Heute: Vorstellung des neuen Trassenpreissystems der DB Netz in Berlin
Das nun dritte Trassenpreissystem der DB AG seit der Bahnreform stößt auf heftige Kritik des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). " Insbesondere durch die Abschaffung der Mengenrabatte in Form der sogenannten "InfraCard“ würde jeder Anreiz für zusätzliche Züge und eine damit bessere Netzauslastung beseitigt. Statt dessen hätte die InfraCard für alle Bahnunternehmen zugänglich gemacht werden können. Offensichtlich wolle die DB jeglichen weiteren Vorwürfen der Diskriminierung zuvor kommen und den anderen Bahnunternehmen sowie den Ländern als Einkäufern des Schienennahverkehrs jegliche Anreize für eine bessere Auslastung vorenthalten. „Statt die Anreize für mehr Verkehr auf die Schiene auszubauen, unternimmt die DB AG alles, um neuen Bahnunternehmen mit neuen Zügen das Leben schwer zu machen. Das am Dienstag vorgestellte Trassenpreissystem ist das einfallsloseste System in der Geschichte der Trassenpreissysteme," so Felix Berschin, Bahnexperte des VCD.
Zudem machte der VCD Ungereimtheiten im neuen System aus. So kosten Taktzüge neu das 1,7fache dessen, was Züge in "freien Fahrplanlagen" kosten. Die höhere Belastung von Takten im Personenverkehr ist unverständlich, denn gerade Takte erlauben eine rationelle Infrastruktur bei vielen Zügen. Die höhere Belastung der Streckenkategorien Regional bis 50 bzw. Regional bis 100km/h stößt ebenfalls auf Kritik. Gerade im Hinblick auf das Konzept „Regent“ wolle die DB damit wohl demonstrieren, dass sie an diesen Strecken kein dauerhaftes Interesse hat.
Der VCD fordert den noch zuständigen Bund hier zu einem klaren Bekenntnis für das gesamte Streckennetz auf. „Es kann nicht sein, dass der Bund jährlich der DB Netz AG neun Mrd. DM überweist, und es nun im Belieben von DB Netz steht, welches Netz mit welcher Qualität herauskommt“, sagte Berschin. Auch das neue System führe keinesfalls zur gleichmäßigeren Streckenauslastung. So hat der VCD errechnet, dass es für einen Güterzug praktisch immer billiger ist, über eine Neubaustrecke zu fahren, weil diese deutlich kürzer sind und das neue Trassenpreissystem im Kern "Kopf mal Kilometer" belohnt.
Der VCD fordert Minister Bodewig auf, umgehend die Verantwortung für das Netz und die Trassenvermarktung zu übernehmen. Nach Ansicht des VCD könnte zum Beispiel im Schienennahverkehr durchaus das alte System mit InfraCard weitergeführt werden. Würde der Bund zukünftig die 2,6 Mrd. DM für die "InfraCard" direkt ins Schienennetz stecken, statt diesen Betrag an die Länder auszuschütten (Regionalisierungsmittel), könnten die Trassenpreise von derzeit knapp 7 DM auf unter 3 DM je Zugkilometer gesenkt werden. Damit wäre ein klarer Anreiz gegeben, mehr Züge zu bestellen.
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