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Pop-up Bike-Lanes als Antwort auf fehlende Impulse im Konjunkturpaket

Gerade in der Corona-Krise erlebt das krisenfeste Fahrrad einen enormen Boom. Was schon lange vor der Pandemie an vielen Stellen fehlt, ist eine sichere und gut ausgebaute Infrastruktur für den zunehmenden Radverkehr.

Denn der geforderte Mindestabstand von 1,50 Meter ist nicht nur aktuell essentiell um eine Infektion mit dem Corona-Virus zu vermeiden, sondern dieser Sicherheitsabstand ist auch in der StVO (für das Überholen innerorts) verankert und dient generell dem Schutz und Sicherheitsbedürfnis von Radfahrenden.

Das brauchen sie auch. Denn in vielen Städten ist Radfahren grundsätzlich auch eine Frage des Mutes. Der Tagesspiegel hat 2018 5.000 Menschen in Berlin befragt und herausgefunden: 90 Prozent haben Angst vor dichtem Überholen und 57 Prozent sind die Radwege zu schmal, um sich sicher genug zu fühlen. Das macht deutlich, wie wichtig eine sichere Infrastruktur für Radfahrende ist.

Pop-Up Bike-Lanes als schnelle Reaktion auf die Bedürfnisse von Radfahrer*innen

Mit der Corona-Pandemie haben örtliche Behörden auf der ganzen Welt schnell und unbürokratisch mit entschärfenden Maßnahmen darauf reagiert: mit so genannten Pop-Up Bike-Lanes. In Deutschland machte der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin den Anfang und schaffte quasi über Nacht mit Bodenmarkierungen zehn Kilometer neue Radwege. Diese temporären Radfahrstreifen sorgen für mehr Platz zum Radfahren, da viele Menschen in der Corona-Krise von Bus und Bahn aufs Rad umgestiegen sind.

Vor diesem Hintergrund ist es fast schon ein Skandal, dass das riesige Konjunkturpaket der Bundesregierung komplett die gezielte Förderung des Radverkehrs ignoriert.

Die Pop-Up Bike-Lanes sind vorerst als temporäre Maßnahme gedacht und vielerorts ist eine Verstetigung dieses Provisoriums für eine nachhaltige Verkehrswende unerlässlich. So oder so liefern Pop-Up-Bike-Lanes einen wichtigen Impuls für die Akzeptanz und die Notwendigkeit einer gerechteren Verteilung des Straßenraums liefern und sind ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu mehr und sicheren Radwegen sein.

Damit sind wir mitten in der Diskussion, wie wir in unseren Städten leben und unterwegs sein wollen: mit weniger Autos in einer menschengerechten Stadt.

Erobern wir uns jetzt mit Pop-Up Bike-Lanes die Straße zurück!

Wie genau das funktioniert, was man beachten muss und welche Schritte zu berücksichtigen sind – dazu finden sie auf unserer Plattform strasse-zurueckzuerobern.de eine Anleitung.

Nicole Knaup

ist beim VCD für die Kommunikation und das Marketing verantwortlich und fährt leidenschaftlich gern mit dem Rad durch Berlin.
nicole.knaup@vcd.org

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