Ergebnisse der Fachtagung „Leise in die Zukunft“ in Bad Boll
Vertreter aus allen Bereichen der Fahrzeugindustrie unterstützen weitgehend Forderungen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zur Reduzierung von Verkehrslärm. Das ist das Ergebnis einer zweitätigen Fachtagung, die vor dem heutigen Internationalen Tag gegen Lärm in Bad Boll abgehalten wurde. Dort hatten sich auf Einladung der Evangelischen Akademie Bad Boll und des Verkehrsclub Deutschland (VCD) Fachleute aus Automobil-, Motorrad-, Schienenfahrzeug-, Flugzeug- und Straßenbauindustrie mit Vertretern aus Politik, Umweltverbänden, Verwaltung und Forschung getroffen und zwei Tage lang über Notwendigkeiten und Möglichkeiten zur Lärmreduzierung diskutiert.
„Es ist erfreulich, dass die Experten aller Couleur großen Handlungsbedarf in Sachen Lärmreduzierung sehen und ihre Bereitschaft bekundet haben, einen entsprechenden Beitrag dazu zu leisten. Jetzt erwarten wir sowohl von der Politik als auch von der Industrie, dass die entsprechenden Maßnahmen zügig angegangen werden“, resümiert Helmar Pless, VCD-Experte für Verkehrslärm, die Veranstaltung.
Nach der gemeinsamen Auffassung der Experten müssten einerseits mehr finanzielle Anreize für Lärmminderung wie Steuererhöhungen für laute Fahrzeuge oder lärmabhängige Trassenpreise auf der Schiene geschaffen werden. Andererseits würden EU-weite Grenzwerte für Fahrbahndecken und Schienenwege Anreize für die Reduzierung der Geräusche zwischen Reifen und Fahrbahn sowie Rad und Schiene schaffen. Außerdem sei eine bessere Überwachung existierender Lärmschutzvorschriften bei im Betrieb befindlichen Fahrzeugen notwendig. Auch in der Mobilitätserziehung und bei der allgemeinen Bewusstseinsbildung in Sachen lärmarmer Fahrweise sehen alle Lärmexperten noch großen Handlungsbedarf.
Auf der Veranstaltung unterstrichen Vertreter aus den Entwicklungsabteilungen von Porsche, BMW Motorrad, MTU (Flugzeugtriebwerke) und Bombardier Transportation (Schienenfahrzeuge), Continental AG (Reifen) und HeidelbergCement (Straßenbeläge), dass es noch enorme Lärmminderungspotentiale bei der Fahrzeugtechnik und den Fahrbahnoberflächen gebe. Die Industrievertreter mahnten allerdings gleichzeitig klare Zielvorstellungen und Zeitvorgaben seitens der Politik an, damit sich die Industrie darauf einstellen könne.
Der VCD fordert indes von der Industrie voranzugehen und die aufgezeigten Lärmminderungspotentiale zügig zu erschließen. Pless: „Nur zu lamentieren und ausschließlich auf den Gesetzgeber zu warten, hilft jetzt nicht weiter. Alle Beteiligen müssen aktiv werden, um dem Verkehrslärm Einhalt zu gebieten.“
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