eTicket RMV Rhein-Main

eTicket Rhein-Main – Eine Mobilitätskarte für viele Verkehrsmittel

Die Mobilitätskarte speichert Zeitfahrkarten des öffentlichen Verkehrs und kann zusätzlich als Zugangsberechtigung für Carsharing- und Bikesharing-Fahrzeugen, Pedelecs und Elektroautos genutzt werden. Zahlreiche Kooperationspartner bieten vergünstige Konditionen für eTicket-Inhaber/innen an.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) ist einer der größten Verkehrsverbünde Deutschlands. Seine Aufgabe ist die Koordination und die Organisation des regionalen Bus- und Bahnverkehrs auf 2/3 der Fläche des Bundeslandes Hessen. Gesellschafter des Verbundes sind  das Land Hessen, 15 Landkreise und 11 Städte. Der RMV fungiert als Leistungsbesteller und als Moderator zwischen der politischen Ebene und den Verkehrsbetrieben als Leistungserbringer. Ca. 5 Millionen Menschen leben im Verbundgebiet, die täglich 2,5 Mio. Fahrten im ÖPNV absolvieren.

2012 wurde mit der Einführung des eTicket RheinMain ein wichtiger Meilenstein zur Digitalisierung der Fahrkarten erreicht. Später wurde die Nutzung des eTickets als Mobilitätskarte für das Verbundgebiet und teilweise darüber hinaus ermöglicht (z.B. bundesweit Flinkster), um möglichst viele  Verkehrsdienstleistungen mit einer Karte zugänglich zu machen. Die Chipkarte dient sowohl als Träger der RMV-Zeitkarten als auch als Zugangskarte zu den Sharing-Angeboten. Darüber hinaus gelten bei vielen Partnern günstigere Konditionen für alle Zeitkartenbesitzer/innen. Die Chipkarte als Trägermedium des eTicket RheinMain ist kostenlos erhältlich.

Der RMV ist stark im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) engagiert. Deren Ziele, eine Digitalisierung der Tickets, bzw. die Reduzierung auf ein Trägermedium und dessen bundesweiten Einsatz, werden vom RMV mitgetragen. Als erster Schritt wurde dafür im Rhein-Main-Verkehrsverbund das eTicket mit der Funktion als Mobilitätskarte umgesetzt. Während der Konzeption des eTickets wurde die Integration von anderen Mobilitätsdienstleistungen schon mitgedacht. Der RMV hatte zuvor bereits eine erfolgreiche Tarif-Kooperation mit den regionalen Carsharing-Anbietern stadtmobil Rhein-Main und book-n-drive.

Derzeit sind rund 490.000 Chipkarten im Umlauf. Auf der Karte werden keine Funktionen gespeichert – die Karte kann „nur” als Zugangsmedium für zusätzliche Mobilitätsdienstleister genutzt werden. Um dies technisch zu realisieren, waren keine nennenswerten Investitionen notwendig. Förderungen wurden nicht genutzt. Der (((eTicket-Deutschland Standard sieht vor, dass die eTickets nach 5 Jahren ausgetauscht werden.

Sechs Sharing-Angebote mit einer Karte nutzen

Nutzerinnen und Nutzer des eTickets können insgesamt eine Flotte mit über 3.000 Leihfahrzeugen und 1.000 Leihrädern nutzen. Darunter befinden sich auch Elektroautos und Pedelecs. Neben den Verkehrsmitteln des ÖPNV in der Region RheinMain ist das eTicket offen für Partnerangebote. Der RMV plant die Ausweitung des Angebotes in andere Mobilitätsbereiche. Bisher sind folgende Unternehmen eingebunden: (Stand 2016)

  • Carsharing book-n-drive (Stationen & Free-Floating): mit 800 Fahrzeugen im Gesamtgebiet, in ausgewählten Städten stehen zusätzliche 300 cityFlitzer zur Ausleihe bereit. Bei der Anmeldung enthalten eTicket Kundinnen und Kunden ein Willkommensgeschenk von 30 Euro.
  • Carsharing Flinkster (Stationen): Fahrzeuge können im gesamten Bundesgebiets genutzt werden.
  • Carsharing stadtmobil Rhein-Main (Stationen): bietet zahlreiche Carsharing-Fahrzeuge in ausgewählten Städten und zu günstigen Konditionen für eTicket-Nutzerinnen und -Nutzer an. Die Anmeldegebühr reduziert sich auf 25 Euro inklusive 10 Euro Fahrtguthaben. Die Anmeldung erfolgt mit dem eTicket bei stadtmobil und die Buchung der Fahrzeuge kann per PC, Telefon oder Handy-App erfolgen.
  • Carsharing Scouter (Stationen): bietet viele Fahrzeuge in Mittel- und Nordhessen an. Den eTicket-Nutzern stehen sofort bei Anmeldung 30 Euro Fahrtguthaben und ein spezieller Tarif ohne monatliche Grundgebühr zur Verfügung.
  • Car- und Pedelecsharing eMobil Offenbach (Station): Inhaber/innen des eTicket RheinMain können das eMobil-Angebot mit dem eTicket nutzen. RMV-Zeitkartennutzer/innen erhalten 10 Prozent Rabatt auf die Nutzung des Sharing-Angebotes. Das eTicket RheinMain wird auch als Nutzermedium beim Ausbau des Stationsnetzes im Rahmen des neuen Förderprojektes eMobil 2.0 eingesetzt werden.
  • Bikesharing MVGmeinRad (Stationen): steht nach einer Registrierung mit 110 Stationen und rund 800 Rädern zur Verfügung. Alle Räder sind mit einer Anhängerkupplung für einen Croozer ausgestattet, der privat mitgebracht werden kann.
  • Mit Car2go und Call a Bike kooperiert der RMV ebenfalls. Auf Grund des unterschiedlichen Zugangssystems sind diese Angebote jedoch nicht Bestandteil der RMV-Mobilitätskarte. Der RMV geht gezielt auf andere Mobilitätsanbieter zu und bindet diese in ihr Angebot ein. Die ersten Kooperationen im Carsharing gab es in den späten neunziger Jahren. Seit dem wird das Angebot kontinuierlich erweitert.

Ein Pilotprojekt befindet sich in der Vorbereitung, bei dem das eTicket RheinMain auch als Zugangsmedium für Parkhäuser in Frankfurt eingesetzt werden kann. Gemeinsam mit der Frankfurter Parkhausbetriebsgesellschaft (PBG) werden zunächst zwei Parkhäuser so umgerüstet, dass das eTicket RheinMain für die Ein- und Ausfahrt genutzt werden kann. Die Abrechnung der Parkvorgänge erfolgt über einen Zahlungsdienstleister im Namen der PBG.

Vertrieb der Angebote aus einer Hand und Kartenfunktion in der RMV-App

Die Zeitkarten als eTickets sind an zahlreichen Vertriebstellen, an eTicket-fähigen Fahrkartenautomaten und online erhältlich. In ausgewählten Mobilitätszentralen können sich eTicket RheinMain-Nutzer/innen auch für alle multimodalen Zusatzangebote registrieren und dort aus einer Hand Verträge mit allen Anbietern abschließen. Die RMV-Mobilitätszentralen und MobilitätsInfos (kleinere Mobilitätszentralen) beraten zudem zu allen Mobilitätsfragen vor Ort.

Seit kurzem werden auf der RMV-App und im RMV-HandyPortal verfügbare Fahrzeuge und Fahrräder aus dem Sharing-Bereich auf einer Karte angezeigt. Die Buchung für die Partner Call a Bike und Car2go können mit nur einem weiteren Click direkt auf deren Buchungsseiten vorgenommen werden. Diese Funktionen soll es zukünftig in Abhängigkeit von der technischen Realisierbarkeit auch für die anderen Partner geben. In die Fahrplanauskunft werden derzeit Ist-Daten des ÖV eingespielt und als Prognosen herausgegeben, inklusive Warnhinweisen, wenn die Verbindungen nicht zu schaffen sind. Die Daten werden über eine API-Schnittstelle frei zur Verfügung gestellt. Um die Beauskunftung von Wegen unter Einbeziehung von Sharing-Angeboten zu verbessern hat der RMV am F&E-Projekt DYNAMO mitgearbeitet. Eine Zielstellung des Projektes war die Umsetzung einer intermodalen Verbindungsauskunft. Die innerhalb des im Frühjahr 2016 beendeten Projektes entwickelte Auskunft wird demnächst in die mobile Auskunft des Verbundes einfließen.

Rabatte und Vergünstigungen für Sharing-Angebote über das eTicket

Die Konditionen und Vergünstigungen für die Nutzerinnen und Nutzer des eTicket RheinMain variieren je nach Anbieter. Die Abrechnung erfolgt immer über den jeweiligen Sharing-Anbieter. Eine Registrierung bei den Anbietern ist erforderlich um die Angebote der Mobilitätskarte zu nutzen. Der RMV nutzt mit dem eTicket RheinMain den technischen Standard der VDV-Kernapplikation. Damit soll in erster Linie die Interoperabilität der eTicket-Systeme innerhalb des ÖPNV in Deutschland realisiert werden.

eTicket-Nutzer/innen sind pauschal noch nicht gleich Kundinnen und Kunden der anderen Mobilitätsanbieter. Aber diese können dann nach Registrierung auf die Ausgabe der hauseigenen Chipkarte verzichten, weil die neuen Kundinnen und Kunden den „Türöffner“ mit der Mobilitätskarte (eTicket RheinMain) bereits besitzen. Die Sonderkonditionen gelten allerdings nicht nur für eTicket Nutzer/innen, sondern auch für diejenige, deren Jahresabonnements noch nicht digital sind. Diese benötigen dann allerdings die Chipkarten der jeweiligen Sharing-Anbieter. Seit kurzem können sich Smartphone-Nutzer/innen mittels RMV-App über die Standorte der Sharing-Angebote informieren und bei einigen Anbietern direkt zur Buchung weitergeleitet werden. Die direkte Buchung in der App bleibt weiterhin das Ziel des Verkehrsbundes.

Potentiale der Nutzergewinnung durch Marketing noch nicht ausgeschöpft

Gelegentlich werden Werbemaßnahmen in Kooperation mit Verkehrsunternehmen durchgeführt, allerdings bisher noch nicht mit dem Schwerpunkt auf den multimodalen Zusatznutzen. Es wurden auch noch keine zielgruppenspezifischen Ansprachen getätigt. Die Sharing-Anbieter sind, mit Ausnahme des Angebotes von eMobil RheinMain, optisch nicht als Leistung innerhalb des Verkehrsverbundes, etwa durch ein RMV-Logo, zu erkennen. Die Angebote der RMV-Mobilitätskarte werden derzeit lediglich auf der RMV-Internetseite präsentiert. Zudem wird in den Kundenzentren gemeinsam mit dem eTicket auch eine Information zu den Möglichkeiten der RMV-Mobilitätskarte ausgegeben.

Hauseigene Marktforschung jetzt auch zum Thema multimodale Zusatznutzen

Das RMV eTicket ist offen für städtische wie private und auch konkurrierende Anbieter. Es gibt außerdem eine eigene Marktforschung, die den Verbund dabei unterstützt, die Kundenbedürfnisse von heute und Trends zu erfassen. Die Entwicklung und Einführung des eTicket RheinMain wurde eng durch den hessischen Datenschutzbeauftragten begleitet.

Die Flächen für die Car- und Bikesharing-Stationen sind größtenteils städtisch. Die Städte müssen als Partner für Abstellanlagen und Parkplätze mitgewonnen werden. Teilweise stehen die Sharing-Angebote auch auf Privatgelände (Parkflächen in Höfen oder auf Privatgrundstücken). Die Förderung des Carsharings erfolgt auf kommunaler Ebene in Abstimmung mit den Verkehrsunternehmen. Der RMV ist allerdings, nachdem Sharing-Kooperationen eingegangen sind, am Prozess der Flächengewinnung nicht beteiligt.

Steckbrief eTicket RMV

Region Rhein-Main: ca. 5 Mio. Einwohner/innen

Start: 2015

Akteure: RMV und 27 Gesellschafter

Elemente: Carsharing, Mobilitätskarte, Carsharing, Bikesharing

Nutzergruppe: ÖV-Stammkundschaft

Besonderheit: 490.000 Chipkarten mit Zugangsfunktion zu sechs Carsharinganbietern

Rückfragen unter:

innovation@rmv.de