VCD Auto-Umweltliste 2003/2004: 364 Fahrzeuge im Umwelt-Check

Partikelfilter und Erdgasantrieb sind wegweisend / VCD fordert stärkere Anstrengungen beim Klimaschutz

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat heute in Berlin seine aktuelle Auto-Umweltliste vorgestellt. In dem deutschlandweit einzigartigen Umwelt-Check wurden 364 aktuelle Auto-Modelle auf ihre Umweltverträglichkeit hin überprüft. Entscheidende Kriterien sind die Menge des ausgestoßenen Treibhausgases CO2 sowie Lärm- und Schadstoffwerte. Wie im Vorjahr landete der VW Lupo 1,4 FSI, ein direkteinspritzender Benziner, auf dem ersten Platz der Top Ten. Doch das Wettrennen fiel denkbar knapp aus: Auf dem zweiten Platz folgt der Daihatsu Cuore 1.0 Plus, der fast die gleiche Punktzahl erreicht, und dabei schon für den halben Preis zu haben ist. Auf Platz drei schließt sich der Toyota Yaris 1.0 linea eco an.

Gerd Lottsiepen, VCD-Autoexperte: „Die Stars der VCD Auto-Umweltliste sind in diesem Jahr nicht die kleinen Pkw, die drei Liter Diesel oder fünf Liter Benzin verbrauchen. Bei diesen Fahrzeugen hat sich nicht viel getan. Die Stars sind innovative Familienautos, denn hier gibt es im Vergleich zum Vorjahr die größten Qualitätssprünge. Die beiden Newcomer, der Opel Astra 1.6 Caravan mit Erdgasantrieb und der Ford Focus C-MAX 1.6 TDCI mit Partikelfilter, gewinnen mit Abstand und setzen Maßstäbe.”

Beide Fahrzeuge überzeugten durch vergleichsweise geringen Spritverbrauch und wenig gesundheitsschädigende Abgase. Opel nutze bei Abgas und Lärm konsequent die Vorteile des Erdgasantriebs, Ford setze dagegen neue Maßstäbe in der Dieseltechnik. So sei der Focus C-MAX, der im Oktober auf den Markt kommt, als einer der ersten Diesel weltweit mit einem Partikelfilter ausgerüstet und halte gleichzeitig den Abgasgrenzwert Euro 4 ein. Die Drei-Liter-Autos, mit denen VW und Audi 1999 bis 2001 den Wettbewerb um das umweltschonendste Fahrzeug gewannen, seien beim Kraftstoffverbrauch zwar immer noch einsame Spitze, doch fehle den beiden Dieselmodellen der Partikelfilter.

Die langjährige Blockade der deutschen Autoindustrie gegen diese gesundheitsschützende Technik löse sich nun langsam auf und zunehmend würden Fahrzeuge mit Rußfilter angekündigt. Doch von der notwendigen Serienausstattung aller Dieselfahrzeuge mit dem Filter seien die Autohersteller noch weit entfernt. Technischen Schnickschnack gebe es dagegen zuhauf. „Ist es nicht zynisch, dass VW zwar ein Multifunktions-Lederlenkrad für 430 Euro anbietet, aber selbst für die IAA im September immer noch keinen Serien-Golf mit Partikelfilter produziert?“, fragt Lottsiepen. „Bei einer solchen Geschäftspolitik muss sich die Industrie die Frage gefallen lassen, wie viel Euro ihr ein paar Monate Menschenleben eigentlich wert sind.“

Nach Ansicht des VCD muss auch bei der Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs viel mehr passieren. Denn der Treibhauseffekt mache sich zunehmend bemerkbar und der Verkehr verursache immer noch viel zu viele Treibhausgase. René Waßmer, VCD-Bundesgeschäftsführer: „Die Wetterextreme der letzten Jahre – Unwetter, Überschwemmungen, Hitzewellen – zeigen, dass der Klimawandel längst begonnen hat. Um die dramatischen Folgen für Mensch und Natur in Grenzen zu halten, müssen wir die Anstrengungen für den Klimaschutz erheblich forcieren. Gerade im Verkehrsbereich gibt es dafür erheblichen Nachholbedarf.“

Das Klimaschutzziel der Bundesregierung sehe vor, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2005 im Vergleich zu 1990 insgesamt um ein Viertel zu senken. Statt dessen habe es im Verkehrsbereich die gegenteilige Entwicklung gege-ben. Hier liege die jährlich produzierte Kohlendioxidmenge derzeit rund zehn Prozent über dem Wert von 1990. „Die Politik der Bundesregierung ist in diesem Punkt ganz klar gescheitert“, resümiert VCD-Geschäftsführer Waßmer.

Nur mit Hilfe eines ganzen Maßnahmenpakets könne die Fehlentwicklung beim Verkehr umgekehrt werden. Dazu gehören nach Ansicht des VCD im wesentlichen die Fortführung der Ökosteuer auf nationaler Ebene, die Einführung eines europaweiten CO2-Grenzwertes für alle Fahrzeuge, eine stärkere Verlagerung des Gütertransports von der Straße auf die Schiene sowie die gezielte Förderung des Umweltverbundes aus Bus, Bahn, Fahrrad und Zu-Fuß-Gehen.

Waßmer: „EU und Bundesregierung verlassen sich zur Zeit viel zu sehr auf unverbindliche Selbstverpflichtungen der Autoindustrie mit wenig ehrgeizigen Zielen. Die Politik sollte sich vielmehr auf die Erfolgsgeschichte der Schadstoffgrenzwerte besinnen und schnell einen verbindlichen CO2-Grenzwert einführen.“

Damit würde die technische Innovation beschleunigt und die Energieeffizienz beim Auto deutlich gesteigert. Dass entsprechende politische Rahmenbedingungen einen positiven Einfluss auf die technische Entwicklung hätten, zeige sich in der aktuellen Auto-Umweltliste beispielsweise beim Thema Erdgas.

Der VCD sieht in seiner Auto-Umweltliste, die dieses Jahr bereits zum vierzehnten Mal erscheint, einen wichtigen Beitrag zu mehr Umweltverträglichkeit des Autoverkehrs. Sie zeige Verbraucherinnen und Verbrauchern, wie sie mit ihrer Entscheidung Einfluss auf die Produktpolitik der Hersteller nehmen könnten. Denn mit der Wahl eines umweltschonenden Fahrzeugs leisteten die Kunden nicht nur ihren eigenen Beitrag zur Schonung der Umwelt, sondern unterstützten gleichzeitig den Wettbewerb um die besten Zukunftstechniken bei den Autobauern.

Rückfragen:
Daniel Kluge, VCD-Pressesprecher
(030) 280 47 11 - 2
(030) 280 47 11 - 7

zurück