Autohersteller erreichen auch ohne Supercredits für E-Autos CO2-Vorgaben der EU für 2015

Realverbrauch aber weiterhin höher als offizielle Angaben

Alle großen Fahrzeughersteller haben vorzeitig ihre CO2-Ziele für 2015 erreicht, so das Ergebnis der aktuellen Analyse des Europäischen Dachverbandes der Umwelt- und Verkehrsverbände Transport & Environment (T&E). Das Bemerkenswerte daran, die von den Herstellern zuvor hart erstrittenen Flexibilitäten, wie das schrittweise In-Kraft-Treten des Grenzwertes von 2012 bis 2015 sowie die Mehrfachanrechnung von Elektroautos, mit den sogenannten Supercredits, mussten so gut wie gar nicht in Anspruch genommen werden.

Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim VCD: „Entgegen allen Beteuerungen der Autoindustrie, die Grenzwerte von 130g CO2 pro km seien technisch nicht oder nur mit hohen Kosten zu erreichen, hat sich das Gegenteil gezeigt. Die CO2-Grenzwerte sind ein effektiver Treiber, die CO2-Emissionen von Pkw zu verringern und sie sind machbar, ohne wenn und aber. Verglichen zur freiwilligen Vereinbarung der Autoindustrie in der Periode vor 2008, hat sich die Minderungsrate bis heute verdreifacht. “

Laut T&E-Analyse sind die meisten Hersteller bereits auf gutem Weg, auch den 95-Gramm-Grenzwert für 2021 zu erreichen. Und dies – ganz entgegen der gestrigen Darstellung von Daimler-Boss Dieter Zetsche auf der Elektromobilitätskonferenz – ohne wesentlich auf die Mehrfachanrechnung von Elektroautos als Null-Emmissionsfahrzeuge zurückgreifen zu müssen. Aus Sicht des ökologischen Verkehrsclubs VCD muss damit  klar sein: Die Fortschreibung der CO2-Grenzwerte ist unabdingbar. Die EU-Kommission sollte jetzt ein neues Ziel für 2025 vorschlagen, damit das Reduktionstempo gehalten wird. Die Bundesregierung wiederum, muss anspruchsvolle Vorgaben unterstützen, wenn sie wirklich den Klimaschutz und die Elektromobilität voranbringen will.

Autofahrern und Autofahrerinnen rät der VCD, die offiziellen Verbrauchsangaben weiterhin mit Vorsicht zu genießen. Fahrzeughersteller nutzen zahlreiche Schlupflöcher und Unzulänglichkeiten des derzeit geltenden Testverfahrens zur Ermittlung der Kraftstoffverbräuche und CO2-Emissionen. So werden nur rund 50 Prozent der Reduktionen aus den Tests in der Realität erreicht. Ein wichtiger Schritt zur Besserung sind, eine rasche Einführung des neuen und realistischeren Messverfahrens WLTP sowie verbindliche Messungen im Realverkehr.

Andreas Hagenkötter, Mitglied im VCD-Bundesvorstand: „Der Gesetzgeber ist mit in der Verantwortung Verbraucher vor fragwürdigen Praktiken der Autohersteller zu schützen. Das neue Testverfahren für die Ermittlung der Verbräuche muss rasch und ohne weitere Verzögerung bis 2017 eingeführt werden, das muss die Bundesregierung unterstützen. Nur so erhalten Verbraucher endlich belastbare Informationen über den Spritverbrauch ihrer Fahrzeuge.”

Link zum Report von T&E „How clean are Europe´s cars?: <link http: www.transportenvironment.org sites te files>www.transportenvironment.org/sites/te/files/2015_TE_cars_CO2_report_FINAL.pdf

Für Rückfragen und Interviewwünsche:
Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Fon 030/280351-12 • <link>presse@vcd.org

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