Testrad: Schon vor 15 Jahren hat die fairkehr E-Bikes Probe gefahren.
E-Bike-Gebrauchtmarkt | VCD-Magazin 02/2026
So gut wie neu
fairkehr-Magazin 02/2026
Klimafreundliche Mobilität Radverkehr
E-Bikes können eine schöne lange Lebenszeit haben. Das Rad aus dem ersten fairkehr-Test von 2011 ist immer noch im Dienst. Es ging seinerzeit in den Besitz der Autorin über und hat gezeigt: Ein Pedelec kann mühelos 15 Jahre lang das perfekte Fahrzeug für alle Lebenslagen sein. Damals galten E-Bikes noch als Räder für Menschen, die alt oder zu schwach sind, ein richtiges Fahrrad zu fahren. Unsere jugendlichen Testfahrer*innen sahen das schon immer anders.
Natürlich ließ beim Testrad zwischendurch die Kraft des Akkus nach. Es half eine Ertüchtigung: Ein Fachbetrieb öffnete das Gehäuse des Akkus und ersetzte die schwachen Lithium-Ionen-Zellen durch neue, leistungsstärkere Zellen. Bis heute ist das eine sinnvolle Option.
Inzwischen steht das Rad aber vor dem Aus. Die Fahrradwerkstatt rät zur Stilllegung. Das Getriebe gibt bedrohliche Geräusche von sich, viele Teile sind irreparabel verschlissen und der Akku will nach wenigen Kilometern direkt wieder an die Steckdose. Das Modell wird nicht mehr gebaut, Ersatzteile gibt es so gut wie keine mehr.
Ein neues E-Bike soll her, aber nicht mehrere Monatsgehälter kosten. Dafür nimmt fairkehr diesmal den Markt gebrauchter E-Bikes unter die Lupe.

Wo kann ich ein gbrauchtes E-Bike kaufen?
Wie eh und je verkaufen Privatleute gebrauchte Räder auf Flohmärkten oder über Kleinanzeigenportale. Das kann gut gehen, birgt aber Risiken, wenn Kaufbelege nicht mehr vorliegen. Wer dort kauft, sollte sich gut mit Technik auskennen, eine Probefahrt machen und dem Menschen, der das Rad anbietet, vertrauen können. Auch lokale Gebrauchtradmärkte sind eine gute Adresse für den Verkauf von privat zu privat.
Mehr Sicherheit bieten Händler. In jeder Stadt gibt es Fahrradläden, die gebrauchte Räder mit und ohne Elektroantrieb verkaufen und Gewährleistung bieten. Die Fachleute im Geschäft können Alter und Leistungsfähigkeit des Akkus besser beurteilen – denn darauf kommt es an. In der Regel betreibt der Laden auch eine Werkstatt, die bei auftretenden Mängeln weiterhilft.
Die größte Auswahl gebrauchter E-Bikes bieten Onlineportale. Dieser Fahrradmarkt ist in den letzten Jahren stark gewachsen und professioneller geworden.
Woher stammen die Räder auf den Portalen?
Die meisten gebrauchten E-Bikes sind Rückläufer aus Leasingverträgen. Seit das Finanzministerium Diensträder steuerlich begünstigt, können Unternehmen Fahrräder leasen und ihren Angestellten zur Nutzung überlassen.
Nach einer Erhebung im Auftrag des Branchenverbandes Zukunft Fahrrad nutzten 2025 etwa 2,2 Millionen Menschen in Deutschland dieses Angebot. Die Leasinglaufzeit beträgt in der Regel 36 Monate. Nach Ablauf dieser Zeit können Nutzer*innen das Fahrrad zum Restwert kaufen – oder zurückgeben.
Da die meisten geleasten Diensträder teure, hochwertige E-Bikes und auch E-Lastenräder sind, lohnt sich deren Weiterverkauf. So entstand ein neues Geschäftsfeld: Der Onlinemarkt für sogenannte Refurbished Bikes.
Was bedeutet Refurbished?
Händler kaufen die gebrauchten E-Bikes auf, überholen sie technisch und verkaufen sie anschließend mit Garantie und Rückgaberecht. Laut der Studie von Zukunft Fahrrad fanden im vergangenen Jahr mehr als 80.000 generalüberholte Räder neue Besitzer*innen. Elena Laidler-Zettelmeyer freut sich darüber. „Die Anbieter tragen dazu bei, den Fahrradmarkt nachhaltiger zu gestalten. Die Rückläufer werden weitergefahren. Gleichzeitig können sich jetzt auch Menschen mit kleinerem Budget qualitativ hochwertige Räder leisten“, sagt die Leiterin Strategische Kooperationen des Fahrradverbandes.

Was wird technisch gecheckt?
Die Münchner Firma Rebike Mobility, die sich selbst als Deutschlands größtes Recommerce-Unternehmen für E-Bikes bezeichnet, verspricht „100 Prozent geprüfte Räder mit 2 Jahren Garantie auf Akku und Motor“. Jährlich werden dort über 20.000 E-Bikes namhafter Marken generalüberholt. In einem vom TÜV Rheinland zertifizierten Verfahren prüft die Firma Motor und Akku – das Herzstück jedes E-Bikes und aktualisiert die Software. Verschleißteile und defekte Komponenten tauscht der Betrieb bei Bedarf aus.
Auch Jobrad-Loop, ein weiterer Händler auf dem Refurbished-Markt, arbeitet nach einem transparenten Prüfprozess. Nach Einschätzung von Zukunft Fahrrad gelten die meisten Onlineportale bei Kund*innen als vertrauenswürdig.
Wie stark ist der Akku?
Wichtiger Maßstab für die Beurteilung der Qualität des Zusammenspiels von Motor und Akku sind die Ladezyklen. Die Hersteller geben zwischen 500 bis 1.000 vollständige Ladezyklen an – erst danach sinke die Kapazität. Das entspricht bei normaler Nutzung einer Lebensdauer von drei bis fünf Jahren und einer Laufleistung von etwa 25.000 Kilometern.
Die Verkaufsportale zeigen die Anzahl der Ladezyklen und die gefahrenen Kilometer. In fairkehr-Stichproben waren viele der angebotenen Räder jünger als drei Jahre, wenig gefahren und selten geladen. Branchenexpertin Laidler-Zettelmeyer erklärt das so: „Wir leben in konjunkturell aufregenden Zeiten. Wer den Job wechselt oder gekündigt wird, muss den Leasingvertrag vorzeitig beenden. Viele Räder kommen aus diesen Gründen fast neuwertig zurück auf den Markt.“
Wie finde ich das passende Fahrrad?
Welche Plattform am besten passt, ist Geschmacksache. Manche Portale wirken sehr preisorientiert, andere stellen gezielt den Nachhaltigkeitsaspekt in den Vordergrund. Egal, wo man sich am besten zurechtfindet: Die Auswahl ist sehr groß. Zehntausende Fahrräder – mit und ohne Motor – stehen online bereit. Täglich kommen neue Modelle hinzu.
Suchfunktionen helfen bei der Orientierung. Nutzer*innen können damit ihre Anforderungen filtern hinsichtlich Einsatzbereich, Budget oder technischer Ausstattung. Wer bereits genau weiß, welches Rad es sein soll, vielleicht auch welche Marke, kann gezielt suchen: nach Preis, Motor oder Rahmengröße.
Die angebotenen Räder sind in der Regel ausführlich dokumentiert und aus verschiedenen Perspektiven fotografiert. Per Zoom lassen sich so Kratzer oder kleinere Lackschäden gut am Bildschirm erkennen. Ebenso die Rahmenfarbe, die für die Kaufentscheidung vielleicht den letzten Ausschlag gibt.
Entscheidend ist die Transparenz des Anbieters: Baujahr, Modell, gefahrene Kilometer, Ladezyklen sowie natürlich der Preis sollten klar angegeben sein – idealerweise mit Vergleich zum Originalkaufpreis.
Gibt es eine Garantie?
Es gilt die klassische Gewährleistung für die Dauer eines Jahres: Der gewerbliche Handel muss dafür einstehen, dass das Rad beim Kauf frei von Mängeln ist. Manche Händler räumen darüber hinaus eine Garantie ein: Wie lange sie gilt und was abgedeckt wird, variiert von Anbieter zu Anbieter.
Kann ich das Rad testen und zurückschicken?
Beim Onlinekauf gilt generell ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Auch das Testen ist erlaubt. Wer ein Fahrrad online kauft, erhält es in der Regel verpackt per Versand nach Hause und kann es vor der eigenen Haustür Probe fahren. Wie intensiv die Testfahrt ausfallen darf, sollte man vorab mit dem Unternehmen klären.
Die Retouren sind meist nicht kostenlos. 50 Euro oder mehr sind üblich. Weil Kund*innen in der Regel auch schon die Versandkosten tragen, kann eine Probefahrt teuer werden.
Einige Anbieter haben eigene Testflächen am Unternehmensstandort eingerichtet. Andere, wie Rebike Mobility, haben ein Netz an stationären Shops aufgebaut. Dort gibt es persönliche Beratung und auch die Gelegenheit zu Probefahrten.
Preise
Refurbished-Bikes sind deutlich günstiger als neue. Bei drei Jahre alten Rädern liegen die Nachlässe im Bereich von 30 bis 60 Prozent. Besonders gut erhaltene Modelle, die wenig gefahren sind, liegen zwischen 15 bis 25 Prozent unter dem Neupreis. Wer bereit ist, mehr Gebrauchsspuren in Kauf zu nehmen, kann weiter sparen.
Fazit
Wer sich auf den Portalen umschaut, lernt: Secondhand heißt nicht alt oder klapprig. Alle Räder sind geprüft und hochwertig. Refurbished zu kaufen schont Ressourcen. Jobrad-Loop bewirbt es so: „Über den Kauf eines Gebrauchtrads freut sich nicht nur dein Geldbeutel, sondern auch die Umwelt. Du kurbelst fleißig die Kreislaufwirtschaft an und schenkst dem Fahrrad weitere Lebensjahre.“ Das gilt natürlich auch für überholte Räder, die lokal gekauft werden. Elena Laidler-Zettelmeyer von Zukunft Fahrrad ist von dem Geschäftsfeld überzeugt. Sie bringt es auf die einfache Formei: „Mehr Menschen fahren hochwertige E-Bikes, haben deshalb mehr Spaß am Fahrradfahren – und fahren öfter.“ Das hilft der Verkehrswende – und die wollen wir doch schließlich alle.
Autorin

Uta Linnert
ist Redakteurin des VCD-Magazins fairkehr. Seit vielen Jahren schreibt sie über die nachhaltige Verkehrswende. Sie arbeitet bei der fairkehr-Agentur in Bonn.

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