Zum Brandbrief des Bahn-Chefs Lutz: „Hilferuf an Bundesregierung“

Berlin/Stuttgart, 10.09.2018. In einem konzerninternen „Brandbrief“ wendet sich der Chef der Deutschen Bahn Richard Lutz an seine Führungskräfte. Darin warnt er seine Kollegen vor der „schwierigen Situation“ der Bahn und ruft zu einem Ausgabenstopp auf. Der ökologische Verkehrsclub kommentiert das Schreiben wie folgt:

Philipp Kosok, VCD-Bahnexperte: „Ist der vermeintlich konzerninterne Brandbrief von DB-Chef Lutz nicht doch ein für die Öffentlichkeit bestimmter Hilferuf an die Bundesregierung? Die Bundesregierung spricht zwar von einer Verkehrsverlagerung auf die Schiene. Tatsächlich verzichtet sie bei Urlaubsflügen weiterhin auf eine Kerosin- oder Mehrwertsteuer und legalisiert Gigaliner auf der Autobahn. So eine Politik setzt natürlich das staatseigene Bahnunternehmen enorm unter Druck. Wenn die Bundesregierung es mit der Verkehrsverlagerung auf die Schiene ernst meint, muss sie faire Wettbewerbsbedingungen zwischen den Verkehrsmitteln schaffen.“

Matthias Lieb, Vorsitzender des VCD Landesverband Baden-Württemberg: „Wenn jetzt am falschen Ende gespart wird, könnte der Bahnkonzern noch tiefer in die Krise fallen. Anstatt bei der Modernisierung von Fahrzeugen und dem Streckennetz, sollte bei Milliardenprojekten wie Stuttgart 21 gespart werden. Die ungedeckten Mehrkosten von rund vier Milliarden Euro dieses politisch gewollten Projektes muss derzeit die Deutsche Bahn schultern. Die Verantwortung trägt aber die Bundesregierung. Deshalb müsste sie für die Mehrkosten aufkommen. Der VCD hat bereits im Sommer bei einer Anhörung im Bundestag Vorschläge unterbreitet, wie bei Stuttgart 21 noch immer sinnvoll gespart werden kann, ohne das Vorhaben komplett abzubrechen. Auf den geplanten unterirdischen Fernbahnhof am Stuttgarter Flughafen kann man problemlos verzichten – zugunsten einer Lösung wie in Düsseldorf. So ließe sich in den nächsten Jahren rund eine dreiviertel Milliarde Euro einsparen.“

Zu den Einsparungsvorschlägen des VCD bei Stuttgart 21: https://bw.vcd.org/service/presse/news/stuttgart-21-neu-ausrichten-statt-stoppen-vcd-legt-vier-massnahmen-vor-um-milliardenprojekt-zu-retten        

Pressekontakt:
Philipp Kosok, VCD-Bahnexperte • Fon 030/280351-36 • philipp.kosok@vcd.org bzw. Lisa Feitsch, VCD-Pressevolontärin • Fon 030/280351-18 • presse@vcd.orgwww.vcd.org • Twitter: @VCDeV

Der ökologische Verkehrsclub VCD ist ein gemeinnütziger Umweltverband, der sich für eine umweltverträgliche, sichere und gesunde Mobilität einsetzt. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit seinen Bedürfnissen und Wünschen für ein mobiles Leben. Seit 1986 kämpft der VCD für ein gerechtes und zukunftsfähiges Miteinander zwischen allen Menschen auf der Straße – egal, ob sie zu Fuß, auf dem Rad, mit Bus und Bahn oder dem Auto unterwegs sind. Dafür arbeitet er vor Ort mit zwölf Landesverbänden und rund 140 Kreisverbänden und Ortsgruppen, bundesweit und europaweit vernetzt. Rund 55.000 Mitglieder, Spender und Aktivistinnen unterstützen die Arbeit des VCD für eine zukunftsfähige Mobilität.

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