Bast-Studie sieht kaum Bedarf an Lang-Lkw
Berlin, 15. Dezember 2016. Bereits im November, bevor die Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) ihre Studienergebnisse zum „Feldversuch mit Lang-Lkw“ veröffentlichte, verkündete Verkehrsminister Dobrindt, die Zulassung sogenannter Lang-Lkw für den Regelbetrieb ab 2017. Doch warum, wenn der fünfjährige Feldversuch deutlich macht, dass es in den kommenden Jahren kaum einen Bedarf an diesen Schwerlastern auf Autobahnen gibt?
Darüber hinaus kann die Bast-Studie die Sicherheitsbedenken nicht vollständig ausräumen. Im Abschlussbericht heißt es: die Risiken seien beherrschbar, denn zu erwarten seien nicht mehr als 1.000 Fahrzeuge in den nächsten Jahren. Doch auf Basis des geringen Interesses der Spediteure am Feldversuch die Anzahl der Fahrzeuge für 2030 hochrechnen zu können, ist gefährlich.
Philipp Kosok, Referent für Verkehrspolitik beim VCD: „Gigaliner sind zu groß, zu teuer und zu gefährlich für den Straßenverkehr. Das kann auch die Bast-Studie nicht entkräften. Es fehlen Rastplätze und Nothalte in Tunneln, Überholvorgänge werden länger und die Brandlast der Gigaliner ist höher als bei normalen Lkw.“
Schließlich läuft das immer wieder herangezogene Argument ins Leere, zwei Lang-Lkw könnten drei herkömmliche Lkw ersetzen und dadurch gebe es eine CO2-Einsparung von 25 Prozent. Insgesamt ist der Güterverkehr auf der Straße viel klimawirksamer als auf der Schiene. Klare Aussage der Bast-Studie: Es wird intermodale Verlagerungseffekte geben. Der Schaden für den Bahn- und Binnenschifffahrtsverkehr sei nur dann gering, wenn tatsächlich nicht mehr als 1.000 Gigaliner auf Deutschlands Straßen rollen.
Doch mit der Regelzulassung wird ein Anreiz gesetzt, mehr Straßengüterverkehre zu schaffen. Durch den Kostenvorteil der Gigaliner könnten Güter von umweltfreundlichen Verkehrsträgern zurück auf die Straße verlagert werden. Das Ergebnis wären mehr Lkw-Fahrten und eine größere Umweltbelastung.
Der VCD kritisiert: Verkehrsminister Dobrindt hat sich einmal mehr für die Stärkung des Straßengüterverkehrs in seiner heutigen Form entschieden. Er macht allein Politik für Spediteure - nicht für die Menschen, nicht für das Klima. Lang-Lkw sind mit den Klimazielen der Bundesregierung unvereinbar.
Richtiger wäre, den Schienengüterverkehr zu stärken, etwa durch eine umgehende Beseitigung der zahlreichen Engpässe im Netz, die Ertüchtigung für 740 Meter lange Güterzüge und die Halbierung der Schienenmaut.
Für Rückfragen: Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Fon 030/280351-12 • <link>presse@vcd.org
Abschlussbericht der Bast: <link http: www.bast.de de verkehrstechnik fachthemen v1-lang-lkw>www.bast.de/DE/Verkehrstechnik/Fachthemen/v1-lang-lkw/v-lang-lkw-abschluss.html
vcd.org