Dienstwagensteuer

Klimaschutz durch CO2-basierte Dienstwagenbesteuerung

64 % – Der Anteil gewerblicher Pkw-Neuzulassungen in Deutschland ist so hoch wie nie. Das belastet Steuerzahler/innen, ist unsozial und schädlich für die Umwelt, denn: Dienstwagen sind steuerprivilegiert, meist hoch motorisiert, verbrauchen viel Sprit und haben einen entsprechend hohen CO2-Ausstoß.

Geschäftsmann in der Rush hour
Quelle: ambrozinio/fotolia

Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) wurden im Jahr 2014 3,04 Millionen Pkw in Deutschland neu zugelassen, 64 Prozent davon von gewerblichen Haltern. Größte Gruppe innerhalb der gewerblichen Halter sind Firmenfuhrparks, die rund ein Drittel aller Neuzulassungen auf sich vereinen. Zahlreichen Angestellten wird ein Firmen- bzw. Dienstwagen als Gehaltsbestandteil oder Motivationsinstrument zur Verfügung gestellt.  Den geldwerten Vorteil müssen sie monatlich mit einem Prozent des Listenpreises versteuern. Die aktuelle Regelung zur Dienstwagenbesteuerung in Deutschland bietet starke finanzielle Anreize, hochmotorisierte Modelle als Dienstwagen zu nutzen. Solche Fahrzeuge verbrauchen überdurchschnittlich viel Kraftstoff und stoßen entsprechend große Mengen an Treibhausgasen aus. Daneben entgehen dem Staat durch diese Regelung laut einer Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums jährlich bis zu 4,6 Milliarden Euro an Lohnsteuer und Sozialbeiträgen. So spart ein Dienstwagenfahrer im Vergleich zum Privatkauf eine Menge Geld.

Die Haltedauer von Dienstwagen in einem Unternehmen liegt durchschnittlich bei drei bis vier Jahren, anschließend werden die Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt weiterverkauft. Da die durchschnittliche Nutzungsdauer eines Pkw etwa zwölf Jahre beträgt, bestimmen die hochmotorisierten Dienstwagen das Gebrauchtwagenangebot über einen langen Zeitraum. Daher ist es besonders wichtig, schon beim ersten Eingang der Fahrzeuge in den Markt steuernd einzugreifen und sparsame Pkw zu fördern.

Wenn die Bundesregierung ihre klimapolitischen Ziele im Verkehrssektor erreichen will, ist es aus Sicht des VCD dringend notwendig, durch eine CO2-basierte Dienstwagenbesteuerung gezielt den Erwerb sparsamer Pkw zu fördern. Der VCD fordert deshalb neben weiteren Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Verkehr eine Reform der Dienstwagenbesteuerung in Anlehnung an das britische Modell.

Großbritannien steuert die Dienstwagenpolitik der Unternehmen über die Nachfrage der Angestellten. Die Zielgruppe dieses Ansatzes sind also Angestellte und Selbständige, die einen Dienstwagen nutzen. Das Prinzip: je geringer der CO2-Ausstoß des Dienstwagens, desto geringer die Steuern für den Autonutzer. Dadurch hat sich in Großbritannien die Nachfrage nach sparsameren Fahrzeugen deutlich erhöht und der CO2-Ausstoß der britischen Dienstwagenflotte verringert. Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt nahm die Nachfrage nach spritsparenden Modellen zu.

Eine CO2-basierte Dienstwagensteuer rechnet sich für Unternehmen und Angestellte gleichermaßen: neben dem geringeren Steuerbetrag profitieren sie von niedrigeren Spritkosten - außerdem werden so auch oftmals teurere Hybrid- oder Erdgasfahrzeuge attraktiv. Bei Elektroautos wurden bereits in der jetzigen Regelung steuerliche Vorteile bei der Abschreibung des geldwerten Vorteils eingeräumt, die sich an der Batteriekapazität orientieren. Im Auswahlmenü rechts kann die Stellungnahme des VCD zur Dienstwagenbesteuerung heruntergeladen werden.

Gerd Lottsiepen

Verkehrspolitischer Sprecher
Fon 030/28 03 51-11
gerd.lottsiepen@vcd.org