VCD fordert langfristig bezahlbare Mobilität statt weiterer Milliarden für billigeren Sprit

Angesichts der erneuten Debatte über staatliche Entlastungsmaßnahmen bei hohen Spritpreisen fordert der ökologische Verkehrsclub VCD einen Kurswechsel. Statt Milliarden in kurzfristige Preisspritzen zu stecken, braucht es Maßnahmen, die Mobilität für alle bezahlbar machen und die Abhängigkeit von Benzin und Diesel verringern.

Die Spritpreise erreichen erneut Rekordwerte und die Bundesregierung überbietet sich mit Vorschlägen, wie Autofahrende entlastet werden sollen. Dabei hat bereits der Tankrabatt eindeutig gezeigt, dass der Effekt gering und die Kosten hoch sind: 1,6 Milliarden Euro Steuergelder wurden 2026 in den Tankrabatt gepumpt. Während Autofahrende im Schnitt mit rund 25 Euro kaum entlastet wurden, haben Mineralölkonzerne profitiert. Daher fordert der ökologische Verkehrsclub VCD, Übergewinne der Konzerne zu begrenzen und gezielt Menschen mit niedrigem Einkommen zu entlasten.

Statt kurzfristiger und wenig wirksamer Ad-hoc-Maßnahmen plädiert der Verband für ein Maßnahmenpaket, das Mobilität bezahlbar macht und den Spritverbrauch langfristig senkt: „Attraktive Bus- und Bahnangebote oder Tempolimits dürfen nicht länger sträflich vernachlässigt werden. 1,6 Milliarden Euro müssen als Lehrgeld reichen: Statt weiterer teurer Maßnahmen ohne nachhaltigen Effekt braucht es jetzt Lösungen, die die Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen verringern. Gleichzeitig muss den hohen Profiten der Mineralölkonzerne zu Lasten der Verbraucher ein Riegel vorgeschoben werden“, so VCD-Bundesvorsitzende Christiane Rohleder.

„Als Sofortmaßnahme braucht es ein vergünstigtes Deutschlandticket, um junge Menschen und Geringverdienende zu entlasten, sowie Tempolimits. Bei einem Tempolimit von 120 km/h auf Autobahnen können Autofahrende je nach Geschwindigkeit einen halben bis über drei Liter Sprit pro 100 Kilometer sparen. Gleichzeitig muss der Wechsel zur Elektromobilität vorangetrieben werden. Dazu gehört auch, den Kauf gebrauchter E-Autos zu fördern. In puncto Nachhaltigkeit ist das äußerst unterstützenswert und kommt Menschen zugute, die sich trotz Förderung keinen Neuwagen leisten können“, erklärt Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des VCD. Alternativ zu einer Kaufprämie sei die Förderung in Form von Ladeguthaben sinnvoll. Das vermeide Mitnahmeeffekte und verringere die laufenden Kosten. Ausreichend Geld für ein Ladeguthaben stünde ebenfalls zur Verfügung – wenn Plug-in-Hybride aus der Kaufförderung gestrichen werden. 

Damit die Abhängigkeit vom eigenen Auto und von hohen Spritpreisen sinkt, müssen attraktive Bus- und Bahnangebote geschaffen werden – insbesondere auf dem Land. In Städten ist das Fahrrad für viele Strecken eine gute, gesunde und oft auch schnellere Alternative zum Auto. „Dem Radverkehr muss endlich mehr Platz eingeräumt werden. Sichere und durchgängige Radwege müssen politisch priorisiert werden, damit mehr Menschen ihre Wege gut und gerne ohne Auto zurücklegen können. Das Geld dafür wäre vorhanden, wenn ein Teil der Milliarden für den Aus- und Neubau von Straßen in den Ausbau nachhaltiger Mobilität fließen würde. Davon profitieren letztlich alle“, sagt Müller-Görnert.

zurück