Spritverbrauch senken, Kosten sparen und die Abhängigkeit von Öl verringern

Abhängigkeit vom Öl beenden, Verkehrswende vorantreiben!

Auch nach Monaten des Krieges ist die Straße von Hormus für den Schiffverkehr nur eingeschränkt befahrbar, hinzu kommt jetzt eine weitere blockierte Meerenge in der Straße von Bab al-Mandab vor dem Jemen. Das treibt die Spritpreise auf Rekordniveau, wie viele Haushalte in Deutschland deutlich spüren. Die Situation zeigt: Unsere Energieversorgung steht auf tönernen Füßen, noch immer ist unsere Mobilität abhängig vom Öl. Das ist weder nachhaltig noch zukunftsfähig. Und Tankrabatte sind die falsche Antwort.

| Auto Soziale Aspekte der Verkehrswende

Der Iran-Krieg zeigt uns, wie abhängig wir von Öl und Gas sind. Im Straßenverkehr dominieren nach wie vor Benzin und Diesel mit über 90 Prozent1, und fast ein Drittel des Energieverbrauchs in Deutschland entfällt auf den Verkehr. Klar ist: Versorgungssicherheit und Klimaschutz müssen Hand in Hand gehen. Aus klima- und sicherheitspolitischer Perspektive hat es oberste Priorität, die Abhängigkeit von fossilen Importen zu reduzieren. Entscheidend ist dafür, die Erneuerbaren auszubauen und den Verbrauch zu senken.  

Die steigenden Energiepreisen belasten private Haushalte ebenso wie Wirtschaft und Industrie. Besonders hart trifft es Menschen mit geringem Einkommen. Deshalb sind kurzfristige Maßnahmen zur Abfederung sozialer Härten dringend geboten. Das bisherige Rezept der Bundesregierung, mit pauschalen Entlastungen wie Tankrabatten oder Steuersenkungen auf Kraftstoffe, ist dafür jedoch ungeeignet: Sie sind teuer, wenig effektiv und es profitieren vor allem Gutverdienende. 

Bereits der erste Tankrabatt im Frühsommer kostete den Bund 1,6 Milliarden Euro – das ist mehr, als er im Jahr für das Deutschlandticket zahlt. Im Gegenzug wurden Autofahrer*innen im Schnitt um lediglich 10 bis 15 Euro pro Monat entlastet. Der erneute Tankrabatt ist abermals teuer, hilft kaum und ändert nichts am Grundproblem. Hinzu kommt: Wer kein Auto fährt, sondern Bus und Bahn nutzt, hat nichts davon, obwohl auch die ÖPNV-Preise zum Teil drastisch gestiegen sind. 

Elektrisch statt fossil mobil

Elektromobilität ist die Antwort auf steigende Spritpreise und ein zentraler Baustein, um unabhängiger vom Öl zu werden. Jetzt ist die Zeit, umzusteigen. Inzwischen wächst das Angebot an E-Autos unter 25.000 Euro, auch im Gebrauchtwagenmarkt durch Leasingrückläufer aus Firmenflotten. Damit diese Entwicklung auch ärmeren Haushalten zugutekommt, muss der Bund auch gebrauchte E-Autos fördern. Und schnell entscheiden. Wie der Einstieg in die Elektromobilität gelingt, haben wir hier zusammengestellt.

Unabhängig davon muss der Bund die Verkehrssteuern reformieren. Statt klimaschädliche Mobilität zu begünstigen, muss er Anreize für nachhaltige Alternativen setzen. Dazu gehört, das Deutschlandticket langfristig zu sichern und um günstige Jugend- und Sozialtarife zu ergänzen. Die Kommunen brauchen mehr Geld, um ihr Bus- und Bahnangebot auszubauen und ein flächendeckendes, sicheres Radwegenetz anzulegen.

Unternehmen können ihre Beschäftigten entlasten, indem sie ihnen das Deutschlandticket als Jobticket anbieten. Bei 25 Prozent Arbeitgeberzuschuss kostet es dann statt 63 Euro nur noch 44,10 Euro im Monat. Unternehmen können die Kosten fürs Ticket übrigens auch ganz übernehmen – steuer- und sozialabgabefrei. 

Mobilitätsgeld statt Entfernungspauschale

Auch die jüngste Erhöhung der Entfernungspauschale Anfang 2026 geht in die falsche Richtung. Sie erreicht nur rund ein Viertel aller Arbeitnehmer*innen, und wer wenig verdient, bekommt meist gar nichts. Der VCD fordert stattdessen, die Pendlerpauschale in ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld umzuwandeln, das insbesondere ärmere Haushalte entlastet. Auf Antrag soll das Mobilitätsgeld auch für das laufende Jahr direkt ausbezahlt werden können. Da es, wie auch die Entfernungspauschale, verkehrsmittelunabhängig gelten soll, profitierten davon auch alle, die ohne Auto pendeln.

Mittelfristig schützt nur der Ausstieg aus den Fossilen vor ähnlichen Krisen. Dafür muss die Politik jetzt die Weichen stellen und entschlossen investieren. Das bedeutet: Erneuerbare ausbauen, den Antriebswechsel vorantreiben und vor allem: Bus und Bahn attraktiver machen – besonders auf dem Land, wo viele nach wie vor auf ein Auto angewiesen sind.

Was tun am Zapfhahn?

Wer auf einen Verbrenner angewiesen ist, kann durch einfache Maßnahmen erheblich sparen. So wird es mehrere Cent pro Liter günstiger, wenn man regelmäßig die Tankstellenpreise vergleicht. Vergleichsportale oder Spritpreis-Apps helfen dabei. Und wer statt Super E5 konsequent E10 tankt, senkt seine Spritkosten um mindestens sechs Cent pro Liter. Nahezu jeder Benziner verträgt diese Kraftstoffsorte, dennoch tankt die Mehrheit nach wie vor noch das teurere Super bzw. E5 und zahlt damit „freiwillig“ drauf.

Noch mehr sparen lässt sich mit unseren acht Spritspartipps. Damit lässt sich der Kraftstoffverbrauch um bis zu 30 Prozent senken.

1. Kein Ballast im Auto

Spritsparen beginnt vor dem Losfahren. Jedes Kilogramm Gewicht erhöht den Verbrauch des Autos. Faustregel: 100 kg Mehrgewicht kosten einen halben Liter mehr auf 100 Kilometern. Dachgepäck lastet besonders schwer auf dem Tank. Es macht alle Bemühungen der Autobauer zunichte, die Aerodynamik zu verbessern. Drei Fahrräder auf dem Dach bedeuten bei Tempo 100 einen Mehrverbrauch von 4 l/100 km. Selbst ein unbeladener Skihalter erhöht den Verbrauch eines Mittelklassewagens um etwa einen Liter. Also, Dachgepäckträger besser im Keller als auf dem Autodach lagern.

2. Tempo reduzieren

Wer langsamer fährt, senkt seinen Spritverbrauch erheblich. Gerade auf Autobahnen steigen der Luftwiderstand und damit der Verbrauch bei Geschwindigkeiten über 100 km/h überproportional an. 15 bis 20 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht ein Auto, das statt 120 km/h nur 100 km/h schnell fährt. Die Fahrzeit verlängert sich auf 25 km nur um etwa zwei Minuten. 

3. Luftdruck und Reifen mit geringem Rollwiderstand

Wählen Sie einen zur Jahreszeit passenden Reifen und überprüfen Sie regelmäßig den vom Hersteller empfohlenen Reifendruck. Ein um 0,5 bar zu niedriger Reifendruck erhöht den Kraftstoffverbrauch um rund fünf Prozent mit entsprechenden Mehrkosten. Ein falscher Reifendruck ist auch ein Sicherheitsrisiko und führt zu vorzeitigem Reifenverschleiß. Winterreifen sind lauter, nutzen schneller ab und verursachen bis zu zehn Prozent mehr Kraftstoffverbrauch. Winterreifen sollten deshalb nur im Winter ihren Dienst tun. 

Beim Reifen-Neukauf auf Energy- bzw. Leichtlauf-Reifen achten. Diese sind beim Rollwiderstand deutlich optimiert und entsprechen allen Sicherheitsanforderungen für moderne Reifen. Welche Sommerreifen sicher und umweltschonend sind, erfahren Sie in der Test-Übersicht der Stiftung Warentest. Übrigens: Breitreifen erhöhen den Verbrauch.

4. Kurzstrecken und Verschleiß vermeiden

Ein Mittelklassewagen verbraucht direkt nach dem Start bis zu 30 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Nach einem Kilometer sinkt der Verbrauch auf etwa 20 Liter. Erst nach vier Kilometern ist der Motor betriebswarm und der Verbrauch hat sich normalisiert. Auch der Verschleiß des Motors ist aus dem gleichen Grund bei Kurzstrecken außerordentlich hoch. Der Umstieg bei Kurzstrecken auf Fuß oder Rad ist daher nicht nur gesünder, sondern auch spritsparend und motorschonend. 

Besonders schädlich für Motor und Umwelt: Warm laufen lassen im Stand. Am schonendsten erreicht der Motor seine Betriebstemperatur, wenn es sofort nach dem Motorstart losgeht und spritsparend gefahren wird. Lassen Sie beim Ölwechsel synthetische Leichtlauföle einfüllen. Diese haben bessere Schmiereigenschaften. Das schützt vor Verschleiß und senkt den Verbrauch.

5. Schnell schalten und niedertourig fahren

Schalten Sie nach dem Anfahren möglichst schnell hoch und orientieren Sie sich dabei, wenn vorhanden, an der Schaltpunktanzeige. Wer keinen Drehzahlmesser hat, orientiert sich am Tacho. Bei 25 bis 30 km/h in den dritten, bei 35 bis 45 km/h in den vierten und bei 50 bis 55 km/h in den fünften Gang schalten. Fahren Sie dann gleichmäßig in hohen Gängen bei niedrigen Drehzahlen. Dadurch sinkt auch der Geräuschpegel. Automotoren kommen mit niedertourigem Fahren problemlos klar. Bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe verzichten Sie auf das Sportprogramm. 

6. Vorausschauend gleiten

Jedes Anfahren und Beschleunigen verbraucht viel Benzin. Durch vorausschauendes Fahren mit ausreichendem Sicherheitsabstand “schwimmen” Sie im Verkehr mit und vermeiden spritfressendes Beschleunigen und Bremsen. Genügend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug (Faustregel: 3 Sekunden) hilft, Ungleichmäßigkeiten im fließenden Verkehr auszugleichen und dient der Verkehrssicherheit. 

7. Stromfresser ausschalten

Je stärker die Lichtmaschine durch elektrische Verbraucher belastet wird, desto höher ist der Kraftstoffverbrauch. Größter Stromfresser ist die Klimaanlage, die den Verbrauch im Stadtverkehr um bis zu 1,8 Liter auf 100 Kilometer erhöht. Auch jedes kleine Motörchen – z.B. für den Scheibenheber – erhöht den Verbrauch. Vergessen wird oft die Heckscheibenheizung. Die „verbraucht” pro Stunde ca. 0,1 Liter Sprit. Umgerechnet auf den Stadtverkehr sind das 0,3 bis 0,4 Liter pro 100 Kilometer.

8. Motor aus!

Wenn sich absehen lässt, dass Sie zum Beispiel an einer roten Ampel mehr als 10 Sekunden stehen, sollten Sie den Motor abstellen. Beim anschließenden Motorstart auf keinen Fall Gas geben.

Jeder und jede kann etwas tun, um den Energieverbrauch im Verkehr zu senken. Schon einfache Maßnahmen sparen Kosten, reduzieren die Abhängigkeit von Ölimporten und leisten gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz und für mehr Verkehrssicherheit. 

Kurze Strecken mit dem Rad

Rund die Hälfte aller Fahrten mit dem Pkw sind kürzer als fünf Kilometer. Der nahende Frühling mit steigenden Temperaturen lädt geradezu dazu ein, diese Strecken auch mal mit dem Rad zurückzulegen.

Bus und Bahn nutzen

Auf längeren Strecken bieten Bus und Bahn eine günstige und energiesparende Alternative. So benötigen öffentliche Verkehrsmittel deutlich weniger Energie pro Person und Kilometer als der Pkw.1 

Flugreisen vermeiden

Statt Flugreise über Ostern locken spannende Ziele in der Nähe, die gut mit der Bahn erreichbar sind. Vor Ort lässt sich die Umgebung am besten per Rad erkunden. Auch beim City-Trip gilt: viele europäische Metropolen haben inzwischen ein gut ausgebautes Radwegenetz und bieten öffentliche Leihräder an.

Michael Müller-Görnert

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