Eine halbe Million SUVs jährlich - eine Million Elektroautos bis 2020
Elektromobilitäts-Gipfel: Bundesregierung und hochrangige Vertreter aus Autoindustrie, Forschung und Wissenschaft diskutieren über die Zukunft des Elektroautos. Dabei ist es nach wie vor das Ziel der Bundesregierung, eine Million E-Autos bis 2020 auf die Straße zu bringen. Die Realität vor den Konferenztüren sieht jedoch völlig anders aus. Die Sport Utility Vehicles, kurz SUVs, erleben einen ungebremsten Boom. Jährlich kommen mittlerweile mehr als eine halbe Million neuer spritsaufender, hochmotorisierter Geländewagen auf den Markt – Tendenz weiter steigend. Die Verkaufszahlen von E-Autos stagnieren hingegen.
Zunehmend werden die SUVs auch in den unteren Fahrzeugklassen angeboten, zu Preisen, die weit unter dem eines E-Autos liegen. Und der Gipfel der unrühmlichen Beispiele: Ausgerechnet ein SUV ist das mit Abstand meistverkaufte Elektrofahrzeug in Europa. Auf den Plug-In Mitsubishi Outlander entfallen fast 27 Prozent aller E-Autoverkäufe.
Werden E-Autos somit nur zur Kosmetik für ein ganz anderes profitables Geschäftsfeld? Dienen sie primär dazu, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß der hochmotorisierten Fahrzeugflotte zu senken?
Michael Ziesak, VCD-Bundesvorsitzender: „Wer auf Schloss Elmau hehre Ziele verkündet, muss auch liefern und die Autoindustrie mit in die Verantwortung nehmen. Für den Klimaschutz ist es letztlich nicht entscheidend, ob das Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen in 2020 erreicht wird. Entscheidender ist vielmehr, den Verkehr nachhaltig zu gestalten. Dafür müssen Pkw insgesamt effizienter werden – mit wenig Verbrauch und niedrigem CO2-Ausstoß.“
Der ökologische Verkehrsclub VCD appelliert an die Bundesregierung, endlich zu erkennen, dass die Energiewende die Verkehrswende braucht. Dazu gehört es auch, eigene Zielstellungen korrigieren zu können.
Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „In einer Hochgeschwindigkeitskultur mit niedrigen Energiepreisen und Emissionskosten haben E-Autos keine Chance. Die Autoindustrie muss endlich begreifen, dass sich mit Spritfressern keine Klimaschutzziele erreichen lassen. Wo sind die emotionalen Werbeanzeigen für klimaverträgliche Fahrzeuge? Wer diese stiefmütterlich behandelt, muss sich nicht wundern, dass sie zum Ladenhüter werden.“
Gleichzeitig muss die Politik endlich wirksame Anreize setzen, die den Absatz aller sparsamen Autos ankurbelt. Aus Sicht des VCD gehört dazu eine am CO2-Ausstoß ausgerichtete Dienstwagenbesteuerung, die einen Bonus für sparsame Pkw setzt. Dieser wird im Gegenzug über einen Malus für Fahrzeuge mit hohem Verbrauch und entsprechendem CO2-Ausstoß aufkommensneutral finanziert. Und es ist folgerichtig, die CO2-Vorgaben fortzuschreiben – schnell für die Zeit ab 2025. So kann ein weiterer Anreiz für CO2-ärmere Fahrzeuge gesetzt werden. Davon profitieren auch im verstärkten Maße Elektrofahrzeuge.
Kommt darüber hinaus ein milliardenschweres Förderprogramm für E-Autos, dann muss dieses zielgerichtet sein und nicht allein ausgerichtet auf das »Eine Million-Ziel«. Eine hohe Sonderabschreibung für E-Autos wäre nichts weiter als eine versteckte Kaufprämie, die wenig Lenkungswirkung hat. Denn wenn, wie angedacht, die Höhe der Förderung automatisch mit dem
Kaufpreis steigt, werden explizit teure Luxuslimousinen begünstigt und das veraltete Geschäftsmodell der Autoindustrie wird durch Steuersubventionen gestärkt. Für Firmen würde es sich finanziell rechnen, Plug-In-Hybride auch dann zu beschaffen, wenn diese Fahrzeuge überwiegend auf der Langstrecke unterwegs sind und somit nur selten elektrisch. Der VCD fordert die Politik auf, jede Förderung streng an die tatsächliche Entlastung für das Klima zu koppeln.
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