Multimodale Navigations-Apps

Mithilfe von Mobilitäts-Apps auch ohne Pkw flexibel unterwegs

Die wachsende Vielfalt der Mobilitätsangebote macht das Reisen zunächst undurchsichtiger. In vielen Großstädten konkurrieren gleich mehrere Car- oder Bikesharinganbieter. Alle Dienste vertreiben ihr Angebot meist über Smartphone-Apps. Der VCD gibt Tipps zu Mobilitäts-Apps, die aktuell auf dem Markt sind: Für kurze Wege in der Stadt genauso, wie für weite Reisen.

Quelle: VCD/ Katja TäubertDer Routenplaner in der Hosentasche erleichtert und ermöglicht intermodales Verkehrsverhalten.

Die wichtigsten Apps in Deutschland

Wer tatsächlich den Überblick über die Vielzahl der Verkehrsangebote behalten will und das für ihn passende Angebot finden möchte, ist auf Meta-Auskunftsdienste angewiesen. Bundesweit funktionieren nur wenige solcher Metadienste. Vier hilfreiche Apps stellen wir hier vor:

QixxitAllyMobility MapMoovel
PlattformAndroid, iOS, BrowserAndroid, iOSAndroid, BrowserAndroid, iOS
Einsatzgebietbundesweitin vielen Großstädtenbundesweitin vielen Großstädten
Routenauskunft zu ...
Öffentlicher  Nahverkehr
Fernzug
Fernbus
Flugzeug
Eigenes Rad
Call a Bike
nextbike
car2go
DriveNow
Flinkster
Cambio
Stadtmobil
teilAuto
Bla Bla Car
flinc
Taxi
PreisauskunftJaJaNeinJa
BuchungBahntickets, sonst Weiterleitung zum AnbieterWeiterleitung zum AnbieterNeinCar2Go, Taxi, in einigen Städten öffentliche Verkehrsmittel
BesonderheitenZeigt CO2-ärmste Fahrt, auch intermodales RoutingLive-Verfolgung der Route mit Freunden teilenEinschränkung auf Elektro-Carshring möglichBesonders für car2go-Kunden geeignet
Webseiteqixxit.de
allypp.commobilitymap.demoovel.com

Qixxit, die umfassende App mit CO2-Bilanz

Erkennbar ist es auf den ersten Blick nicht. Doch das blaugrüne Qixxit, dessen Gestaltung schlichter kaum sein könnte, ist ein StartUp der Deutschen Bahn. Die DB AG selbst ist längst mehr als ein Eisenbahnunternehmen. Sie hat sich in den letzten Jahren zu einem Mobilitätsanbieter weiterentwickelt, der ebenso im Stadt- und Fernbusgeschäft engagiert ist, wie im Car- und Bikesharing-Segment. Mit Qixxit - das mittlerweile ein selbständiges StartUp geworden ist - haben die vielschichtigen Mobilitätsangebote eine gemeinsame Auskunftsplatform bekommen. Die App hat den Anspruch aus komplexen Reisemöglichkeiten sinnvolle Routen zu generieren und das anbieterneutral.

Selten war eine Routenauskunft so umfangreich

Standartmäßig werden vom Flugzeug bis zum Taxi alle Verkehrsmittel in die Routenfindung einbezogen. Wer generell auf einzelne Verkehrsmittel verzichtet, kann auch einzelne abwählen. Es lässt sich eine Bahncard angeben, die dann bei der Preisbildung berücksichtigt wird. Andere Optionen, wie z.B. ein ÖPNV-Abo in der Heimatstadt lassen sich nicht angeben. Die Routenfindung nimmt auf der Webseite, wie in der App einige Sekunden in Anspruch. Reine Fahrplanauskünfte sind hier meist schneller. Für die Routenfindung kombiniert Qixxit verschiedene Verkehrsmittel auch intermodal, schlägt beispielsweise vor mit dem Fahrrad oder Taxi zum Bahnhof zu fahren wenn der Bus dorthin sehr lange unterwegs ist. Einzelne Vorschläge sind aber immer wieder wenig praxisnah, wenn z.B. für einige hundert Meter zur Bushaltestelle ein Taxi genutzt werden soll. Mehrere Routenvorschläge werden im Ergebnis in übersichtlichen Perlenketten nebeneinander dargestellt. Sie lassen sich nach Kosten, Reisezeit und CO2-Bilanz ordnen. Der Dienst funktioniert für kurze Wege in der eigenen Stadt ebenso gut, wie für Fernreisen innerhalb Deutschlands und in das europäische Ausland.

Der Preisvergleich hilft bei der Entscheidung

Für Bahnverbindung werden stets zutreffende Preise angegeben. Dabei werden auch Sparpreise und Bahncard-Rabatte berücksichtigt. Innerhalb von Verkehrsverbünden schlägt die Preisauskunft meist fehl. Nur wenige Verbünde speisen hier bisher ihre Daten ein. Auch regionale Bahnangebote, wie die beliebten Ländertickets werden nicht berücksichtigt. Für Fernbusse und Mitfahrgelegenheiten werden oft exakte Preise angegeben und auch für die zeit- und tarifabhängigen Preise von Taxen, Car- und Bikesharing-Diensten erfolgen recht realistisch Schätzungen. Die Reisekosten einer Pkw-Fahrt werden standartmäßig für einen Mittelklassewagen, bei einem Betriebs- und Wartungskostenaufschlag auf den Kraftstoffpreis, berechnet. Hier bietet der Dienst aber umfangreiche Einstellungsmöglichkeiten. Für die Information zu Flugreisen wird auf den Anbieter Opodo zurückgegriffen.

Bahnfahrten lassen sich sogar direkt innerhalb der App buchen, während man bei vielen weiteren Komponenten der Routenvorschläge auf die Buchungsseite bzw. die App des Anbieters weitergeleitet wird.

Welche Dienste Qixxit berücksichtigt

Qixxit integriert für seine Routenvorschläge eine Vielzahl von Anbietern. Die hauseignen Angebote der Deutschen Bahn, Flinkster und Call a Bike sind enthalten. Auch die beiden großen Freefloating-Carsharingdienste car2go und DriveNow werden einbezogen. Was konkurrierende stationsbasierende Carsharing-Dienste angeht sieht es hingegen schlecht aus. Lediglich teilauto wird abgebildet. Andere namenhafte Dienste wie Cambio und Stadtmobil dagegen nicht. Dafür werden aber Mietauto der Firmen Sixt und Avis mit verglichen. Bei Mitfahrdiensten wird der Marktführer BlablaCar sowie flinc berücksichtigt. Von den Fernbusanbietern sind Flixbus, sowie der bahneigene Dienst IC Bus enthalten. Diese bestellen über 90 % des Fernbusmarktes in Deutschland. Der neben Call a Bike einzige relevante Anbieter von Fahrradleihsystemen nextbike ist nicht enthalten.

Ally, für Metropolen weltweit mit Shuttle-Dienst

Ally ist die Mobilitäts-App des Berliner Entwicklers Door to Door. Mit der bloßen Eingabe von Start- und Zielpunkt sowie Abfahrtszeit kommt die Smartphone-Anwendung zunächst recht simpel daher, überrascht dann aber mit einer großen Anzahl von Routenvorschlägen.

Vielfältig Routenvorschläge in den Metropolen

Wenn auch keine CO2-Bilanz dahinter steht, so ist der erste Vorschlag immer der Fußweg, sofern die Weite zumutbar ist. Es folgen ein oder mehrere ÖPNV-Verbindung und eine Fahrradroute. Ally berücksichtigt auch eine Vielzahl von Car- und Bikesharing-Diensten. Bei einem Klick auf die gewünschte Verbindung erhält man eine schematische und kartografische Darstellung der Route. Das Entwicklerteam hat mit der Anwendung ein Fokus auf Metropolen (z.B. Berlin, Frankfurt, München, Bremen, Essen, Düsseldorf, Stuttgart, Dresden, Hannover, Hamburg, Köln) gelegt. In vielen kleineren Städten gibt Ally ausschließlich eine Routenauskunft für Bus und Bahn wieder. Hier steht sie vielen anderen Diensten nach. Fernverkehrsverbindungen werden gar nicht erst bestimmt, was wohl das größte Manko des Dienstes ist. Dafür ist der Dienst auch international gut aufgestellt und funktioniert in über 100 Metropolen weltweit. Eine originelle Zusatzfunktion ist die Verfolgung der eigenen Route, die sich auch mit Freunden teilen lässt.

Die App berücksichtigt für einzelne Routen im ÖPNV auch Live-Daten, jedoch nicht konsequent. Einmalig ist, dass die App teilweise den Twitter-Stream der Verkehrsbetriebe einbaut. Twittert ein Betrieb beispielsweise wo der gerade eingerichtete Schienenersatzverkehr auf der Linie 5 hält, erscheint dies mit im Routenvorschlag.

Ally gibt den Preis an aber keine Tickets aus

Für ÖPNV-Routen wird der korrekte Preis einer Einzelfahrt angezeigt. Für viele Car- und Bikesharing-Angebote, sowie Taxidienste schätzt die Anwendung einen realistischen Preis.  Ein Ticket lässt sich jedoch für keine der angegeben Routen kaufen. Hier sind die Nutzer stets auf die Anwendungen der jeweiligen Betreiber angewiesen. Eine Weiterleitungsfunktion gibt es bisher nicht.

Welche Dienste berücksichtigt Ally?

Innerhalb der beauskunfteten Städte berücksichtigt der Dienst eine Vielzahl von Verkehrsmitteln. Neben dem klassischen ÖPNV sind auch die beiden großen Bikesharing-Anbieter nextbike und Call a Bike aufgeführt, die zwei führenden Anbieter von Free-Floating-Carsharing Car2Go und DriveNow, sowie Taxis und dem Taxi-ähnlichem Dienst Uber. Zu Fuß gehen und Radfahren wird ebenfalls berücksichtigt, nicht jedoch die Fahrt mit dem eigenem Auto. Obwohl die genannten Dienste zwar in mehr als den von Ally abgedeckten Metropolen vorhanden sind, werden sie in allen weiteren Städten nicht mit berücksichtigt. Allein die Fahrplanauskunft  für den ÖPNV funktioniert in sämtlichen Regionen.

Die Macherinnen und Macher hinter der App verfassen ebenfalls eine sehr lesenswerten Blog rund um das Thema Neue Mobilität (in englischer Sprache).

Mobility Map, breit aufgestellt im Carsharing

Die Vielfalt an Sharing-Diensten ist die große Stärke von Mobility Map. Beide großen Fahrradverleihsysteme und die Mehrheit der Carshring-Anbieter, einschließlich kleinerer Betreiber wie Zipcar und eMio, werden für die Routenauskunft berücksichtigt. Einmalig ist dabei die Option ausschließlich Elektroautos zu nutzen. In der Preisübersicht werden die Unterschiede in den Tarifen deutlich. Für öffentliche Verkehrsmittel funktioniert der Preisvergleich lediglich im Bahnfernverkehr. Ticketpreise innerhalb von Verkehrsverbünden lassen sich nicht bestimmen.  Bei vielen Anbietern lässt sich das Auto oder das Leihfahrrad direkt aus der App heraus reservieren.

Das Design der Webseite ist etwas in die Jahre gekommen, doch die Android-App überzeugt. Für weitere mobile Betriebssysteme ist die Anwendung nicht verfügbar.

Moovel, für car2go-Kunden mit Extras

Besonders für car2go-Kunden bietet sich Moovel an, da die App in der Wegeauskunft Bus, Bahn, Taxi und Rad gezielt mit dem Angebot des Carsharers kombiniert. Ein car2go lässt sich jederzeit und einfach über die App reservieren.Beim Bikesharing integriert die App mit "nextbike" nur einen Anbieter in die Auskunft.