Abgasnachbehandlung bei Bussen wirkt
Anlässlich der Jahrestagung des Verbandes der Deutschen Verkehrsunternehmen (VDV) fordert der ökologische Verkehrsclub VCD diesen auf, seine ablehnende Haltung hinsichtlich der Nachrüstung von Stadtbussen mit SCR-Systemen aufzugeben. Über dieses neue und effiziente System, das Partikelfiltern nachgeschaltet wird, können die Stickoxidemissionen im Abgas um nachweislich mehr als 50 Prozent reduziert werden. Da Stickoxide neben den Partikeln die schädlichsten Luftschadstoffe sind, muss hier jede Möglichkeit genutzt werden, um das Problem der Luftverschmutzung zu lösen.
Michael Ziesak, VCD-Bundesvorsitzender: „Schlechte Luftqualität ist europaweit für über 400.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr verantwortlich und gerade innerstädtisch ist der Verkehr einer der Hauptverursacher. Und obwohl der ÖPNV unbestreitbare Umweltvorteile gegenüber dem Pkw-Verkehr hat, können und müssen insbesondere die Busse noch sauberer werden. Der VDV muss als Dachverband seine Mitgliedsunternehmen bei ihren Aktivitäten aktiv unterstützen, anstatt den Nutzen dieser Maßnahmen kleinzureden.“
Die modernen SCR-Systeme sind auf den Einsatz im städtischen Stopp-und-Go-Betrieb hin optimiert und garantieren eine verlässliche Reduzierung der Schadstoffe. Kombiniert mit Partikelfiltern, die in der Branche bekannt und anerkannt sind, könnten somit offene Potentiale gehoben werden.
Allerdings ist das Wissen darum noch sehr gering. Gregor Kolbe, VCD-Verkehrsexperte: „Der VDV und viele seiner Mitgliedsunternehmen sehen die Nachrüstung mit SCR-Systemen als nutzlos und unwirtschaftlich an. Dabei zeigen Messungen im realen Betrieb, dass die Stickoxidemissionen deutlich abnehmen und zum Teil sogar unter denen von serienmäßigen EURO V-Bussen liegen. Dies zeigt, dass insbesondere Kommunen, die vor Problemen bei der Einhaltung der Grenzwerte der europäischen Luftqualitätsrichtlinie stehen, verstärkt auf die Nachrüstung setzen sollten.“
Dem Argument des VDV, dass sich durch die Modernisierung der Busflotten mit EURO V-Fahr-zeugen und dem Verschwinden der älteren Busse das Luftqualitätsproblem von selbst erledigt, erteilt der VCD eine klare Absage. Allein unter Laborbedingungen stoßen die aktuellen EURO V/EEV-Busse wenige Luftschadstoffe aus. Die Realemissionen liegen jedoch aufgrund des realitätsfernen Testverfahrens zum Teil deutlich darüber. Hier können nur Systeme, die nachträglich die Abgase reinigen, effektiv helfen.
„Wir wissen, dass die Nachrüstung von Bussen mit Partikelfiltern und SCR-Systemen zusätzliche Kosten für Verkehrsunternehmen darstellt. Die Politik kann und muss hier helfen“, so Michael Ziesak. „Nach den guten Erfahrungen mit der Partikelfilterförderung für Pkw sollte die Bundesregierung unverzüglich eine bundesweite Nachrüstförderung für Busse auf den Weg bringen. Das würde auch den Kommunen helfen, die für die Einhaltung der europäischen Luftqualitätsgrenzwerte verantwortlich sind.“
vcd.org