Diskrepanz zwischen Test- und Realverbrauch bei Pkw: Herstellerangaben bald nicht mehr als heiße Luft
Laut einer aktuellen Analyse von Transport & Environment (T&E) nimmt die Diskrepanz zwischen den offiziellen Herstellerangaben zum Kraftstoffverbrauch und den realen CO2-Emissionen von neuen Pkw immer mehr zu. Bis zum Jahr 2020 könnten die Abweichungen auf über 50 Prozent steigen. Aktuell liegen diese bei durchschnittlich 31 Prozent. 2001 betrugen die Abweichungen noch rund acht Prozent.
Ein besonders starker Anstieg ist seit 2008 zu beobachten, dem Jahr, in dem erstmals verbindliche CO2-Vorgaben für Pkw beschlossen wurden. Hersteller wurden in der Folge immer kreativer, ihre Testfahrzeuge auf niedrige Werte zu optimieren. Michael Müller-Görnert, Referent für Verkehrspolitik beim VCD: „Die Politik muss den Manipulationen durch die Hersteller endlich einen Riegel vorschieben. Es kann nicht sein, dass Autos die geltenden CO2-Grenzwerte überwiegend nur im Labor einhalten und nicht auf der Straße. Bereits heute ist rund die Hälfte der seit 2008 proklamierten Verbrauchseinsparung nicht mehr als heiße Luft.“
Bei der Höhe der Abweichungen gibt es von Hersteller zu Hersteller große Unterschiede. Unrühmlicher Spitzentrickser für das Jahr 2013 ist Mercedes. Dessen Neuwagen verbrauchen im Schnitt fast 40 Prozent mehr als offiziell angegeben. Aber auch BMW und Ford liegen mit etwa 33 Prozent über dem Durchschnitt. Auffällig ist zudem, dass mittlerweile alle Hersteller die Flexibilitäten, die ihnen geboten werden, ausreizen, allein um ihre Verbrauchsangaben zu schönen.
Den Täuschungen könnte Einhalt geboten werden. Michael Müller-Görnert: „Das neue Testverfahren WLTP, das bereits fertig entwickelt ist, wäre ein wichtiger Teil der Lösung, um realitätsnähere Verbrauchs- und CO2-Angaben zu erhalten. Die EU plant dieses bis 2017 einzuführen und wieder einmal läuft die Autoindustrie dagegen Sturm. Die Mitgliedsstaaten sollten sich jedoch nicht mehr durch die Hersteller beirren lassen, vor allem nicht, wenn sie Klima- und Verbraucherschutz wirklich ernst nehmen und die Abhängigkeit von den Ölimporten verringern wollen.“
Laut T&E-Analyse spart die Autoindustrie durch die Tricks bei der Ermittlung der Verbrauchswerte im Test rund sieben Mrd. Euro jährlich1 und dies auf Kosten der Autofahrerinnen und Autofahrer. Sie zahlen für die Tricksereien der Hersteller bezogen auf die Lebensdauer eines Fahrzeugs im Schnitt 2.800 Euro zusätzlich an der Zapfsäule. In der Summe entspricht das für alle neu zugelassenen Pkw in der EU rund 35 Millionen Euro pro Jahr.
„Verbraucher haben ein Anrecht auf verlässliche Angaben zum Spritverbrauch. Dies setzt voraus, dass die ermittelten Angaben für Vorproduktionsfahrzeuge auf Modelle in Kundenhand reproduzierbar sind. Erst jüngst wurden in den USA Hersteller für unkorrekte Angaben betraft. Ein entsprechendes Kontrollsystem mit verpflichtender Korrektur der Werte, benötigen wir auch in Europa“, fordert Müller-Görnert.
Die T&E-Analyse zum Download: <link http: transenv.eu>transenv.eu/1xejuQo
Rückfragen und Interviewwünsche:
Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Tel.: 030/280351-12 •<link> presse@vcd.org
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[1]Laut VW kostet jedes Gramm CO2, dass sie verringern müssen, den Konzern 100 Mill. Euro. Bei jährlich rund 3 Millionen verkauften VW in der EU entspricht dies im Schnitt etwa 30 € pro Gamm und Fahrzeug. Bis 2021 muss VW seine CO2-Emissionen noch um 35 g verringern, um den Grenzwert von 95 g/km einzuhalten. Dies entspricht 1050 € pro Auto. Da gegenwärtig nur etwa die Hälfte der CO2-Minderung durch tatsächliche Spritspartechnologien erzielt wird, sind die Kosten entsprechend niedriger. Hochgerechnete auf die gesamte Neuwagenflotte der EU von etwa 13 Mill. Fahrzeugen ergeben sich so rund 7 Mrd. € eingesparter Kosten.
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