CO2-Emissionen insgesamt gesunken – nur im Verkehr ist keine Trendwende in Sicht!

Laut der Jahresauswertung der Denkfabrik Agora Energiewende sind die Treibhausgasemissionen in Deutschland 2019 gegenüber 1990 insgesamt um 35 Prozent gesunken. Ganz anders sieht es im Verkehrsbereich aus: Dort stagniert der CO2-Ausstoß im gleichen Zeitraum. Im Vergleich zum Vorjahr ist er sogar leicht gestiegen.

Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Alle reden von der Verkehrswende, aber davon kann in Wirklichkeit keine Rede sein! Die CO2-Emissionen des Verkehrs bewegen sich noch immer auf dem Niveau von 1990. Auch die gerade beschlossenen Maßnahmen des Klimapakets der Bundesregierung werden nicht ausreichen, um die notwendige Trendwende einzuleiten. Die im Klimaschutzgesetz verankerten Einsparziele rücken damit in weite Ferne.

Die gerade veröffentlichten Pkw-Zulassungszahlen für das vergangene Jahr zeigen klar, wo das Problem liegt: Seit 1990 wurden - mit Ausnahme des Jahres 2009, in dem die Abwrackprämie den Autoabsatz hochschnellen ließ - noch nie so viele Autos neu zugelassen wie letztes Jahr.  Ausgerechnet SUV und Geländewagen feierten erneut den höchsten Zuwachs und stellen inzwischen jeden dritten Neuwagen. Alle Fortschritte durch sparsamere, effizientere Motoren werden so zunichte gemacht. Zwar haben auch die Zulassungen von E-Autos um drei Viertel zugelegt, die absoluten Zahlen jedoch sind nach wie vor auf niedrigem Niveau. Über 95 Prozent der Neuwagen werden weiterhin mit fossilen Kraftstoffen angetrieben, erneuerbare Energien spielen so gut wie keine Rolle.

Wenn wir die Verkehrswende wollen, müssen wir aufhören, immer größere und schwerere Autos zu kaufen! Die Zahl der Autos auf den Straßen muss verringert werden, und statt SUVs müssen effiziente Elektroautos auf die Straßen kommen. Das ist auch im Interesse der Autohersteller: Seit Jahresbeginn ist der neue verschärfte EU-Grenzwert für den CO2-Ausstoß in Kraft. Die Neuwagen eines Herstellers dürfen im Schnitt nicht mehr als 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Anderenfalls sind hohe Strafen fällig, die sich in Milliardenhöhe bewegen können.

Insgesamt brauchen wir aber ein generelles Umsteuern im Verkehr: Es müssen mehr Wege mit Bus und Bahn, mit dem Rad und zu Fuß zurückgelegt werden. Dafür braucht es attraktive Angebote und einen konsequenten, bedarfsgerechten Ausbau der Infrastruktur. Intelligente Lösungen sind auch im Güterverkehr gefragt. Das immer stärkere Wachstum des Lkw-Verkehrs ist ein wesentlicher Treiber der CO2-Emissionen. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.“


Pressekontakt:
Michael Müller-Görnert, VCD-Verkehrsexperte • Telefon 030/280351-19 • michael.mueller-goernert@vcd.org
Franziska Fischer, VCD-Pressesprecherin • Telefon 030/280351-12 • presse@vcd.org
www.vcd.org • Twitter: @VCDeV

 

Der ökologische Verkehrsclub VCD ist ein gemeinnütziger Umweltverband, der sich für eine umweltverträgliche, sichere und gesunde Mobilität einsetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen für ein mobiles Leben. Seit 1986 kämpft der VCD für ein gerechtes und zukunftsfähiges Miteinander zwischen allen Menschen auf der Straße – egal, ob sie zu Fuß, auf dem Rad, mit Bus und Bahn oder dem Auto unterwegs sind. Dafür arbeitet er vor Ort mit zwölf Landesverbänden und rund 140 Kreisverbänden und Ortsgruppen, bundesweit und europaweit vernetzt. Rund 55.000 Mitglieder, Spender und Aktivistinnen unterstützen die Arbeit des VCD für eine zukunftsfähige Mobilität.

 

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