Abgasskandal in den USA? Nein: Vor allem in Europa belasten Millionen Dieselfahrzeuge die Städte

Politik muss für ehrliche Einhaltung der Grenzwerte bei Luftschadstoffen sorgen – Stickoxide gefährden die Gesundheit

Zunächst war es ein Skandal um manipulierte Dieselfahrzeuge für den amerikanischen Markt, dann folgte die Offenbarung, dass auch VW-Dieselfahrzeuge in Europa mit einer Software ausgestattet sind, die dafür sorgt, dass diese Autos auf dem Papier bessere Schadstoffwerte ausweisen, als die Realität hergibt. Seit heute besteht Gewissheit darüber: die Mehrheit der unsauberen Dieselfahrzeuge ist in Europa unterwegs. Acht Millionen Dieselfahrzeuge belasten die Luft und gefährden Tag für Tag die Gesundheit der Menschen in Europa.

Aufgrund weiterer Tests unter anderem durch das ICCT, ist zudem davon auszugehen, dass die Tricksereien zur Einhaltung der Schadstoff-Grenzwerte noch viel umfänglicher sind. Extrem hohe Abweichungen zwischen den Werten vom Prüfstand und im Realverkehr treten auch bei Fahrzeugen anderer Hersteller auf.

Heiko Balsmeyer, Experte für Luftreinhaltung beim VCD: „Die Tricksereien der Autohersteller bei den Abgastests sind ein Spiel mit der Gesundheit der Menschen. Nach wie vor weisen zahlreiche Städte regelmäßig zu hohe Stickoxidbelastungen auf, wobei Dieselemissionen hierfür die Hauptquelle sind. Sie greifen die Atemwege an. Asthma und Bronchitis bis hin zu Herz-Kreislauferkrankungen sind die Folge. Deswegen wurden strengere Abgaswerte eingeführt. Doch die Politik hat die Einhaltung nicht kontrolliert und auch bei Betrügereien der Autohersteller weggeschaut. Daher ist die Politik mit verantwortlich für die weiterhin zu hohe Luftbelastung in den Städten.“

Der ökologische Verkehrsclub VCD fordert die Politik zum entschiedeneren Handeln auf. Allein Appelle zur Aufklärung des Skandals reichen nicht mehr aus. Die Politik muss jetzt auf europäischer Ebene dafür sorgen, dass so zeitnah wie möglich die Schadstoffgrenzwerte ehrlich eingehalten werden. Dafür braucht es die Einführung der Realmessungen von Luftschadstoffen ohne wenn und aber sowie unabhängige Kontrollen. Auf EU-Ebene gilt es die Regeln festzulegen, auf nationaler Ebene muss sich die Bundesregierung aus den Fängen der mächtigen Autolobby lösen und endlich im Sinne des Gesundheits- und Klimaschutzes handeln.

Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim VCD ergänzt: „Mit der Kumpanei zwischen Autoindustrie und Politik muss jetzt Schluss sein. Schadstoff- und Verbrauchsmessungen müssen die Realität abbilden, Autohersteller müssen unabhängig kontrolliert werden und Automanager, die betrügen, müssen persönlich zur Verantwortung gezogen werden.“

 

Für Rückfragen und Interviews:

Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Tel.: 030/280351-12 • <link>presse@vcd.org

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