Mit Schienen zu mehr Wohlstand?

Schienenstrecken können Wirtschaft Auftrieb geben und Landflucht stoppen – VCD-Magazin fairkehr zeigt Beispiele auf

Wir brauchen Autobahnen für Wirtschaft und Wohlstand – mit diesem einfachen Argument gewinnt sehr oft der Straßenneubau. Doch wie sieht es mit der Schiene aus? Komplette Stilllegungen von Bahnverbindungen sind in vielen Regionen keine Seltenheit mehr. Ländliche Regionen werden förmlich abgehängt. Dabei kann eine attraktive Bahnanbindung ein entscheidender Wirtschaftsfaktor sein. Das zeigt das aktuelle VCD-Mitgliedermagazin fairkehr: Unternehmen siedeln sich an, Arbeitsplätze entstehen, Wohnungen werden gebaut, die Landflucht gestoppt.

Vorzeige-Stadt ist Montabaur: Täglich halten 40 ICE-Züge in der 12.000-Einwohner-Stadt auf der Fahrt zwischen Köln und Frankfurt – gut eine halbe Stunde vom Frankfurter Flughafen entfernt. Widersinnig? Auf keinen Fall. Mehr als zehn Jahre nach der Inbetriebnahme der Strecke bestätigt eine Studie der London School of Economics die positive Auswirkung des ICE-Halts auf dem Hochgeschwindigkeitsnetz. Das Bruttoinlandsprodukt Montabaurs liegt 2,7 Prozentüber dem gleichgroßer Städte. Grund sind neu entstandene Bürokomplexe, die zahlreiche Arbeitsplätze schafften, ein neues Wohngebiete, und der Ausbau eines Hotels mit Fortbildungszentrum. Diese Entwicklung führen Geografen allein auf den ICE-Halt zurück. Darüber hinaus konnte die Stadt die Einwohnerzahl auf stabilem Niveau halten, wogegen Städte im Umland ohne ICE-Anschluss gegen Abwanderung kämpfen.

Stadtbahnnetze im Nahverkehr können eine ähnlich positive Wirkung erzielen. Wenn sie auf Eisenbahntrassen fahren, können sie attraktive Großstädte mit den umliegenden kleineren Gemeinden verbinden. Solche Pilotprojekte gibt es bundesweit – von Chemnitz bis Saarbrücken. Die Stadtbahn im Karlsruher Umland fährt mehrmals in der Stunde bis – in die Nacht. Dabei sind die umliegenden Kleinstädte nicht, wie von Kritikern vermutet, verödet. Vielmehr entstand ein positiver Sog. Die Kleinstädte konnten ihre Einwohnerzahlen sowie Steuereinnahmen erhöhen.

Die Entscheidung, ob eine Bahnstrecke aus- oder neugebaut werden darf, fällt jedoch nicht in den Kommunen selbst. Beschlossen wird in Berlin. Mit Hilfe einer Kosten-Nutzen-Rechnung prüft das Verkehrsministerium, wie sinnvoll, wirtschaftlich oder nutzbringend eine Strecke ist. Was auf den ersten Blick vernünftig klingt, wird jedoch von vielen Experten kritisiert. Verkehrsberater Karlheinz Rößler: „Allein schon die verwendete Formel ist mathematisch-logisch falsch und produziert zum Teil unsinnige Ergebnisse. Wir haben den Eindruck, dass diese Art der Kosten-Nutzen-Analyse so viele Stellschrauben besitzt, dass man damit politisch gewünschte Verkehrsprojekte schönrechnen und nicht gewünschte schlechtrechnen kann.“

Mehr zu diesem und weiteren Themen, wie u.a. ein ausführlicher Bericht über die Fahrradmitnahme in der Bahn und dem Mobil sein im Alter, lesen Sie in der Ausgabe 01/2013 der VCD-Mitgliederzeitschrift fairkehr, dem Magazin für Umwelt, Verkehr und Reisen.
Interessierten senden wir ein Rezensionsexemplar gerne kostenfrei zu. Weitere Informationen auch unter <link http: www.fairkehr-magazin.de _blank>www.fairkehr-magazin.de

Rückfragen:
Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Fon 030/280351-12 • Fax -10 • <link>presse@vcd.org

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