Ist hier kein Platz für mich? Mobilitätsalltag von Kindern
Politik | VCD Magazin 02/2026
Wir wollen freie Wege!
fairkehr-Magazin 02/2026 Auto Fußverkehr für Familien
Was regt sich die Republik über Leihroller auf Gehwegen auf! „Müssen wir das ertragen?“, plakatierte eine Bonner Lokalpartei im Kommunalwahlkampf – und meinte damit weder die Klimakrise noch die Tatsache, dass weltbekannte Rockbands im sensiblen Bonn nur in der Lautstärke eines Küchenradios spielen dürfen. Nein: Das Plakat zeigte einen achtlos auf dem Gehweg geparkten Scooter.
Die sind ja auch ein Problem. Nur komisch, dass der Aufschrei bei einer anderen Problematik ausbleibt: der Blockade der Bürgersteige durch die immer weiter wachsende Autoflotte. Müssen wir das ertragen?
Nein, sagt der VCD Bremen – und unterstützt mit Rat und Finanzmitteln eine Familie, deren drei Kinder gegen die Duldung des illegalen Gehwegparkens klagen. VCD-Vorstandsmitglied Steffen Breyer erklärt: „Kinder bis zu acht Jahren müssen mit dem Rad auf dem Gehweg fahren. Wird ihnen diese Möglichkeit durch aufgesetztes Parken genommen, kommt das faktisch einem Radfahrverbot gleich und verletzt ihr Recht auf freie Entfaltung.“ Gerade die Kleinsten brauchen ausreichend breite und sichere Wege.
Kinder, deren Rechte durch das rücksichtslose Verhalten von Erwachsenen beschränkt werden: Müssen wir das ertragen?
Nein, sagt auch Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des VCD-Bundesverbandes. „Kinder bewegen sich immer weniger, auch weil ihnen der Raum dazu genommen wird. Illegal geparkte Autos verschärfen die Situation. Das ist inakzeptabel, und wir sind es unseren Kindern schuldig, hier gegenzusteuern.“ Der Bundesverband unterstützt die Bremer Familie aus dem Stadtteil Findorff deshalb bei dem Prozess.
Der VCD hatte zuletzt mit einer bundesweiten Online-Aktion aufgerufen, regelmäßig zugeparkte Gehwege zu melden – und dokumentierte so über 3.300 Gefahrenstellen in der ganzen Republik. Brisant: An jeder vierten radeln regelmäßig Kinder. Der Verband forderte daraufhin knapp 280 Problemkommunen auf, zu den Meldungen Stellung zu nehmen.
Doch viele Städte und Gemeinden trauen sich nicht, das politisch heiße Eisen Parken anzupacken. Bremen galt bei dem Thema bislang als Vorreiter. Aber Steffen Breyer sieht wenig Bewegung: „Die Stadt hat ein Parkraumkonzept beschlossen, spielt bei der Umsetzung aber auf Zeit“, sagt er. Zwar führe Bremen einen Pilotversuch in einem ausgewählten Quartier durch, die Probleme in anderen Stadtteilen blieben jedoch ungelöst.
Beim Thema Parken schlagen die Emotionen oft in den irrationalen Bereich aus. Deshalb schützt der VCD die Anonymität der Kläger. Breyer kennt das Konfliktpotenzial aus seinem privaten Umfeld: „Ich habe einen guten Freund, mit dem ich über das Thema nicht mehr diskutiere. Das würde sonst zum Bruch führen“, so Breyer. „Er sagt: Ich will mein abgestelltes Auto sehen!“
Was wir sehen wollen: mehr bewegungsfreudige Kinder auf dem Rad. Die Klage wird voraussichtlich Ende des Jahres am Bremer Verwaltungsgericht verhandelt. Wir wünschen uns ein richtungsweisendes Urteil: für Kinder statt für Autos.
Sie erwägen eine Klage?
Der VCD hofft, mit einer erfolgreichen Klage einen Präzedenzfall zu schaffen. Für die Belange mobilitätseingeschränkter Menschen wäre ein ähnliches Verfahren sinnvoll. Sollten Sie eine Klage erwägen, wenden Sie sich vertrauensvoll an den VCD: michael.mueller-goernert@vcd.org
Autor

Tim Albrecht
ist Redakteur, Berater und Coach für Kommunikation rund um die Themen Nachhaltige Mobilität & Urbane Transformation. Er arbeitet bei der fairkehr-Agentur in Bonn und ist seit 2025 Chefredakteur des VCD-Magazins fairkehr.

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