Europa lässt sich wunderbar per Bahn entdecken.
Nachtzüge | VCD-Magazin 02/2026
Wie ich mit dem Zug durch Europa reise
fairkehr-Magazin 02/2026 Bahn Tourismus
Zugfahren schont das Klima. Und in Zeiten steigender Spritpreise oft auch den Geldbeutel. Doch Planung und Buchung schrecken viele ab: Fahrpläne, Umstiege, Ticketsysteme in verschiedenen Ländern – schnell wirkt alles kompliziert.
Dabei muss das gar nicht so sein. Wenn man das System einmal durchschaut hat und mit etwas Gelassenheit reist, kommt man erstaunlich unkompliziert ans Ziel.
Wie findet man also die richtige Route? Wo recherchiert man Fahrpläne? Und wie kommt man an günstige Tickets? Kommen Sie mit! Anhand einer Reise von Bremen nach Stockholm wollen wir das einmal durchspielen.
Schritt 1: Die Route
Deutschland liegt im Herzen Europas und hat Zugverbindungen in viele Länder. Ohne Umstieg kommt man nach Paris, Budapest oder Rom. Auch Nachtzüge und internationale Direktverbindungen erleben seit einigen Jahren ein kleines Revival.Die wahre Stärke der Eisenbahn ist jedoch: Sie ist keine Sammlung einzelner Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, sondern ein Netzwerk. Mit ein bis drei Umstiegen steht uns fast ganz Europa offen. Es hilft, nicht in einzelnen Zügen zu denken, sondern in Korridoren und Verbindungen. Solche Reiseketten können auch eine Fahrt mit der Fähre oder dem Bus einschließen.
Wer häufiger mit dem Zug reist, sollte sich grob orientieren: Welche Hauptachsen gibt es? Zu welchen Zielen – auch abseits der großen Städte – führen die Schienen? Manch kleinen Ort am Meer oder in den Bergen habe ich gerade deshalb entdeckt, weil er einen Bahnanschluss hat.
Einen ersten Überblick bieten Streckenkarten im Internet. Wer lieber mit dem Finger auf der Landkarte plant, kann sich auch einen physischen Faltplan oder einen Bahnatlas zulegen.
Unsere Fahrt von Bremen nach Stockholm führt über Hamburg nach Kopenhagen. Von dort rollen wir über die Öresundbrücke nach Malmö und schließlich durch das ländliche Südschweden in die schwedische Hauptstadt. Viel Meer, viele Seen – und rund 1.250 Kilometer Strecke.
Schritt 2: Die Verbindung
Jetzt wird es konkret: Wann fährt der Zug? Welche Verbindung passt? Und wie knapp sind die Umstiege?
Man kann viel über die Deutsche Bahn meckern, aber ihre Reiseauskunft – auf der Website oder im DB Navigator – ist die beste Quelle für Fahrplandaten in Europa. Bis auf wenige Ausnahmen sind hier alle Züge von staatlichen und privaten Bahnen verlässlich verzeichnet.
Für unsere Reise nach Schweden finden wir an einem Montag im Juli eine Verbindung mit Abfahrt um 7.33 Uhr in Bremen und Ankunft um 20.38 Uhr in Stockholm, mit Umstiegen in Hamburg, Kopenhagen und Malmö. Das klingt zunächst vernünftig. Zudem bleibt noch eine spätere Verbindung, falls unterwegs etwas schiefgeht.
Doch wer es dabei belässt, verschenkt Spielraum. Mit ein paar einfachen Einstellungen lässt sich der Fahrplan gezielt anpassen. Über Zwischenhalte kann man die Route steuern und bewusst längere Stopps einbauen. Wer die Option „Schnellste Verbindungen anzeigen“ deaktiviert, sieht Alternativen, die etwas länger dauern, oft aber günstiger sind.
Uns interessiert die Umstiegszeit: Acht Minuten in Hamburg, noch dazu am Morgen, sind knapp. Setzen wir die Mindestumstiegszeit auf 20 Minuten, schlägt die Auskunft eine Verbindung mit Abfahrt um 7.22 Uhr vor. Doch weil es diesmal ein ICE ist und kein Regionalzug, erreichen wir Hamburg deutlich früher – und haben Gelegenheit für ein zweites Frühstück im Bordbistro.
Der Rest der Verbindung bleibt gleich. Die Umstiege in Kopenhagen und Malmö sind mit gut einer halben Stunde machbar.
Der Zug nach Stockholm – und im Sommer auch der EuroCity zwischen Hamburg und Kopenhagen – ist reservierungspflichtig. Das heißt, wir müssen genau diesen Zug nehmen und unser Ticket beinhaltet einen festen Sitzplatz.
Alternativ ließe sich die Fahrt ab Hamburg auch im Nachtzug zurücklegen. Es gibt zwei Anbieter auf der Strecke, die schwedische Bahn SJ und den privaten Anbieter Snälltåget. Beide sind jedoch nicht in das Ticketsystem der DB integriert und müssen separat gebucht werden.
Schritt 3: Die Buchung
Damit kommen wir zu dem Punkt, wo es oft noch hakt – bei dem es aber auch die größte Bewegung gibt. Europas Bahnen rollen derzeit einen neuen digitalen Standard für den Datenaustausch aus. Und auch die EU arbeitet daran, den grenzüberschreitenden Ticketkauf zu vereinfachen.
Schon heute lassen sich viele internationale Verbindungen direkt über die Deutsche Bahn buchen. So auch in unserem Fall: Zwei Monate im Voraus kostet die Fahrt von Bremen nach Stockholm in der 2. Klasse 80 Euro, ein fairer Preis für diese Distanz. Allein die Maut für die Autofahrt über die Öresundbrücke wäre schon ähnlich teuer.
Für diesen Preis erhalten wir den Super-Sparpreis Europa mit Zugbindung und ohne Umtauschmöglichkeit. Für 90 Euro gibt es den normalen Sparpreis, der eine Stornierung bis einen Tag vor Abfahrt erlaubt. Der Flexpreis liegt bei etwa 260 Euro und würde zwar theoretisch freie Zugwahl ermöglichen, bietet auf dieser Strecke wegen der Reservierungspflicht aber kaum einen Vorteil. Wichtig: In allen drei Fällen handelt es sich um durchgängige Tickets mit vollen Fahrgastrechten.
Nicht immer ist die Buchung so einfach. Häufig erscheint stattdessen die Meldung „Preisauskunft nicht möglich“. In solchen Fällen können Plattformen wie Trainline oder Rail Europe helfen. Sie bündeln das Angebot verschiedener Bahnen und verkaufen auch Tickets für Reisen, bei denen die DB streikt, etwa nach Südeuropa. Wer die Planung komplett abgeben möchte, kann sich alternativ an spezialisierte Bahnagenturen wenden.
Zum Schluss noch ein Tipp: Bei internationalen Reisen lohnt sich oft ein Preisvergleich. Wer etwa von Berlin nach Prag fährt, sollte unbedingt die Preise bei der Tschechischen Bahn prüfen. Dort kann das Ticket erheblich günstiger sein.
Fazit
Wer mit dem Zug reist, sieht mehr von der Welt. Mit ein bisschen Planung und einem Quäntchen Gelassenheit wird schon die Anreise Teil des Urlaubs. Und in Stockholm muss die Reise noch lange nicht vorbei sein: Von hier geht es weiter mit dem Nachtzug an den Polarkreis, mit der Fähre nach Finnland oder über die Berge nach Norwegen. Europa liegt näher, als man denkt. Steigen wir also ein.
Tipps für Zugreisende
Inspiration: Zugreiseführer wie „Europa mit dem Zug“ (Reisedepeschen Verlag) oder der internationale Klassiker „Europe by Rail“ liefern konkrete Routenvorschläge und Inspirationen für eigene Reisen. europebyrail.eu
Sehr praktisch ist auch die Website von Mark Smith, besser bekannt als „The Man in Seat 61“. Dort finden sich detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen für Zugverbindungen in ganz Europa und viele Hinweise zur Buchung. seat61.com
Kursbuch: Der European Rail Timetable erscheint seit über 150 Jahren und bündelt die wichtigsten Zugverbindungen in Europa in klassischer Kursbuch-Form. Die nach Ländern geordneten Tabellen vermitteln ein gutes Gefühl für das europäische Bahnnetz. europeanrailtimetable.eu
Interrail: Interrail bleibt die wichtigste Option für alle, die Europa flexibel mit dem Zug bereisen möchten. Schon lange gilt der europaweite Bahnpass nicht mehr nur für Jugendliche. Bei längeren Zugreisen kann er preislich eine Alternative zu normalen Tickets sein. Aber Achtung: In manchen Ländern wie Frankreich oder Spanien sind für viele Züge recht teure Reservierungen erforderlich. interrail.eu
Autor

Sebastian Wilken
ist Physiker und freier Autor. In seinem Blog „Zugpost“ schreibt er über Bahnreisen durch Europa. Auf einer seiner Fahrten hat er sich in Finnland verliebt, wo er seit einigen Jahren lebt. Die Fahrt nach Stockholm – und weiter mit der Fähre nach Turku – hat er schon unzählige Male gemacht, meistens mit einem Interrail-Pass.

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