Statistisches Bundesamt veröffentlicht Verkehrsopferzahlen 2005

Jeden Tag 15 Tote auf der Straße – Verkehrsminister Tiefensee hält Tempolimit dennoch für überflüssig

Anlässlich der heute vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Zahlen zu Verkehrsunfällen und –opfern kritisiert der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) Wolfgang Tiefensees gestrige Absage an ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen scharf. Der Bundesverkehrsminister verkenne die Realität, wenn er behaupte, ein Tempolimit bringe nichts für die Sicherheit. Immerhin kämen rund 12 Prozent aller im Verkehr Getöteten auf den Autobahnen ums Leben. Zu hohe Geschwindigkeit und extreme Geschwindigkeitsunterschiede spielten dabei in vielen Fällen eine maßgebliche Rolle.

Hermann-Josef Vogt, stellvertretender VCD-Bundesvorsitzender: „Auch der neue Verkehrsminister führt die Vogel-Strauß-Politik seiner Vorgänger fort und ignoriert sowohl die Anstrengungen der EU als auch positive Beispiele aus Nachbarländern beim Thema Verkehrssicherheit. Bei täglich 15 Toten und fast 1.200 Verletzten auf unseren Straßen sind alle denkbaren Maßnahmen zu ergreifen, um die Zahl der Verkehrstoten und Schwerverletzten so schnell wie möglich gegen Null zu bringen. Das Tempolimit auf Autobahnen ist eine davon.“

Deutschland sei immer noch das einzige Land weltweit, in dem keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen existiere. Dafür gebe es keine vernünftigen Gründe. Für ein Tempolimit sprächen hingegen jede Menge Argumente: mehr Sicherheit, besserer Verkehrsfluss sowie erhebliche Verbrauchsreduzierungen. Der VCD fordert daher die Einführung von maximal Tempo 120 auf Autobahnen in Deutschland.

Neben der verbesserten Sicherheit stehe ein generelles Tempolimit auch für den Klimaschutz ganz vorn auf der Agenda. Zum einen sinke der CO2-Ausstoß spürbar, da der Kraftstoffverbrauch von Pkw bei Geschwindigkeiten über 100 km/h überproportional ansteige. So ist laut Hersteller Ford der Verbrauch eines Pkw bei Höchstgeschwindigkeit bis zu doppelt so hoch wie bei dreiviertel der Höchstgeschwindigkeit. Zum anderen gebe es große indirekte Einspareffekte.

Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD: „Nur weil in Deutschland kein Tempolimit herrscht, werden weltweit alle Autos auf hohe Autobahngeschwindigkeiten von bis zu 250 km/h konstruiert – vom Klein- bis zum Geländewagen. Das bedeutet überdimensionierte Motoren und zu viel Gewicht am Fahrzeug und damit zwangsläufig hohe Spritverbräuche. Ein europa- und damit weltweites Tempolimit würde diese Ressourcenverschwendung mit einem Schlag obsolet machen. Für den Klimaschutz wäre damit eine Menge gewonnen.”

Über das Tempolimit hinaus fordert der VCD das Konzept »Vision Zero – Null Verkehrstote« für Deutschland. Es sei zwar erfreulich, dass die Zahl der im Verkehr Getöteten insgesamt weiter sinke. Doch die absolute Zahl von 5.362 Verkehrstoten im vergangenen Jahr so wie die kaum veränderte Anzahl an Verletzten von über 430.000 zeigten, wie dringend Deutschland endlich eine neue Verkehrssicherheitspolitik brauche. „Vision Zero bedeutet klare Reduktionsziele bei den Opferzahlen seitens der Politik und ein großes Maßnahmenpaket in Zusammenarbeit mit allen relevanten Akteuren. Andere Länder machen uns das schon vor“, erklärt VCD-Vize Vogt.

*Rückfragen:
Daniel Kluge, VCD-Pressesprecher
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