Bundesregierung sucht Position für Verbrauchsgrenzwerte von neuen Pkw
Im Vorfeld der Sitzung der EU-Ratsgruppe Umwelt am Montag, den 4. Februar 2013, stimmt das federführende Bundesumweltministerium aktuell seine Position zur Fortführung der CO2-Grenzwertregulierung für neue Pkw innerhalb der Bundesregierung ab. Der ökologische Verkehrsclub VCD befürchtet, dass Deutschland wie in der Vergangenheit die Vorgaben schwach halten will und den Vorschlag der EU-Kommission, der ein CO2-Ziel von 95 Gramm pro Kilometer für das Jahr 2020 klar definiert, durch verschiedene Verrechnungsmechanismen abschwächen will. Einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Positionierung hat das Wirtschaftsministerium, das traditionell die deutsche Automobilindustrie unterstützt.
Michael Ziesak, VCD-Bundesvorsitzender: „Wir fordern das Umweltministerium auf, keine Aufweichung des Grenzwertes zuzulassen. Jede Abweichung auf dem Weg zur Erreichung des Zielgrenzwertes, führt zu weniger sparsamen Autos und einem noch geringerem Beitrag des Verkehrsbereichs zum Klimaschutz.“
Hauptkritikpunkt des VCD ist die geplante Mehrfachanrechnung von Elektrofahrzeugen. Es wird erwartet, dass die Bundesregerung die im Kommissionsentwurf vorgesehene Möglichkeit der Einführung von sogenannten »super credits« nochmals deutlich ausweiten will. Nach dem bisherigen Vorschlag der EU-Kommission sollen Elektroautos mit dem Faktor 1,3 auf die CO2-Bilanz angerechnet werden können, begrenzt auf 20.000 Fahrzeuge pro Hersteller. Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) fordert hingegen einen Faktor von 2,5 ohne Deckelung sowie die Möglichkeit, »super credits« vor 2020 anzusparen und ab 2020 anzurechnen.
„Super credits sind nichts als ein perfider Trick, um die tatsächlichen CO2-Bilanzen der Hersteller schön zu rechnen. Niemand kauft deswegen ein Elektroauto, noch leisten super credits einen Beitrag zur Verbrauchsminderung. Im Gegenteil, dadurch, dass ein E-Auto über diesen Rechentrick die Emissionen mehrerer Geländewagen ausgleichen kann, sinken die Anforderungen an die Hersteller drastisch“, kritisiert VCD-Experte Michael Müller-Görnert.
Durch den Einsatz von »super credits« könnte der vorgesehene Grenzwert für 2020 schließlich nicht bei 95 g/km sondern bei bis zu 108 g/km liegen. Umgerechnet für den Verbraucher, würde dieser Wert einen Mehrverbrauch von einem halber Liter Sprit auf 100 km bedeuten. Für das Tanken müssten Autofahrer also künftig rund 100 Euro mehr im Jahr aufbringen. Unverständlich aus Sicht des VCD. Denn allein durch ambitioniertere Vorgaben würden Autos weniger Sprit brauchen. Und die Umsetzung ist möglich. Das beweisen bereits heutige sparsame Fahrzeugmodelle aus allen Fahrzeugsegmenten.
"Umweltminister Peter Altmaier kann nicht auf der einen Seite die Bürger von hohen Energiepreisen entlasten und ihnen auf der anderen Seite das Geld über die Spritrechnung aus der Tasche ziehen. Vielmehr muss er mit ambitionierten Vorgaben sicher stellen, dass Autos weniger Sprit brauchen. Dies fördert auch die Innovationsfähigkeit der deutschen Industrie“, so Müller-Görnert.
Weitere Informationen zum Thema: <link co2grenzwert.html>www.vcd.org/co2grenzwert.html
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