Weniger Züge machen Bahnverkehr nicht pünktlicher
In der angekündigten Taskforce sollen Bundes- und Länderbehörden, Gewerkschaften und die Deutsche Bahn Maßnahmen erarbeiten, die ab 2027 „erste Wirkungen entfalten“. Dieses bislang ohne Fahrgastverbände konzipierte Gremium soll sich unter anderem mit der „Optimierung des Angebots in hochbelasteten Knoten“ beschäftigen.
„Wir befürchten, dass der Ministeriumsauftrag zur ‚Angebotsoptimierung‘ auf die simple, aber in dieser Allgemeinheit falsche Logik ‚Mehr Pünktlichkeit durch weniger Züge‘ hinausläuft. Mehr Züge auf dem Schienennetz bedeuten nicht zwingend weniger Pünktlichkeit, wie die Schweiz, die Niederlande, Dänemark und Österreich mit ihrer höheren Auslastung beweisen“, sagte Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Dirk Flege.
„Das Bahnnetz ist hochbelastet; die Züge sind zu den kritischen Zeiten aber ebenfalls voll. Gezielte Fahrzeitreserven entzerren den Fahrplan, ohne weite Fahrten übermäßig zu verlängern. Keinesfalls darf als Schnellschuss das Angebot für die Kunden reduziert werden, insbesondere im Flächennetz“, ergänzte Matthias Kurzeck, VCD-Bundesvorsitzender. „Wir Fahrgastverbände wollen die Taskforce konstruktiv begleiten“.
„Die Bahnreisenden wollen mehr und nicht weniger Bahnverkehr. Und parallel muss sich die Qualität und Zuverlässigkeit verbessern, indem das Netz saniert, Verspätungsursachen wie Türstörungen reduziert und komplexe Betriebsverfahren wie Zugflügelungen nur gezielt eingesetzt werden. Diesen vorwärtsgewandten Ansatz fordern wir vom Ministerium ein. Eine Schrumpfbahn führt nicht zu zufriedenen Kunden auf der Schiene. Die Interessen der Fahrgäste müssen auch eine Stimme in der Ministeriums-Taskforce bekommen“, sagte Professor Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes PRO BAHN.
Zum Hintergrund: Auf Seite 31 der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ heißt es ohne Nennung von Kunden bzw. Fahrgastvertretern: „Hierzu ruft das BMV die befristete Taskforce ‚Zuverlässige Bahn‘ ins Leben und bringt Bund, Länder, EVUs, das EBA, die Bundesnetzagentur, Aufgabenträger, Gewerkschaften sowie die DB InfraGO AG an einen Tisch. Der Bund gibt damit den Startschuss zur Aktivierung des gesamten Sektors.“

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