Kanzlerin Merkel vergibt Chance für politischen Neuanfang in der Autopolitik
Berlin, 14. September 2017. Der VCD begrüßt die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel an der deutschen Autoindustrie, vermisst aber ein deutliches Bekenntnis zu Taten und einem Umsteuern. Die Hersteller haben „Regelungslücken exzessiv ausgenutzt und Vertrauen zerstört“, sagt Merkel in ihrer Eröffnungsrede der IAA 2017. Merkel sagt jedoch kein Wort, wie sie die Autoindustrie zur Einhaltung der Grenzwerte für den Gesundheitsschutz bringen will. „Merkel lullt die Öffentlichkeit mit den seichten Abmachungen des Dieselgipfel ein und sagt ansonsten das, was allgemein bekannt ist: Dass die Autoindustrie Vertrauen zerstört habe“, kritisiert Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD.
Zehn Tage vor der Bundestagswahl vergibt Kanzlerin Merkel die Chance, einen deutlichen Neuanfang in der von Betrug belasteten Automobilbranche politisch anzustoßen. Merkel nickt die von der Autoindustrie angekündigten Software-Updates für Diesel-Pkw ab. Autoindustrie und VDA-Präsident Matthias Wissmann verbreiten auch bei der Eröffnung der IAA 2017 die Story, dass Software Updates die Stickoxid-Emissionen aus Diesel-Pkw um 25 bis 30 Prozent senken. Das ist nachweislich falsch. Die von den deutschen Autoherstellern angebotenen Software-Updates können die Stickoxid-Emissionen der gesamten Pkw-Flotte um drei bis sieben Prozent senken, hat das Umweltbundesamt errechnet. Eine Nachrüstung der Diesel-Pkw mit neuer Hardware ist daher erforderlich.
Der VCD ist auch enttäuscht von den Autoherstellern. Die angekündigte Transparenzoffensive setzt die Autoindustrie auf der ersten IAA nach Bekanntwerden des Abgasbetrugs nicht um. Bei keinem der Hersteller hat der VCD realistische Daten zum Spritverbrauch und zu den Schadstoffemissionen bekommen. Auch auf Nachfrage weigern sich die Autokonzerne die Real Drive Emissions aus Straßenmessungen herauszugeben. „Die Autoindustrie tanzt um das goldene Kalb und präsentiert noch größere und luxuriöse SUVs und PS-starke Sportwagen“, sagt Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD.
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