Chance statt Ärgernis: So wird der E-Scooter Teil der Verkehrswende

E-Scooter sind umstritten: Für die einen sind sie ein Ärgernis, für die anderen eine nützliche Ergänzung zum ÖPNV. Gerade mit Beginn der warmen Jahreszeit können sie den Umstieg vom Auto auf klimafreundliche Mobilitätsalternativen erleichtern. Der ökologische Verkehrsclub VCD erklärt, wie E-Scooter den nachhaltigen Mobilitätsmix vervollständigen können und welche politischen Maßnahmen dafür notwendig sind.

Ein Viertel aller mit dem Auto zurückgelegten Strecken ist kürzer als zwei Kilometer. Genau für diese Wege bieten E-Scooter eine Option für diejenigen, die nicht zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sein können oder möchten. Als ideale Begleiter für die „erste oder letzte Meile“, bringen sie Fahrgäste von Bus oder Bahn direkt ins Büro oder vor die eigene Haustür. Doch bislang machen E-Scooter weniger durch ihr Potential für die Verkehrswende von sich reden, sondern vor allem durch hohe Unfallzahlen und ungeordnetes Abstellen auf Fußwegen. Den E-Scooter selbst zum Kern des Problems zu erklären, greife jedoch zu kurz, betont der ökologische Verkehrsclub VCD. Vielmehr werde eine grundlegende Fehlentwicklung unseres Verkehrssystems deutlich: Während Autos den größten Raum beanspruchen, teilen sich klimafreundliche Fortbewegungsmittel wie Rad- und Fußverkehr – und seit zwei Jahren auch E-Scooter – den übrigen knappen Raum.

Anika Meenken, VCD-Sprecherin für Radverkehr: „E-Scooter sind eine Chance für die Verkehrswende, die nicht ungenutzt bleiben sollte. Insbesondere auf kurzen Wegen ermöglichen sie ein rasches und bequemes Vorankommen und erleichtern so den Umstieg vom Auto auf ein klimafreundliches Verkehrsmittel. Sie lediglich als Ärgernis oder Spielzeug herabzustufen, verkennt ihr Potential für die Verkehrswende. Um dieses voll auszuschöpfen ist die Politik jedoch gefordert, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Nur dann können sie sich langfristig als verlässliche und sichere Mobilitätsalternative etablieren.“

Um E-Scooter sinnvoll in den Mobilitätsmix zu integrieren, fordert der VCD in einem Hintergrundpapier zunächst einmal eine faire Umverteilung von Verkehrsflächen. Abstellplätze für E-Scooter gehören für den Verband auf die Straße und nicht auf den ohnehin schon schmalen Gehweg. Zusätzlich müssten Kontrollen eingeführt werden, die gewährleisten, dass Zufußgehende im Verkehrsraum nicht noch weiter verdrängt werden.

Das größte Potential von E-Scootern für die Verkehrswende liegt in ihrer Funktion als Verlängerung des ÖPNV, um von der Haltestelle zügig bis nach Hause zu gelangen. Hierfür ist jedoch eine sinnvolle Eingliederung in das Nahverkehrssystem wichtig. Dazu gehört die Errichtung fester Leihstationen an Haltestellen – und zwar nicht nur in der Innenstadt, sondern vor allem auch in ländlichen Gebieten und Randregionen, in denen bislang kaum ein Angebot besteht. Zudem müssen E-Scooter tariflich eingebunden werden, beispielsweise durch einfache Buchungsmöglichkeiten und verringerte Nutzungsgebühren für Fahrgäste des ÖPNV. So wird der ÖPNV in Kombination mit E-Scootern zu einer zeit- und kosteneffizienten Alternative zum Auto.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie in unserem Hintergrundpapier.


Für Fragen und Interviewwünsche:
Anne Fröhlich, Magdalena Reiner • VCD-Pressestelle • Telefon 030/280351-12 • presse@vcd.orgwww.vcd.org Twitter: @VCDeV 

 

Der ökologische Verkehrsclub VCD ist ein gemeinnütziger Umweltverband, der sich für eine umweltverträgliche, sichere und gesunde Mobilität einsetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen für ein mobiles Leben. Seit 1986 kämpft der VCD für ein gerechtes und zukunftsfähiges Miteinander zwischen allen Menschen auf der Straße – egal, ob sie zu Fuß, auf dem Rad, mit Bus und Bahn oder dem Auto unterwegs sind. Dafür arbeitet er vor Ort mit zwölf Landesverbänden und rund 140 Kreisverbänden und Ortsgruppen, bundesweit und europaweit vernetzt. Rund 55.000 Mitglieder, Spender und Aktivistinnen unterstützen die Arbeit des VCD für eine zukunftsfähige Mobilität.

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