Langweilige Autoschau: Zu wenig Innovatives
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat die Internationale Automobilausstellung (IAA) als langweilige Autoschau bezeichnet. Das vergleichsweise geringe Interesse an der IAA in der Öffentlichkeit ist nicht nur auf die weltpolitische Lage nach den schrecklichen Anschlägen in den USA zu erklären sondern auch auf eine langweilige Präsentation von Allerweltstechnik. "Wirklich Neues ist auf der IAA kaum zu sehen, gefeiert werden glitzernde PS-Protze mit bis zu 1000 PS. Die heute vorhandenen Alternativen führen auf der Automesse eher ein Schattendasein," sagte VCD-Auto-Experte Gerd Lottsiepen. Auch Audi und VW stellen ihre Luxusmodelle stärker in den Vordergrund als ihre wirklichen Innovativen - die Drei-Liter-Autos: VW Lupo 3L und Audi A2 1.2 TDI.
Besonders enttäuschen DaimlerChrysler und BMW. Beide Hersteller malen eine rosige Wasserstoffzukunft, vernachlässigen aber heute vorhandene, effektive Alternativen. Sie setzten auf sehr unterschiedliche Konzepte: BMW arbeitet am Wasserstoff-Verbrennungsmotor, Mercedes an der Brennstoffzelle, die an Bord Strom erzeugt. Ökologisch sinnvoll sind beide Techniken nur dann, wenn Wasserstoff über den Einsatz von Sonnenenergie oder Windkraft gewonnen werden kann. Niemand weiß heute, ob und wann das bezahlbar zu realisieren ist. Nichts gegen die Vision von Fahrzeugen, die in 20 oder 30 Jahren mit solarem Wasserstoff fahren, aber nicht akzeptabel ist, dass BMW und Mercedes mit Verweis auf diese Zukunftstechnologie auf moderne Gegenwartstechnik verzichten. Sie bieten weder ein Erdgasfahrzeug noch einen Diesel-Pkw mit Partikelfilter an. Partikelfilter reduzieren die krebserregenden Rußpartikel aus Dieselmotoren praktisch auf Null. Bisher bieten weltweit nur zwei Hersteller Partikelfilter an: Citroen und Peugeot. Lottsiepen: "Es ist skandalös, dass Rußpartikel und Feinstäube die Gesundheit der Bevölkerung gefährden, obwohl preisgünstige Technik das verhindern kann."
Reale Innovationen auf der IAA sind in Halle 8 zu besichtigen: Die Sonderausstellung "Erdgasfahrzeuge" und der Partikelfilter von Peugeot. "Es ist zu begrüßen, dass Bundesumweltminister Jürgen Trittin bei seinem heutigen IAA-Besuch gezielt diese beiden Stände aufsuchte und die Vorteile von Erdgasantrieb und Partikelfilter für Gesundheit und Umwelt darstellte", so Lottsiepen. "Paradox ist, dass ausgerechnet Mercedes für das Pilotprojekt "Tausend Umwelttaxis für Berlin (TUT)" kein einziges Fahrzeug stellen kann."
Zukünftig sollten bei Neubeschaffungen von Taxis nur Erdgasfahrzeuge und Diesel-Pkw mit Partikelfilter in Frage kommen, fordert der VCD. Droschken, die ungefiltert gesundheitsgefährdende Partikel in die Atemluft blasen, seien Technik von gestern.
Rückfragen:
Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher
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