Fünf Eckpunkte für ein ökologisch sinnvolles Ridesharing-Angebot: VCD zur Reform des Personenbeförderungsgesetzes

On-Demand-Ridesharing ist nur als Teil des ÖPNV eine Chance. Liberalisierung mit Augenmaß ist gefragt.

Berlin, 21.2.2019. Das Gesetz zur Personenbeförderung ist nicht mehr zeitgemäß. Neue Angebote wie On-Demand-Ridesharing – also ein Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) auf Bestellung – werden darin kaum behandelt. Die Modernisierung des Personenbeförderungsgesetzes, die die Bundesregierung nun angeht, ist aus Sicht des ökologischen Verkehrsclub VCD überfällig. Eine uneingeschränkte Marktöffnung für Sharing-Dienste ist aber weder notwendig noch hilfreich. Es braucht eine Liberalisierung mit Augenmaß, bei der die Kommunen die Planungshoheit über das Angebot der Ridesharing-Dienste besitzen.

Philipp Kosok, VCD-Sprecher für öffentliche Verkehrsmittel: „On-Demand-Ridesharing-Dienste dürfen keine Konkurrenz zum ÖPNV werden, sondern müssen Teil davon sein. Es hat sich in Deutschland bewährt, dass die Kommunen den ÖPNV planen. Sie haben den politischen Auftrag, für eine ausreichende Mobilität der Menschen zu sorgen, auch da, wo ein eigenwirtschaftlicher Betrieb nicht möglich ist. Mit dem Nahverkehrsplan entscheiden sie heute bereits in welchem Stadtteil wie viel Busse abfahren und wie häufig eine Straßenbahnlinie auch am Sonntag noch fahren muss. Künftig müssen Kommunen auch entscheiden dürfen, wo und wann Ridesharing-Dienste angeboten werden.“

Der VCD fordert die Bundesregierung auf, folgende fünf Eckpunkte in die Neufassung des Personenbeförderungsgesetzes aufzunehmen:

  1. Die Aufgabenträger des ÖPNV müssen die Leistungen, die mit On-Demand-Ridesharing erbracht werden sollen, beschreiben und vergeben. Sie sind es, die Bedienungsstandards im Nahverkehrsplan definieren und für eine fahrgastfreundliche Abstimmung mit dem bestehenden Bus- und Bahnangebot sorgen.
  2. Das Bedienungsgebiet der Sharing-Anbieter sollte beschränkt sein auf die durch den ÖPNV unzureichend bedienten Gebiete.
  3. Ridesharing-Dienste dürfen ausschließlich Pooling-Fahrten  anbieten – also Fahrten, bei denen mehrere Personen von unterschiedlichen Orten mitgenommen werden. Nur so kann eine möglichst kostengünstige und ökologisch nachhaltige Nutzung der Fahrzeuge gewährleistet werden.
  4. Ridesharing muss in den Tarif und in die Fahrgastinformation des ÖPNV integriert werden.
  5. Sozialdumping muss ausgeschlossen werden. Die Anforderungen an das Fahrpersonal müssen analog zum Taxi gestaltet werden.

Der VCD sieht großes Potential in den On-Demand-Diensten. Die Chance besteht darin, den bestehenden ÖPNV zu erweitern und den privaten Pkw-Verkehr zu verringern. Für Menschen außerhalb der Städte stellt der bestehende Nahverkehr bis heute oft keine ernsthafte Alternative zum eigenen Auto dar. On-Demand-Ridesharing könnte das Angebot zukünftig ergänzen und attraktiver machen. Linienbusse könnten zum Beispiel wichtige und stark frequentierte Hauptlinien in einem Landkreis bedienen, während Kleinbusse als Ridesharing-Dienst Lücken im Angebot schließen. Ridesharing kann als Zubringer zu diesen Hauptlinien, als Zubringer zu Bahnstationen oder auch mit einer Tür-zu-Tür-Bedienung funktionieren. In den Innenstädten von Metropolen ist der Bedarf jedoch gering. Dafür ist hier die Gefahr hoch, dass die Menschen vom ÖPNV auf die Sharing-Dienste umsteigen und so der Autoverkehr wächst, warnt der VCD.

Mehr Informationen

Weitere VCD-Informationen zum On-Demand-Ridesharing finden Sie hier: www.vcd.org/themen/oeffentlicher-personennahverkehr/modern-digital/

Eine VCD-Position zum On-Demand-Ridesharing finden Sie hier: www.vcd.org/fileadmin/user_upload/Redaktion/Themen/OEffentlicher_Personennahverkehr/modern_und_digital/Position_On-Demand-Ridesharing.pdf

Pressekontakt:
Almut Gaude • VCD-Pressesprecherin • Telefon 030/280351-12 • presse@vcd.org • www.vcd.org

Der ökologische Verkehrsclub VCD ist ein gemeinnütziger Umweltverband, der sich für eine umweltverträgliche, sichere und gesunde Mobilität einsetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen für ein mobiles Leben. Seit 1986 kämpft der VCD für ein gerechtes und zukunftsfähiges Miteinander zwischen allen Menschen auf der Straße – egal, ob sie zu Fuß, auf dem Rad, mit Bus und Bahn oder dem Auto unterwegs sind. Dafür arbeitet er vor Ort mit zwölf Landesverbänden und rund 140 Kreisverbänden und Ortsgruppen, bundesweit und europaweit vernetzt. Rund 55.000 Mitglieder, Spender und Aktivistinnen unterstützen die Arbeit des VCD für eine zukunftsfähige Mobilität.

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