Zug der Erinnerung
Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) hat sich in einem offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Dr. Hartmut Mehdorn, gewandt und ihn aufgefordert, die vorbildliche Initiative zum Gedenken an die Opfer des Naziregimes zu unterstützen. Im Folgenden lesen Sie den Brief im Wortlaut:
Deutsche Bahn AG
Dr. Hartmut Mehdorn
Stephensonstraße 1
60326 Frankfurt am Main
Berlin, 15. April 2008
"Zug der Erinnerung" in Berlin
Sehr geehrter Herr Dr. Mehdorn,
der "Zug der Erinnerung" ist eine Ausstellung, die sich in besonderer Weise dem Thema der Deportationen im "Dritten Reich" widmet. Dargestellt werden in dem "rollenden" Ausstellungszug, ausgewählte Einzelschicksale von Kindern und Jugendlichen, die mit der Reichsbahn in den Tod fuhren.
Der Verkehrsclub Deutschland e.V. (VCD) begrüßt und unterstützt dieses in vielfacher Hinsicht vorbildhafte Projekt. Entstanden aus zivilgesellschaftlichen Initiativen, kann der "Zug der Erinnerung" als Modell dienen, wie Erinnerung und geschichtliche Reflektion nicht lediglich "von oben" verordnet, sondern "von unten" befruchtet wird. Zugleich bietet es gerade für jüngere Generationen eine pädagogisch wertvolle Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der NS-Terrorherrschaft.
Wir bedauern es sehr, dass die Deutsche Bahn AG zu einer Unterstützung dieses Projektes nicht bereit ist, im Gegenteil. In Berlin verweigern Sie dem Zug die Wunschhaltestelle Hauptbahnhof aus betriebstechnischen Gründen, obwohl Sie sicher wissen, dass der ehemalige Lehrter Bahnhof einer der Berliner Bahnhöfe war, von dem aus die Deportationen starteten. Die Einnahmen aus Trassenentgelten und Stationspreisen, die Sie durch die Reise des privaten Gedenkzugs erzielen, wollen Sie höchstens einer "jüdischen" Stiftung spenden, keinesfalls aber dem "nichtjüdischen" Trägerverein.
Der VCD hätte erwartet, dass sich die Deutsche Bahn AG ihrer eigenen Geschichte und historischen Verantwortung stellt. Mit Ihrem jetzigen Verhalten vermitteln Sie allerdings den Eindruck, als wollten Sie an die eigene Beteiligung Ihres Unternehmens bei den millionenfachen Deportationen von Menschen in Zügen der Reichsbahn während der Nazizeit nicht erinnert werden.
Wir fordern Sie auf, der Initiative "Zug der Erinnerung" den zur Verfügung stehenden Betrag von 100.000 Euro für die anfallenden Trassen- und Stationsentgelte zu spenden. Statt die Initiative "Zug der Erinnerung" zu behindern, sollte die Deutsche Bahn Holding endlich das große Engagement der vielen beteiligten Bürgerinitiativen würdigen und ihren Beitrag zu dieser besonderen Form des Erinnerns leisten.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Gehrmann
VCD-Bundesvorsitzender
René Waßmer
VCD-Bundesgeschäftsführer
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