Fahrplanwechsel 2016/17: Kaum Grund zur Freude
Berlin, 9. Dezember 2016. Zum Fahrplanwechsel am kommenden Sonntag, den 11. Dezember 2016, wird Zugfahren nicht nur erneut teurer, auch das Angebot der Deutschen Bahn lässt Federn. So werden die Nachtzuglinien Hamburg–München–Innsbruck und Hamburg–Berlin–Zürich von nun an von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) angeboten. Der ökologische Verkehrsclub VCD freut sich, dass die ÖBB immerhin diese zwei wichtigen Verbindungen auf der Nord-Süd-Achse mit Schlaf- und Liegewagenkomfort übernommen hat.
Philipp Kosok, Referent für Verkehrspolitik beim VCD: „Es ist erfreulich, dass immerhin die erfahrene ÖBB ein Geschäft im Nachtzug durch Deutschland erkennt. Wenn Bundesverkehrsminister Dobrindt nicht jahrelang den steigenden Trassenpreisen tatenlos zugesehen hätte, dann würden wir heute jedoch nicht über die Rettung des Nachtzugs sprechen, sondern über zusätzliche Zugverbindungen.“
In den vergangenen Jahren hatte sich der VCD immer wieder für Verbesserungen im Nachtzugverkehr eingesetzt und Ideen für bessere Services und fahrgastfreundlichere Tarife entwickelt, was laut DB-Vorstand Berthold Huber, seit 2015 bereits zu einem Fahrgastzuwachs von 30 Prozent geführt hat. Umso größer ist das Unverständnis darüber, dass sich die DB AG von diesem Geschäftsfeld vollständig verabschiedet.
Neben dem unzureichenden Engagement der Deutschen Bahn, tatsächlich flächendeckend ein attraktives Fernverkehrsangebot bereitzustellen, sieht der VCD deutliche Versäumnisse bei der Bundesregierung. „Die Deutsche Bahn kann nur dann langfristig wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn die Politik die Weichen dafür stellt.“, betont Matthias Kurzeck, Mitglied im VCD Bundesvorstand.
Der VCD fordert darum die Bundesregierung und allen voran das Bundesverkehrsministerium auf, endlich eine aktive Bahnpolitik zu betreiben. Dazu gehören die Umsetzung des Deutschlandtaktes, mit dem zuverlässige Reiseketten entstehen, sowie die Halbierung der Trassenpreise für eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit. Diese Aufgaben dürfen nicht erneut hinter die Bundestagswahl verschoben werden.
Insbesondere stabile Trassenpreise sind für die Eisenbahnunternehmen, die ihr Angebot Jahre in die Zukunft planen müssen, unabdingbar. Das gilt explizit auch für den Nachtzugverkehr, damit sich Investitionen lohnen. Der Bund ist am Zug, ein deutsches beziehungsweise europäisches Nachtzugnetz zu definieren und durch ermäßigte Trassenpreise attraktive Voraussetzungen für Eisenbahnunternehmen zu schaffen.
„Mit dem Nachtzug lassen sich frühe Geschäftstermine in Hamburg, Berlin oder München ausgeruht erreichen. Das gleiche gilt für die frühen Urlaubszüge nach Italien in München oder nach Skandinavien in Hamburg. Damit ist der Nachtzug eine attraktive Alternative zum Billigflieger, ihn gilt es zu erhalten“, unterstreicht Matthias Kurzeck.
Für Rückfragen:
Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Fon 030/280351-12 • presse@vcd.org
vcd.org