Neuer Bußgeldkatalog ist Tropfen auf den heißen Stein

Besseres Klima auf der Straße wird nicht allein durch Strafen erreicht

Auto- und Radfahrer, die gegen die Straßenverkehrsordnung (StVO) verstoßen, müssen ab kommender Woche tiefer in die Tasche greifen: Ab Montag, den 1. April, tritt der neue Bußgeldkatalog in Kraft, der erhöhte Verwarnungsgelder und Regelanpassungen für den Radverkehr vorsieht. Der ökologische Verkehrsclub VCD betont, Strafzahlungen können zwar dazu beitragen, dass sich Verkehrsteilnehmer stärker an Regeln halten, doch sind sie nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Um die Verkehrssicherheit tatsächlich zu erhöhen, bedarf es weitreichenderen Maßnahmen – vor allem eine Infrastruktur, die alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen berücksichtigt.

„Wer das Klima auf der Straße wirklich verbessern will, muss den steigenden Rad- und Fußverkehrsanteil akzeptieren und mit der Anpassung der Infrastruktur reagieren. Kritisieren und bestrafen alleine ändert das Verhalten nicht.“, so Anja Hänel, Referentin für Verkehrssicherheit beim VCD. Grundsätzlich positiv bewertet der VCD aber, dass ab April nicht nur Verstöße von Radfahrenden schärfer geahndet werden, sondern auch Delikte von Autofahrern, wie z.B. das unzulässige Parken auf Schutzstreifen für den Radverkehr.

Denn Fakt ist, es wird insgesamt enger auf unseren Straßen. Umso wichtiger ist es, dass sich alle Verkehrsteilnehmer an Regeln halten. Da die Infrastruktur in den Städten aber immer noch vorrangig auf das Auto ausgerichtet ist, haben Radfahrer und auch Fußgänger oft das Nachsehen. Berücksichtigt die Infrastruktur ihre Bedürfnisse nicht ausreichend, produziert das Regelverstöße, wie eine 2010 erschienene Studie der Unfallforschung der Versicherer zeigt. Werden Radfahrenden hingegen kurze, direkte Wege sowie ein guter Verkehrsfluss mit wenigen Stopps ermöglicht, halten sie sich eher an Regeln. Gleichzeitig wird es damit sicherer.

Einige Städte haben das Problem erkannt und schenken dem Radverkehr mittlerweile größere Aufmerksamkeit. In Oldenburg beispielsweise hat die Stadt gemeinsam mit Politik, Interessengruppen und der Polizei ein ganzes Maßnahmenbündel für den Radverkehr geschnürt. Nicht nur die Infrastruktur sondern auch der Kommunikations- und Servicebereich in punkto Fahrrad  wurde verbessert. Mit Erfolg: Laut »VCD Städtecheck 2011« wurde die Zahl der verunglückten Radfahrer im Zeitraum von 2005 bis 2010 um 6,3 Prozent reduziert.

Anja Hänel: „Neben der Anpassung der StVO an aktuelle Entwicklungen müssen insbesondere die Kommunen prüfen, inwieweit ihr Engagement im Bereich Radverkehr ausgebaut werden kann. Oft reichen schon wenige Maßnahmen, wie das Öffnen von Einbahnstraßen in beide Richtungen oder eine fahrradfreundliche Ampelschaltung, um Regelverstößen vorzubeugen und das Miteinander zu verbessern.“

Der Rund-Um-Blick ist letztlich wichtig. Und dabei ist klar: Nur wenn die Infrastruktur hilft, Konflikte zu vermeiden, kann sich das Klima auf der Straße verbessern.


Rückfragen und Interviewwünsche:

Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Fon 030/280351-12 • Fax -10 • <link>presse@vcd.org

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