Muss Wirtschaft immer wachsen?
Ein Land, das ein positives Wirtschaftswachstum vorweisen kann, ist ein erfolgreiches Land – darin sind sich Politiker, Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter nahezu uneingeschränkt einig. Aus diesem Grund wird in der Wirtschaftspolitik dem Wachstum alles andere untergeordnet: Hauptsache das Bruttoinlandsprodukt steigt. Doch die Preise für Konsumartikel sinken, und so muss immer mehr produziert und verkauft werden, damit die Wirtschaft wächst. Die neue Ausgabe des VCD-Magazins fairkehr nimmt diese Entwicklung zum Anlass, auf die Folgen für den Verkehr und das Klima zu schauen und stellt Alternativen zur reinen Wachstumslehre vor.
Egal ob Joghurtbecher oder Handy, alle Güter bestehen heute aus Komponenten und Rohstoffen, die in unterschiedlichsten Ländern hergestellt oder abgebaut werden. Die Rohstoffe, Halbfertigprodukte und die fertigen Güter müssen von einem Ort zum anderen transportiert werden. Wirtschaftlich ist das kein Problem, denn die Kosten für den Transport fallen kaum ins Gewicht. Zum Beispiel das Kleid aus Asien: Während die Kosten für die Verschiffung von Importwaren aus Übersee in den 1950er Jahren nicht selten 25 Prozent der Produktionskosten betrugen, schlägt die Reise des Kleides aus Asien nach Deutschland heute nur noch mit ein paar Cent zu Buche.
Der Verkehrsbedarf steigt dadurch enorm: Der Im- und Export von Waren auf dem Luftweg hat sich innerhalb der vergangenen 20 Jahre mehr als verdoppelt und der Gütertransport auf der Straße hat in Deutschland seit Mitte der 1990er Jahre um 60 Prozent zugenommen. Kein Wunder, dass der Verkehrssektor der einzige Bereich ist, in dem seit 1990 keine CO2-Emmissionen eingespart wurden. Denn trotz Maßnahmen zur Effizienzverbesserung fressen der zunehmende Straßen- und Luftverkehr die Erfolge der Effizienzsteigerung auf.
Und wie sehen die Lösungen aus? Neben der Politik, die Anreize setzen muss, dass Verkehr vermieden und verlagert wird,hängt vieles am Verbraucher: Statt mit dem Auto zum Einkaufszentrum auf der grünen Wiese zu fahren, mit dem Fahrrad zu Geschäften in der Nähe radeln. Statt Importprodukte, regionale Lebensmittel kaufen. Konsumgüter mit Nachbarn und Freunden teilen und sie so lange wie möglich nutzen. Diese im Zweifel reparieren statt neu kaufen.
Während Politik und Wirtschaft sich vor der Verantwortung drücken, dem Klimawandel etwas Ernsthaftes entgegenzusetzen, fangen Bürger schon mal damit an. Die fairkehr stellt Projekte vor, wie die solidarische Landwirtschaft, Repair-Cafés oder Essensretter-Restaurants. Und der VCD? Der setzt sich für eine Mobilität ein bei der vorhandene Verkehrsmittel sinnvoll kombiniert werden. In der aktuellen fairkehr werden Beispiele der VCD-Arbeit vorgestellt: Der ÖPNV-Check zeigt, wie der Nahverkehr mehr Menschen ansprechen kann. Und VCD-Experten geben Antworten zum Abgasskandal: Warum reagiert die Politik so zögerlich? Sind neben VW andere Autohersteller betroffen? Und was muss passieren, um realistische Abgastests zu gewährleisten?
Mehr zu diesen Themen, inkl. Infografik »Konsum – Was nützt, was nervt?« und einem Interview mit Wachstumskritiker Niko Paech, in der aktuellen fairkehr. Interessierten senden wir ein Rezensionsexemplar. Mehr Informationen auch unter <link http: www.fairkehr-magazin.de _blank>www.fairkehr-magazin.de.
Für Rückfragen: Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Fon 030/280351-12 • <link>presse@vcd.org
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