hier fährt nicht Euskotren, sondern die Renfe auf spanischer Breitspur, die mich zurück nach San Sebastián bringt. Im östlichen Teil des Baskenlandes verlaufen beide Bahnsysteme weitgehend parallel.

Berge und Meer

Zwischen San Sebastián und Bilbao soll es eines Tages eine Schnellfahrstrecke geben. Bis es so weit ist, schlängeln sich die Triebwagen von Euskotren wunderschön an Flussläufen entlang durch das baskische Hinterland. Zwischen den beiden größten Städten im Netz verkehrt jede Stunde ein Zug, auf einzelnen Abschnitten wird der Takt verdichtet. Die Fahrt auf der Gesamtstrecke dauert gemütliche zweieinhalb Stunden.

Es geht durch viele Orte, an denen man eigentlich einmal aussteigen müsste: Zumaia mit seiner bizarren Felsküste, Deba mit Palmen am Bahnsteig oder Eibar und Durango, die zu Wanderungen in die Berge locken. Ich muss mir versprechen, noch einmal wiederzukommen.

In Lemoa steige ich um auf die Stichstrecke nach Bermeo. Wir passieren Gernika. Die brutale Zerstörung der Stadt durch deutsche und italienische Flieger im Spanischen Bürgerkrieg veranlasste Pablo Picasso zu seinem berühmten Gemälde Guernica. Seine Worte scheinen aktueller denn je: „Wo Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, kann sich ein Künstler nicht gleichgültig verhalten.“

Durch hügeliges Sumpfland erreichen wir schließlich die trichterförmige Mündung des Oka-Flusses. Auf den letzten Kilometern geht es spektakulär an der Steilküste entlang, teils über Viadukte direkt am tosenden Meer, bis wir in den halb unterirdischen Bahnhof von Bermeo rollen.

Im Reich der Gezeiten

Bermeo ist eine Kleinstadt, die ganz im Zeichen der Fischerei steht. Von den bunten Häusern der Altstadt schießt eine Mole schnurgerade ins Meer und schützt den Hafen vor den größten Brechern. Ich komme in einer kleinen Herberge unter. Mit leuchtenden Augen erzählt mir die Vermieterin von ihrer Stadt, der Kraft der Gezeiten und der Fiesta, die jedes Jahr im Juli zu Ehren der Heiligen Magdalena in Bermeo stattfindet.

Auf einer Karte kritzelt sie mir noch den Weg nach Gaztelugatxe, dazu den Fahrplan eines Minibusses, der so geheim ist, dass ihn nicht mal das Internet kennt. Das Felsenkloster mitten im Meer ist eines der Wahrzeichen des Baskenlandes – und spätestens seit Game of Thrones weltberühmt.

Da aber mal wieder Regenschauer angekündigt sind, verschiebe ich das Abenteuer auf ein andermal und gehe rund um Bermeo auf Entdeckungstour. Ich folge der Bahnstrecke bis nach Mundaka und laufe dann noch ein Stückchen weiter am Strand entlang. Der Mündungstrichter, begrenzt von den für das Baskenland typischen grünen Hügeln, zählt zum Biosphärenreservat Urdaibai. Bei Ebbe fällt er fast komplett trocken – ein einzigartiger Naturraum, der ein wenig ans Wattenmeer erinnert. Nur dass es hier statt Schlick goldgelben Sand gibt.

Finale in Bilbao

Mein letzter Tag im Baskenland beginnt mit Sonnenschein. Ich bleibe noch etwas in Bermeo, spaziere die Mole entlang ins Meer und gönne mir ein zweites Frühstück in einem der gemütlichen Cafés. Von Bermeo gibt es eine durchgängige Linie nach Bilbao, ich muss also nicht umsteigen. Wieder geht es den Fluss entlang, diesmal bei Ebbe. Es scheint, als könne man über den Sand bis ans andere Ufer laufen, zumindest bis zur kleinen Insel, die Mundaka vorgelagert ist.

Auch wenn das Wetter nicht immer mitgespielt hat: Es waren tolle Tage im Baskenland. Eine faszinierende, im besten Sinne eigene Region mit viel Natur, sehenswerten Städten und herzlichen Menschen. Und mit Euskotren gibt es einen Nahverkehr, der das Entdecken leicht macht: einfach, dicht getaktet und äußerst preiswert.

Wir erreichen Bilbao im unterirdischen Bahnhof Matiko. Ein kurzer Blick aufs Guggenheim-Museum, dann zieht es mich weiter. Denn meine Reise endet hier noch lange nicht: Von Bilbao geht es mit der Feve, der anderen Schmalspurbahn Nordspaniens, bis nach Galicien, dem nordwestlichen Zipfel der Iberischen Halbinsel.

Praktische Tipps

Anreise

Hendaye ist direkt mit dem TGV aus Paris erreichbar. Eine Alternative bietet der Nachtzug Paris–Tarbes, der über Dax und teilweise auch Bayonne fährt. Von dort gibt es Anschluss an den Regionalverkehr nach Hendaye.

Streckennetz

Das meterspurige Schmalspurnetz von Euskotren umfasst vier Hauptlinien, die als E1 bis E4 bezeichnet werden. Die wichtigsten Bahnhöfe sind Amara-Donostia in San Sebastián sowie Zazpikaleak/Casco Viejo und Matiko in Bilbao. 
Neben der Schmalspurbahn betreibt Euskotren auch die Linie 3 der Metro Bilbao sowie die Standseilbahn von Trapagaran. euskotren.eus/en

Tickets

An jedem Bahnhof gibt es Ticketautomaten, an vielen auch einen Schalter. Die Fahrkarten sind günstig und werden nach Zonen berechnet. Eine Fahrt von San Sebastián nach Bilbao kostet etwa sieben Euro. Zusammen mit der französischen Bahn SNCF wird zudem das Passbask-Ticket angeboten, das auch in den Regionalbahnen zwischen Bayonne und Hendaye gilt. Interrail ist in den Zügen von Euskotren nicht gültig.

Eisenbahnmuseum

Im Baskischen Eisenbahnmuseum in Azpeitia lassen sich viele alte Fahrzeuge von Euskotren bestaunen. Als besonderes Highlight werden am Wochenende Fahrten mit einem Dampfzug angeboten. Zum Museum fahren Busse aus Zumaia und Eibar. euskotren.euskadi.eus/museoa/en

Autor

Sebastian Wilken

ist Physiker und freier Autor. In seinem Newsletter Zugpost schreibt er über Zugreisen durch Europa. Auf einem Interrail-Trip hat er sich in Finnland verliebt, wo er seit einigen Jahren lebt. Wenn er nicht gerade im Zug sitzt, fährt er mit seinem Fahrrad durch die langen finnischen Sommerabende oder schnürt die Wanderschuhe in einem der 41 großartigen Nationalparks.

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