Während DB AG auf Gewinneinbruch reagiert, lässt Bund Verantwortung für Bahnverkehr weiter vermissen
Auf der heutigen Pressekonferenz zur Halbjahresbilanz der Deutschen Bahn AG konnte Konzernchef Rüdiger Grube erstmals wieder ein leichtes Umsatzplus verkünden, dennoch sinken die Gewinne aus dem Güterverkehr weiter sowie auch die Fahrgastzahlen im Fernverkehr. Die DB AG beruhigt und reagiert mit einem umfangreichen Umbau des Unternehmens, als bereits zweite große Maßnahme nach der im März angekündigten Fernverkehrsoffensive.
Die negative Bilanz darf jedoch nicht nur bei der DB AG zu Veränderungen führen, sondern muss auch den Bund dazu bewegen, endlich seiner Verantwortung für den Bahnverkehr gerecht zu werden. Anstatt diese an ein profitorientiertes Unternehmen abzugeben, fordert der ökologische Verkehrsclub VCD die Bundesregierung auf, sich deutlich stärker für den Bahnverkehr einzusetzen.
Michael Ziesak, VCD-Bundesvorsitzender: „Die Bundesregierung muss den im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD angestrebten »Deutschland-Takt« endlich in den Mittelpunkt ihres Handelns rücken und ein verkehrspolitisches Konzept für einen attraktiven Fernverkehr auf der Schiene entwickeln und umsetzen. Kriterien müssen die Verknüpfung der Angebote des gesamten öffentlichen Verkehrs, einprägsame Taktfahrpläne, Fernverkehrsangebote in Tagesrandzeiten und an Wochenenden sowie die Anbindung der Mittelstädte und touristischen Regionen sein.“
Die positiven Erfahrungen im Schienenpersonennahverkehr können als Vorbild dienen. Der Ausschreibungswettbewerb durch die Bundesländer und die integralen Taktfahrpläne haben im Nahverkehr zu mehr Fahrgästen und einer Vielfalt von Nahverkehrsanbietern geführt. „Analog könnte der Bund auch die Leistungen im Schienenfernverkehr ausschreiben. Wenn dabei lukrative und weniger lukrative Verbindungen in einem Maßnahmenpaket gebündelt werden, ist eine breite Versorgung und ein attraktives Angebot sicher“,betont Michael Ziesak.
Darüber hinaus muss die Bundesregierung die Wettbewerbsnachteile der Schiene, unter denen der Fernverkehr und Güterverkehr leiden, abbauen. Während Bahnunternehmen für Trassen, auf denen sie unterwegs sind, Gebühren zahlen, nutzen Fernbusse und Autos die Straßen kostenfrei. Und auch Güterzüge sind trotz Lkw-Maut gegenüber dem Straßenverkehr schlechter gestellt: 2015 sanken die Mautsätze für Lkw, die sie immer noch nicht auf allen Straßen zahlen müssen. Gleichzeitig steigen die Trassenpreise für Züge weiter an. Hier sind deutliche Korrekturen zugunsten des umweltfreundlicheren Verkehrsträgers Schiene notwendig.
Wenn die Bundesregierung will, dass der Verkehrsbereich seinen Anteil zum Klimaschutz beiträgt, wird sie zudem nicht um mehr Investitionen in die Schieneninfrastruktur herum kommen. Nur dann kann die Verlagerung von der Schiene auf die Straße gestoppt werden. Priorität genießen müssen die Elektrifizierung von Bahnstrecken, der Ausbau von Bahnknoten und die Wiedererrichtungen von Neben- und Überholgleisen, damit sich Güter- und Personenverkehr nicht gegenseitig blockieren. So wird der Verkehrsträger Schiene im Allgemeinen profitieren und vielleicht auch die Bilanz der Deutschen Bahn AG bald wieder besser aussehen.
Für Rückfragen: Anja Smetanin, VCD-Pressesprecherin • Fon 030/280351-12 • presse@vcd.org
vcd.org