Spritverbrauch senken, Kosten sparen und die Abhängigkeit von Öl verringern

Verkehrswende gegen Klimakrise und Abhängigkeit vom Öl

Der Krieg im Iran und die Blockade der Straße von Hormus – eine der wichtigsten Importwege für fossile Energieträger – treiben die Energiepreise weltweit nach oben. Auch in Deutschland bekommen Haushalte das deutlich zu spüren. Die aktuelle Situation zeigt einmal mehr, dass unsere Energieversorgung auf tönernen Füßen steht und wie abhängig unsere Mobilität noch immer von Öl ist. Das ist weder nachhaltig noch zukunftsfähig.

| Auto Soziale Aspekte der Verkehrswende

Der Iran-Krieg zeigt uns erneut, wie abhängig wir von fossilen Energieträgern sind. Fast ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland entfällt auf den Verkehrssektor. Im Straßenverkehr dominieren nach wie vor Benzin und Diesel mit über 90 Prozent.1 Klar ist: Versorgungssicherheit und Klimaschutz müssen Hand in Hand gehen. Aus klima- und sicherheitspolitischer Perspektive hat es oberste Priorität, die Abhängigkeit von fossilen Importen zu reduzieren. Entscheidend sind dafür, neben dem Ausbau erneuerbarer Energien, vor allem konsequente Maßnahmen zur Energieeinsparung. 

Die steigenden Energiepreisen belasten private Haushalte ebenso wie Wirtschaft und Industrie. Besonders hart trifft es Menschen mit geringem Einkommen. Deshalb sind kurzfristige Maßnahmen zur Abfederung sozialer Härten dringend geboten. Pauschale Entlastungen wie Tankrabatte oder Steuersenkungen auf Kraftstoffe sind dafür jedoch ungeeignet: Sie sind teuer und es profitieren vor allem Gutverdienende. 

Auch die jüngste Erhöhung der Entfernungspauschale Anfang 2026 geht in die falsche Richtung. Sie erreicht nur rund ein Viertel aller Arbeitnehmer*innen, und wer wenig verdient, bekommt meist gar nichts. Der VCD fordert stattdessen, die Pendlerpauschale in ein einkommensunabhängiges Mobilitätsgeld umzuwandeln, das insbesondere Haushalte mit geringem Einkommen entlastet. 

Mittelfristig schützt nur ein konsequenter Ausstieg aus fossilen Energieträgern vor ähnlichen Krisen. Dafür muss die Politik jetzt die richtigen Weichen stellen und entschlossen investieren. Neben dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Antriebswechsel gehört dazu vor allem ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr – insbesondere auf dem Land, wo viele Menschen nach wie vor auf ein Auto angewiesen sind.

Elektromobilität ist die Antwort auf steigende Spritpreise und ein zentraler Baustein, um mittelfristig unabhängiger vom Öl zu werden. Jetzt ist die Zeit, umzusteigen. Inzwischen wächst das Angebot an E-Autos unter 25.000 Euro, auch im Gebrauchtwagenmarkt durch Leasingrückläufer aus Firmenflotten. Damit diese Entwicklung auch Haushalten mit kleinerem Budget zugutekommt, sollten auch gebrauchte E-Autos gefördert werden. Hier braucht es schnelle politische Klarheit. Wie der Einstieg in die Elektromobilität gelingt, haben wir hier zusammengestellt.

Unabhängig davon ist eine grundlegende Reform von Steuern und Abgaben im Verkehrssektor überfällig. Statt klimaschädliche Mobilität weiterhin zu begünstigen, müssen gezielt Anreize für nachhaltige Alternativen gesetzt werden. Dazu gehören die langfristige Sicherung des Deutschlandtickets, ergänzt um vergünstigte Jugend- und Sozialtarife, finanzielle Unterstützung für Kommunen beim Ausbau des Bus- und Bahnangebots sowie ein flächendeckendes, sicheres Radwegenetz.

Unternehmen können ihre Beschäftigten bei den Mobilitätskosten entlasten, indem sie ihnen das Deutschlandticket als Jobticket anbieten. Bei einer Minderungsquote von 25 Prozent als Arbeitgeberzuschuss kostet das Deutschlandticket dann statt 63 Euro nur noch 44,10 Euro im Monat. Unternehmen können die Kosten fürs Ticket auch ganz übernehmen, steuer- und sozialabgabefrei. 

 

Was kann ich tun?

Wir haben acht Spritspartipps zusammengestellt, mit denen sich der Kraftstoffverbrauch um bis zu 30 Prozent senken lässt. 

1. Kein Ballast im Auto

Spritsparen beginnt vor dem Losfahren. Jedes Kilogramm Gewicht erhöht den Verbrauch des Autos. Faustregel: 100 kg Mehrgewicht kosten einen halben Liter mehr auf 100 Kilometern. Dachgepäck lastet besonders schwer auf dem Tank. Es macht alle Bemühungen der Autobauer zunichte, die Aerodynamik zu verbessern. Drei Fahrräder auf dem Dach bedeuten bei Tempo 100 einen Mehrverbrauch von 4 l/100 km. Selbst ein unbeladener Skihalter erhöht den Verbrauch eines Mittelklassewagens um etwa einen Liter. Also, Dachgepäckträger besser im Keller als auf dem Autodach lagern.

2. Tempo reduzieren

Wer langsamer fährt, senkt seinen Spritverbrauch erheblich. Gerade auf Autobahnen steigen der Luftwiderstand und damit der Verbrauch bei Geschwindigkeiten über 100 km/h überproportional an. 15 bis 20 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht ein Auto, das statt 120 km/h nur 100 km/h schnell fährt. Die Fahrzeit verlängert sich auf 25 km nur um etwa zwei Minuten. 

3. Luftdruck und Reifen mit geringem Rollwiderstand

Wählen Sie einen zur Jahreszeit passenden Reifen und überprüfen Sie regelmäßig den vom Hersteller empfohlenen Reifendruck. Ein um 0,5 bar zu niedriger Reifendruck erhöht den Kraftstoffverbrauch um rund fünf Prozent mit entsprechenden Mehrkosten. Ein falscher Reifendruck ist auch ein Sicherheitsrisiko und führt zu vorzeitigem Reifenverschleiß. Winterreifen sind lauter, nutzen schneller ab und verursachen bis zu zehn Prozent mehr Kraftstoffverbrauch. Winterreifen sollten deshalb nur im Winter ihren Dienst tun. 

Beim Reifen-Neukauf auf Energy- bzw. Leichtlauf-Reifen achten. Diese sind beim Rollwiderstand deutlich optimiert und entsprechen allen Sicherheitsanforderungen für moderne Reifen. Welche Sommerreifen sicher und umweltschonend sind, erfahren Sie in der Test-Übersicht der Stiftung Warentest. Übrigens: Breitreifen erhöhen den Verbrauch.

4. Kurzstrecken und Verschleiß vermeiden

Ein Mittelklassewagen verbraucht direkt nach dem Start bis zu 30 Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer. Nach einem Kilometer sinkt der Verbrauch auf etwa 20 Liter. Erst nach vier Kilometern ist der Motor betriebswarm und der Verbrauch hat sich normalisiert. Auch der Verschleiß des Motors ist aus dem gleichen Grund bei Kurzstrecken außerordentlich hoch. Der Umstieg bei Kurzstrecken auf Fuß oder Rad ist daher nicht nur gesünder, sondern auch spritsparend und motorschonend. 

Besonders schädlich für Motor und Umwelt: Warm laufen lassen im Stand. Am schonendsten erreicht der Motor seine Betriebstemperatur, wenn es sofort nach dem Motorstart losgeht und spritsparend gefahren wird. Lassen Sie beim Ölwechsel synthetische Leichtlauföle einfüllen. Diese haben bessere Schmiereigenschaften. Das schützt vor Verschleiß und senkt den Verbrauch.

5. Schnell schalten und niedertourig fahren

Schalten Sie nach dem Anfahren möglichst schnell hoch und orientieren Sie sich dabei, wenn vorhanden, an der Schaltpunktanzeige. Wer keinen Drehzahlmesser hat, orientiert sich am Tacho. Bei 25 bis 30 km/h in den dritten, bei 35 bis 45 km/h in den vierten und bei 50 bis 55 km/h in den fünften Gang schalten. Fahren Sie dann gleichmäßig in hohen Gängen bei niedrigen Drehzahlen. Dadurch sinkt auch der Geräuschpegel. Automotoren kommen mit niedertourigem Fahren problemlos klar. Bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe verzichten Sie auf das Sportprogramm. 

6. Vorausschauend gleiten

Jedes Anfahren und Beschleunigen verbraucht viel Benzin. Durch vorausschauendes Fahren mit ausreichendem Sicherheitsabstand “schwimmen” Sie im Verkehr mit und vermeiden spritfressendes Beschleunigen und Bremsen. Genügend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug (Faustregel: 3 Sekunden) hilft, Ungleichmäßigkeiten im fließenden Verkehr auszugleichen und dient der Verkehrssicherheit. 

7. Stromfresser ausschalten

Je stärker die Lichtmaschine durch elektrische Verbraucher belastet wird, desto höher ist der Kraftstoffverbrauch. Größter Stromfresser ist die Klimaanlage, die den Verbrauch im Stadtverkehr um bis zu 1,8 Liter auf 100 Kilometer erhöht. Auch jedes kleine Motörchen – z.B. für den Scheibenheber – erhöht den Verbrauch. Vergessen wird oft die Heckscheibenheizung. Die „verbraucht” pro Stunde ca. 0,1 Liter Sprit. Umgerechnet auf den Stadtverkehr sind das 0,3 bis 0,4 Liter pro 100 Kilometer.

8. Motor aus!

Wenn sich absehen lässt, dass Sie zum Beispiel an einer roten Ampel mehr als 10 Sekunden stehen, sollten Sie den Motor abstellen. Beim anschließenden Motorstart auf keinen Fall Gas geben.

Jeder und jede kann etwas tun, um den Energieverbrauch im Verkehr zu senken. Schon einfache Maßnahmen sparen Kosten, reduzieren die Abhängigkeit von Ölimporten und leisten gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz und für mehr Verkehrssicherheit. 

Kurze Strecken mit dem Rad

Rund die Hälfte aller Fahrten mit dem Pkw sind kürzer als fünf Kilometer. Der nahende Frühling mit steigenden Temperaturen lädt geradezu dazu ein, diese Strecken auch mal mit dem Rad zurückzulegen.

Bus und Bahn nutzen

Auf längeren Strecken bieten Bus und Bahn eine günstige und energiesparende Alternative. So benötigen öffentliche Verkehrsmittel deutlich weniger Energie pro Person und Kilometer als der Pkw.1 

Flugreisen vermeiden

Statt Flugreise über Ostern locken spannende Ziele in der Nähe, die gut mit der Bahn erreichbar sind. Vor Ort lässt sich die Umgebung am besten per Rad erkunden. Auch beim City-Trip gilt: viele europäische Metropolen haben inzwischen ein gut ausgebautes Radwegenetz und bieten öffentliche Leihräder an.

Michael Müller-Görnert

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