Politik | VCD-Magazin 03/2026
Wie der Staat Geld verbrennt
fairkehr-Magazin 03/2026
Verkehrspolitik
Der VCD fordert seit Langem die Abschaffung des Steuerrabattes auf Dieselkraftstoffe und die Reform des Dienstwagenprivilegs. Beide Subventionen kosten den Staat zusammengenommen etwa 12 Milliarden Euro pro Jahr, verbilligen das Herumfahren im Auto und schwächen somit Alternativen wie Bus und Bahn. Gerade die günstige Versteuerung von Dienstwagen ist zudem sozial ungerecht. Arbeitnehmende mit hohem Einkommen bekommen besonders häufig einen Dienstwagen und sparen gegenüber der privaten Anschaffung und Nutzung viel Geld.
Wie ein neues Policy Paper des Berliner Thinktanks „Dezernat Zukunft“ zeigt, sind Diesel- und Dienstwagenprivileg auch wirtschaftspolitisch unsinnig. Die Autor*innen haben einen Indikator für die Wirksamkeit von Subventionen entwickelt. Dieser zeigt, wie viele Jobs eine Subvention schafft und erhält – und zu welchem Preis. Das Ergebnis fällt für Diesel- und Dienstwagenprivileg vernichtend aus: Rund 43.000 Euro kostet jeder geschaffene oder erhaltene Arbeitsplatz, und der Beschäftigungseffekt ist mit etwa 16.500 Stellen pro Jahr, die im Schnitt 17 Jahre Bestand haben, vergleichsweise gering. Damit schneiden die Steuerersparnisse für Autofah rer*innen unter allen untersuchten Subventionen am schlechtesten ab. Zum Vergleich: Die Bundesförderungen für den Bereich Mikroelektronik bringen einen Beschäftigungseffekt von 22.100 Jobs für jeweils 6.700 Euro.
Aktuell werden Dienstwagen mit Verbrennungsmotor pauschal mit einem Prozent des Bruttolistenpreises besteuert. Plug-in-Hybride mit 0,5 Prozent und vollelektrische Pkw mit 0,25 Prozent. Trotz der Staffelung zugunsten von E-Autos führte die Dienstwagenregelung laut Umweltbundesamt 2024 zu zusätzlichen Emissionen von 1,68 Millionen Tonnen CO₂. Der Grund: Es wird mehr Auto gefahren als ohne die Regelung.
Der VCD fordert von der Bundesregierung eine stufenweise Anhebung der Steuern für Verbrenner und Hybride auf zwei Prozent und für E-Autos auf ein Prozent. Dadurch soll der geldwerte Vorteil von Dienstwagen als Gehaltsbestandteil fairer abgebildet werden und dennoch der Kaufanreiz für E-Autos erhalten bleiben.
In die Zukunft investieren
Aber warum sind die Auto-Subventionen so verschwenderisch? Sie sind als Kaufanreize für private Haushalte und Unternehmen konzipiert und übersetzen sich nicht eins zu eins in Nachfrage. Ein Teil des Geldes landet auf den Konten der begünstigten Personen und Unternehmen. Zudem gilt: Subventionen in den Erhalt des Status quo kosten viel und bringen wenig. Subventionen in neue Geschäftsmodelle schneiden besser ab.
Besonders spannend: Zu den effektivsten Maßnahmen zählt die Dekarbonisierung der Autoindustrie. Für nur 4.000 Euro pro Job könnte die Bundesregierung rund 600.000 Stellen erhalten oder schaffen. Hier haben die Forschenden die großen negativen Effekte auf die Beschäftigung einberechnet, die sich einstellen könnten, falls der Automobilsektor seine rechtlich verbindlichen Klimaziele verfehlt.
Das Policy Paper des Dezernats Zukunft bekräftigt, was der VCD seit Langem fordert: Die Bundesregierung muss das Dieselprivileg schrittweise abschaffen und die Dienstwagenbesteuerung anpassen. Mit den zu sätzlichen Steuermilliarden können Innovationen gefördert, Haushaltslöcher gestopft oder die kaputte Verkehrsinfrastruktur repariert werden. Jede dieser Optionen ist besser, als das Geld in fossilen Autos zu verbrennen.
Autor

Benjamin Kühne
Benjamin Kühne ist Redakteur und schreibt seit vielen Jahren über alle Themen der Mobilitätswende für das VCD-Magazin fairkehr. Er arbeitet bei der fairkehr Agentur in Bonn.

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