Die Rad-Gefahr „Toter Winkel“ – Sicherheitsproblem muss gelöst werden

VCD fordert bessere technische Ausstattung vor allem von Lkw - Bundesregierung muss verbindlichen Zeitrahmen vorgeben

Im vergangenen Jahr verunglückten in Deutschland 396 Fahrradfahrer tödlich, damit wurde ein neuer Negativrekord erreicht. Wie die heute veröffentlichte Studie des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) bestätigt, stieg der Anteil der tödlich verunglückten Radfahrenden in den letzten 10 Jahren um 50 Prozent. Besondere Gefahr besteht beim Abbiegen von Lkw, hier kommt es immer wieder zu den besonders schweren Unfällen mit dem geradeausfahrenden Radverkehr.

Der Radfahrer wird schlichtweg übersehen, das zeigte unter anderem der »VCD Städtecheck – Fahrradsicherheit«. Moderne Assistenzsysteme, die bereits seit Jahren in Entwicklung sind, könnten helfen, genau diese Unfälle zu vermeiden. Doch laut Herstellern fehlt bis heute ein serienreifes Modell, das gilt für Deutschland wie Europa. Ein Grund: der mangelnde politische Druck.

Angesichts dieser Lücken führte die Stadt London zum 1. September 2015 strengere Regeln zur Ausstattung von Lkw ein, um zumindest mit verbesserten Spiegeln und Seitenschutz die Sicherheit der immer zahlreicher werdenden Radfahrer zu erhöhen. Deutschland hingegen verweigert sich gesetzlicher Anpassungen. Das Verkehrsministerium begnügt sich stattdessen mit PR-Kampagnen wie „dankhelm“. Der ökologische Verkehrsclub VCD fordert ein Ende der Zurückhaltung und eine zielstrebige Umsetzung der »Vision Zero«.

Wasilis von Rauch, Mitglied im VCD-Bundesvorstand: „Die Bundesregierung muss endlich erkennen, dass es auch im Bereich Lkw-Ausstattung weiterer Maßnahmen bedarf, unnötige Unfälle zu vermeiden. Dazu gehören gesetzliche Verpflichtungen zur technischen Ausrüstung für alle Fahrzeuge, die aus heutiger Sicht ein unverantwortliches Sicherheitsrisiko darstellen.“

Wolfgang Aichinger, Referent für Verkehrspolitik beim VCD betont: „In Zeiten von Einparkassistenten, selbstfahrenden Lkw und Autos ist es unverständlich, dass in diesem für die Radverkehrssicherheit so wichtigen Bereich keine technischen Verbesserungen erreicht werden und diese nicht serienmäßig eingebaut sind.“ Die Verantwortung für Lkw-Abbiegeunfälle kann nicht allein bei den Verkehrsteilnehmern gesucht werden, denn diese Unfälle sind hauptsächlich Resultat von Regelungslücken. „Wir brauchen Gesetze, die einen verbindlichen Zeitplan für die Ausstattung von Lkw mit Fahrer-Assistenzsystemen bis 2020 vorsehen, die bei Gefahren automatisch abbremsen sowie Fahrerkabinen, die freie Sicht auf den seitlichen Verkehr zulassen“, so Aichinger.

Der Radverkehr ist heute in vielen Städten ein entscheidender Faktor, um städtische Mobilität und die Lebensqualität gleichzeitig voranzubringen. Der Bund hat die Verantwortung, einen sicheren Rahmen für das immer beliebter werdende Verkehrsmittel zu schaffen.

Aufgabe der Kommunen ist es wiederum, den derzeit bestehenden gesetzlichen Rahmen auszuschöpfen. Mit Umrüstung der städtischen Fahrzeuge oder dem konsequenten Entfernen von Falschparkern können sie als gutes Beispiel vorangehen.

 

Für Rückfragen und Interviews:

Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Fon 030/280351-12 • presse@vcd.org

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