Straßenverkehr zu laut! Bund und Berlin sind gefordert
Verkehrslärm macht Menschen krank. In Deutschland sind allein durch den Straßenverkehr über 12 Millionen Menschen Lärmpegeln ausgesetzt, die Wissen-schaftler und Mediziner als eindeutig gesundheitsschädlich einstufen. Darauf machte heute in Berlin der Verkehrsclub Deutschland (VCD) anläßlich der Veranstaltung "Berlin, Deine lautesten Straßen" aufmerksam. Durch den zunehmenden Straßenlärm fühlen sich ca. 60 Prozent der deutschen Bevölkerung belästigt. "Verkehrslärm ist akustische Umweltverschmutzung und beeinträchtigt die Lebensqualität von 50 Millionen Menschen", sagte Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des VCD.
Zwölf Millionen Bundesbürger müssen nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes tagsüber einen krankmachenden Lärmpegel von über 65 dB(A) aushalten. In Berlin sind nach Informationen aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ca. 300.000 Menschen diesem unerträglichem Lärm ausgesetzt. Dauerbelastung durch Lärmstress kann zu akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Das Herzinfarktrisiko ist erhöht. Lottsiepen bezeichnete Verkehrslärm als die "schlimmste lokale Umweltplage", die nur in einer konzertierten Aktion aller Beteiligten zu lindern sei. Die Bundesre-gierung, die Kommunen, die Industrie und die Verkehrsteilnehmer seien gefragt. Die Städte könnten seit Februar dieses Jahres mit weniger Aufwand als früher mehr und größere Tempo 30-Zonen einrichten und sollten dies auch tun. Das menschliche Ohr nehme Tempo 30 wie eine Halbierung der Verkehrsmenge wahr. Auch auf Hauptstraßen könne, wie in Berlin erprobt, aus Lärmgründen die Geschwindigkeit auf 30 km/h reduziert werden. Berlin sollte häufiger die Möglichkleit nutzen, für Straßen nächtliche Lkw-Durchfahrverbote zu verordnen.
Von der Bundesregierung fordert der VCD endlich konkrete Maßnahmen, die auf wirksamen Gesundheitsschutz und die Verbesserung der Lebensqualität abzielen: Ein wirksames Verkehrslärmschutzgesetz, Grenzwerte für bestehende Straßen sowie Tempolimits und ein generelles Lkw-Nachtfahrverbot innerorts. Aber auch im Bereich des Schienen- und Luftverkehrs liegt dringender Handlungsbedarf vor. Für Schienenverkehrslärm müssen endlich Grenzwerte eingeführt werden. Außerdem warten Millionen von Flughafenanwohnern auf die von der Regierung versprochene Novellierung des Fluglärmgesetzes, das aus dem Jahr 1971 stammt.
Im Rahmen der Veranstaltung "Berlin, Deine lautesten Straßen" stellte der VCD seinen Lärm-Aktions-Koffer vor. Der Koffer enthält neben zahlreichen Informationen und Aktionstipps zum Themenfeld Lärm ein Lärmmessgerät. Mit diesem Messgerät können Bürgerinitiativen und lärmbelastete Personen den Verkehrslärm an neuralgischen Stellen messen und die Messergebnisse unmittelbar veranschaulichen. "Wir wollen lärmgeplagten Bürgern helfen, ihre Interessen durchzusetzen und ihren Protest zu bündeln. Lärmschutzpolitik muss Wahlkampfthema werden" sagte Lottsiepen bei der Präsentation des Lärmkoffers.
Rückfragen:
Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher
(030) 280 47 11 - 1
(030) 280 47 11 - 7
vcd.org