Deutsche Bahn AG legt im Personenverkehr miserable Bilanz vor
Die Deutsche Bahn AG hat heute aus Sicht des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) im Personenverkehr eine miserable Bilanz vorgelegt: Rückgang der Personenkilometer im Jahr 2002 um über sechs Prozent gegenüber 2001 und erhebliche Umsatzeinbrüche im Fernverkehr im ersten Quartal 2003. Angesichts dieser Zahlen fordert der VCD weitere Konsequenzen, sowohl von der Konzernleitung als auch von der Politik. Nach der ersten Absenkung der Umtauschgebühren müsse das Bahnmanagement durch einfachere Bedingungen für Plan&Spar-Reisen, attraktive Angebote auf früheren InterRegio-Strecken und die Wiedereinführung einer BahnCard mit 50 Prozent Ermäßigung für mehr Attraktivität der Bahn sorgen. Der Bundesregierung empfiehlt der VCD, die für 2005 geplante Absenkung der Mehrwertsteuer auf Fernverkehrsfahrkarten auf sieben Prozent vorzuziehen und damit die Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsträgern zu Gunsten der Schiene zu beeinflussen.
Michael Gehrmann, VCD-Bundesvorsitzender: „Die Bilanz der Deutschen Bahn AG im Personenverkehr ist ein herber Rückschlag für die umweltschonende Schiene. Vor allem durch das neue Preissystem sind Stammkunden der Bahn aufs Auto umgestiegen, im Gegenzug konnten nicht genügend neue Bahnreisende gewonnen werden. Deshalb muss die Deutsche Bahn die Bedürfnisse der Kunden jetzt an oberste Stelle rücken, um mehr Menschen auf die Schiene zu locken. Aber auch die Politik ist gefragt, um das Staatsunternehmen attraktiver zu machen.“
Neben der konsequenten Umsetzung einer schienenfreundlichen Investitionspolitik, die die jahr-zehntelange Bevorzugung der Straße abmildere, sei die Fortführung der Bahnreform entscheidend für mehr Verkehr auf der Schiene. Nach Ansicht des VCD könne eine strikte Trennung zwischen Schieneninfrastruktur einerseits und Verkehrsbetrieb andererseits für mehr Wettbewerb und damit bessere Angebote für den Personen- und Güterverkehr auf der Schiene sorgen.
Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene gibt es nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Dafür ist die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Fernverkehrstickets ein entscheidender Schritt, denn sie macht Bahnfahren billiger und verringert praktische Hürden, wie zum Beispiel bei der Ausstellung eines Fahrscheins von Tür zu Tür. Aber auch mehr Wettbewerb auf der Schiene kann den Kunden zugute kommen.“
Der VCD mahnte die Deutsche Bahn AG, neben den notwendigen Veränderungen am Preissystem die Kürzungen beim Personal im Servicebereich zu stoppen. Am Schalter, im Zug und am Telefon entscheide sich, ob die Kunden gut bedient und informiert würden und so zu häufigeren Nutzern der Bahn würden. Deshalb dürfe der Konzern nicht mit Blick auf den Börsengang an der falschen Stelle sparen. Ebenso sei eine kundenorientierte Unternehmenspolitik gefragt, wenn es um Entschädigungen und Ersatzleistungen bei Ausfällen und Verspätungen gehe.
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