Deutschland verpasst Chancen im nachhaltigen Tourismus

VCD-Magazin fairkehr zeigt, wie Bundesregierung große Potenziale verkennt.

Der Tourismus in Deutschland boomt. Er macht inzwischen fast zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, indirekte Effekte wie Einkäufe am Urlaubsort eingerechnet. Über zwölf Prozent der Jobs hängen zudem direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Damit ist sein Beitrag zur deutschen Wirtschaft größer als der Beitrag der Automobilindustrie. Besonders viel Potenzial hat der nachhaltige Tourismus, denn dank regionaler Wirtschaftskreisläufe bleibt das erwirtschaftete Geld vor Ort, in der Region. Doch das Bundeswirtschaftsministerium, das auf Bundesebene für den Tourismus zuständig ist, verschläft gerade, dieses Potenzial auszuschöpfen. Das macht die aktuelle Ausgabe des VCD-Magazins fairkehr deutlich.

Mit der gezielten Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe ließen sich attraktive Arbeitsplätze schaffen. Ein elementarer Punkt in den ländlichen Regionen, die vielerorts mit dem demografischen Wandel zu kämpfen haben. Doch der aktuelle tourismuspolitische Bericht des Bundeswirtschaftsministerium schenkt dem Bereich Nachhaltigkeit gerade einmal eine halbe Seite Aufmerksamkeit. Das Bundesumweltministerium ist ein wenig engagierter. Es zeichnet in einem Wettbewerb vorbildliche Regionen aus und gibt einen praxisnahen Leitfaden, zur Gestaltung nachhaltiger Reiseangebote heraus. Doch die Förderung bleibt Stückwerk. Und so bleiben weiterhin von 100 Euro, die ein Feriengast ausgibt, nur durchschnittlich 36 Euro in der Region.

Neben regionalen Wirtschaftskreisläufen müsste die Bundesregierung gezielt zwei weitere Bereiche fördern, so das VCD-Magazin fairkehr: Erstens die energetische Sanierung von Unterkünften und zweitens klimaschonende Anreisemöglichkeiten.

Die Unterkünfte selbst sind aktuell für 28 Prozent der klimaschädigenden Emissionen im Deutschland-tourismus verantwortlich. Gezielte Umbauten könnten diesen Wert verringern und zusätzlich Kostenersparnisse erbringen. Das Steigenberger Hotel in Berlin zeigt beispielhaft, dass ökologische Umbaumaßnahmen die Übernachtung nicht teurer machen. Im Gegenteil, die Nobelherberge verbraucht heute weniger Strom und Heizwärme und spart so 163.000 Euro jährlich ein. Damit auch mittelständische oder Familienunternehmen sich einen Umbau leisten können, braucht es die Unterstützung durch den Staat.

Noch deutlicher sind die Einsparpotenziale bei der Anreise. Während in Deutschland zwei Drittel der klimaschädlichen Gase während der Anreise in den Urlaub ausgestoßen werden, sind es in der bahnfreundlichen Schweiz nur knapp die Hälfte. Und der Entwurf des Bundesverkehrswegeplan 2030 zeigt keine Trendwende. Die Bundesregierung will weiter in Straßen statt Schienen investieren.

Ungeachtet dessen stellt die fairkehr Regionen vor, die sich bereits allein auf den Weg gemacht und nachhaltige Tourismuskonzepte entwickelt haben. Das sind die Uckermark, die Nordseeinsel Juist und die Nationalparkregion Bayerischer Wald.

Mehr zum Thema, inklusive einem Interview zu Frage, wie nachhaltige Angebote erfolgreich kommuniziert werden, und einer zweiseitigen Infografik „Tourismus in Deutschland“, erfahren Sie in Ausgabe 3/2016 der fairkehr. Interessierten senden wir ein Rezensionsexemplar kostenfrei zu. Informationen auch unter <link http: www.fairkehr-magazin.de _blank>www.fairkehr-magazin.de.

 

Für Rückfragen: Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Fon 030/280351-12 • <link>presse@vcd.org

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