Jetzt Tempo 30-Gebiete großflächig ausweisen
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat die morgen in Kraft tretende Neuregelung für Tempo 30-Zonen begrüßt. Die Änderung der Straßenverkehrsordnung sei eine „Chance für mehr Lebensqualität in den Städten“. Zwar habe sich die optimale Lösung - Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit abseits der Hauptstraßen - nicht durchgesetzt, doch würden die Entscheidungsmöglichkeiten der Städte und Gemeinden jetzt erheblich erweitert. Zudem werde die aufwendige Umgestaltung von Straßen durch Schwellen und „Blumenkübel“ künftig überflüssig.
Der Verkehrsclub appellierte an die Kommunen, die neuen Möglichkeiten zur Verbesserung der Wohnqualität in den Städten und Gemeinden zu nutzen. „Tempo 30 verringert die Zahl schwerer Unfälle und vermindert die Lärm- und Abgasbelastung für Anwohner deutlich“ sagte der VCD-Verkehrsexperte Gerd Lottsiepen in Berlin. Der VCD wies darauf hin, dass 1999 in Deutschland fast 50.000 Kinder bei Straßenverkehrsunfällen verunglückten. 317 Kinder starben. Alle 11 Minuten komme ein Kind im Straßenverkehr zu Schaden. Drei Viertel der Unfälle ereigneten sich innerhalb geschlossener Ortschaften. Zwei Drittel aller tödlichen Unfälle und schweren Verletzungen innerorts ließen sich mit Tempo 30 vermeiden.
Durch die Ausweisung großer Tempo 30-Gebiete würde neben dem Unfallrisiko die Lärmbelastung der Bevölkerung deutlich sinken. Tempo 30 senke den Lärmpegel um 3 dB(A), was das menschliche Ohr wie eine Halbierung der Verkehrsmenge wahrnimmt. Zwei Autos, die Tempo 30 fahren, seien so laut wie ein Wagen mit Tempo 50. Durch den zunehmenden Straßenlärm fühlten sich 70 Prozent der deutschen Bevölkerung belästigt. Zehn Millionen Bundesbürger müssen nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA) tagsüber einen Lärmpegel von über 65 dB(A) aushalten.
Der VCD fordert eine breit angelegte bundesweite Akzeptanzkampagne für langsamere Geschwindigkeit im Stadtverkehr. Die Gründe für die Änderung der Straßenverkehrsordnung müssten deutlich vermittelt werden. Außerdem seien die Vorteile von Tempo 30 für Kinder, Fußgänger und Fahrradfahrer stärker in die Fahr- und Fahrlehrerausbildung zu integrieren.
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