EU-Regelung zum Reifendruck von Autos soll aufgeweicht werden
Die EU riskiert, die Verkehrssicherheit auf den Straßen zu verschlechtern und die Klimabelastung durch den Straßenverkehr zu erhöhen. Davor warnen der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) und seine europäische Dachorganisation Transport and Environment (T&E) anlässlich der morgen anstehenden Entscheidung zur Regelung des Reifendrucks von Pkw. Vor allem aufgrund der Einfluss-nahme von Deutschland und Schweden sollen niedrigere Standards zur Kontrolle des Reifendrucks innerhalb von Pkw durchgesetzt werden.
Michael Müller-Görnert, VCD-Verkehrsreferent: „Reifenprobleme sind für rund neun Prozent aller tödlichen Unfälle auf europäischen Autobahnen verantwortlich. Zu schwacher Reifendruck führt dazu, dass die Reifen schneller verschleißen. Zudem verbrauchen diese Autos mehr Sprit. Europaweit werden aufgrund des zu geringen Reifendrucks von Pkw jährlich 12 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich ausgestoßen. Deswegen benötigen wir dringend eine Regelung, die einen optimalen Reifendruck sicherstellt.“
Bei der Entscheidung geht es um eine neue EU-weite Regelung für Reifendruck-Kontrollsysteme, die bei neuen Pkw ab 2012 verpflichtend sein sollen. Morgen werden Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten und der Europäischen Kommission diskutieren, welches Kontrollsystem künftig in neue Autos eingebaut werden soll. Erheblicher Druck, minderwertige Kontrollsysteme einzuführen, kommt unter anderem von dem Hersteller Nira Dynamics, der zu 90 Prozent der deutschen Autofirma Audi gehört. Nira produziert billige „indirekte“ Reifendruck-Kontroll-Systeme, die Experten zufolge ungenauer, langsamer und damit weniger sicher sind als sogenannte direkte Systeme. Indirekte Kontrollsysteme messen die Reifenrotation und die Reifenvibration anstatt den Reifendruck an sich. Studien der UN bestätigen, dass die indirekten Kontroll-Systeme im besten Fall wirkungslos und im schlimmsten Fall gefährlich sind, da sie dem Fahrer ein falsches Gefühl der Sicherheit geben. Direkte Kontrollsysteme kosten derzeit etwa 25 Euro pro Fahrzeug, indirekte Systeme rund acht Euro.
Müller-Görnert: „Eine hochpräzise Technik, die leicht verfügbar ist, die Verkehrssicherheit erhöht und dazu beitragen kann, das Klima zu entlasten, darf nicht wegen ein paar Euro Mehrkosten zugunsten einer unsicheren Variante geopfert werden. Die Autoindustrie unterstützt mit Rückendeckung der deutschen und schwedischen Regierung einen Vorschlag, der zu Verkehrsunfällen führt und das Klima belastet. Die EU muss hart bleiben und durchsetzen, dass die lebensrettende Technologie in alle europaweit verkauften Neuwagen eingebaut wird.“
Ein englischsprachiges Hintergrundpapier zum Thema Reifendruck finden Sie unter <link reifendruck external-link-new-window>www.vcd.org/index.php?id=reifendruck
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