Die Sperrung der Bahnstrecke bei Rastatt offenbart den jahrzehntelangen Mangel bei der Elektrifizierung und Streckenausbau

Der VCD fordert ein Elektrifizierungs- und Lückenschluss-Programm für das Eisenbahnnetz in Deutschland. Die Vollsperrung der Rheintalbahn zeigt die massiven Probleme im Schienengüterverkehr

Berlin, 30. August 2017. „Der Ausbau des Eisenbahnnetzes steht zwar in vielen Programmen, kommt aber kaum voran. Die Rheintalbahn in Baden-Württemberg ist dadurch zu einem Nadelöhr geworden“, sagt der baden-württembergische VCD-Bahnexperte Matthias Lieb. „Leistungsstarke Alternativen könnte es geben, wie zum Beispiel die Gäubahn – doch dort fehlt seit 70 Jahren das zweite Gleis.“

 Der Schienengüterverkehr findet nahezu vollständig elektrisch statt. Eine Oberleitung hat jedoch nur gut die Hälfte des deutschen Streckennetzes. Nebenstrecken sind damit für viele Züge unbefahrbar, obendrein fehlt oft ein zweites Gleis. So verläuft beispielweise die deutsch-französische Bahnstrecke von Wörth nach Straßburg parallel zur Rheintalbahn. Auf deutscher Seite ist sie jedoch eingleisig und kann daher nur wenige Züge aufnehmen.

 Philipp Kosok, verkehrspolitischer Referent beim VCD kritisiert: „Noch 2016 hat Bundesverkehrsminister Dobrindt Ausbauvorhaben aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen, mit der Begründung sie seien nur von regionaler Bedeutung. Rastatt macht auf bittere weise deutlich: Die Schiene ist ein europaweites Netz – und dieses Netz ist an seiner Belastungsgrenze angekommen.“

 Die Bundesregierung hatte der Schweiz versprochen, die Rheintalbahn rechtzeitig auszubauen und so die Verbindung zum Gotthard-Tunnel herzustellen. Das Versprechen hat Deutschland nicht gehalten und sorgt auch nicht für Alternativen zu den stark belasteten Trassen. „Nehmen dann einige Meter Gleise Schaden, leiden Fahrgäste, Industrie und Logistik in ganz Mitteleuropa massiv darunter“, sagt Kosok. „Ein kurzfristiges Elektrifizierungs- und Lückenschluss-Programm würde das Eisenbahnnetz robuster gegenüber Störungen machen. Andernfalls wandern die Güter auf tausende Lkws. Das kann niemand wollen.“ 

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