Autohersteller betrügen bei Abgastests – VW ist nur Spitze des Eisbergs

VCD fordert: Tests ohne Tricksereien für Luftschadstoffe, CO2 und Spritverbrauch

Was Experten seit langem vermuten und Umweltverbände wie DUH und VCD immer wieder öffentlich kritisieren, ist nun Gewissheit: Autohersteller betrügen bei Abgastests. Die amerikanische Umweltbehörde Environment Protectional Agency (EPA) hat zunächst den Volkswagen-Konzern überführt, bei Diesel-Fahrzeugen eine Software zu integrieren, die erkennt, wann der offizielle Abgastest erfolgt und dafür sorgt, dass in diesem Moment sauber gefahren wird. Im Realverkehr hingegen sind die Emissionen bis zu einem 25-fachen pro Kilometer höher.

Der ökologische Verkehrsclub VCD hat diesen Verdacht schon in den VCD Auto-Umweltlisten seit 2013 geäußert und in den Folgejahren immer wieder gefordert, dass neben den Labortests Nachprüfungen im Realverkehr erfolgen müssen. Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass neben Volkswagen auch andere Konzerne die Abgaswerte manipulieren und das nicht nur in den USA. Die EU muss jetzt ebenfalls reagieren. Die  Einführung der Realmessungen von Luftschadstoffen ist zwar schon beschlossen, aber die Hersteller versuchen sich bereits Schlupflöcher zu sichern. Die EU muss ehrliche Tests ohne Wenn und Aber beschließen, damit Betrügereien ein Ende haben.“

Bei dem Vorwurf der Manipulation geht es dann auch nicht nur um das gesundheitsschädigende Abgase Stickstoffdioxid NO2 aus den Dieselmotoren und die Partikel aus direkteinspritzenden Benzinern, sondern auch um das Treibhausgas CO2 und damit den Kraftstoffverbrauch.

„Die Manipulationen, die VW bereits zugegeben hat, sind kein Kavaliersdelikt, sondern eine Angriff auf die Gesundheit der Menschen, eine Missachtung des Klimaschutzes und Steuerbetrug“, betont Lottsiepen. Seit 2009 wird die Kfz-Steuer teilweise nach dem CO2-Ausstoß festgesetzt. Allein bei den Neuwagen eines Verkaufsjahres entgehen dem Fiskus durch Hersteller-Tricksereien somit über 200 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr.

Dass in Deutschland Autohersteller bislang nichts zu befürchten hatten, dafür sorgten verschiedenste Positionswechsel von der Regierungsbank in die Autoindustrie. So versprach Bundeskanzlerin Angela Merkel ihrem ehemaligen Kabinettskollegen VDA-Chef Wissmann erst am vergangenen Donnerstag, bei den Verhandlungen um den  CO2-Grenzwert in Europa zu helfen. „Mit dieser Kumpanei muss jetzt Schluss sein. Schadstoff- und Verbrauchsmessungen müssen die Realität abbilden und Automanager, die hier betrügen, müssen persönlich zur Verantwortung gezogen werden.“

 

Für Rückfragen und Interviews:

Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Tel.: 030/280351-12 • Fax -10 • presse@vcd.org

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